Zeitarbeiter – Tagelöhner des Kapitals
Es ist, so scheint es zumindest, kaum ein Zeitzeuge auffindbar, der zum Thema « Zeitarbeit » eine positive Einstellung hat. Und es ist richtig, dass viele Vorteile dieser Lebenserwerbsform zugunsten der Arbeitgeber gehen. Der Faktor « Zeitarbeit » steigert die Flexibiltät des Arbeitsmarktes, denn er ermöglicht den Arbeitgebern « nach Bedarf » sich die Arbeitskraft zu mieten. Auch das « Entlassen » überflüssiger Arbeitskraft ist recht mühelos. Alles eine Sache des Angebots und der Nachfrage. Es gibt aber auch Einzelfälle, wo sich Arbeitgeber dieses Werkzeugs bedient haben um die Arbeitskraft zu prüfen und eine feste Arbeitsstelle geschaffen haben.
So stellt sich also die berechtigte Frage, ob die Vorteile dieser Arbeitsform für die Arbeitgeber ausreichen, um die Nachteile der Zeitarbeit insgesamt aufzuwiegen. Hätten die Arbeitgeber alleinige Entscheidungsgwalt, würde das Arbeitsgesetz auf den Inhalt eines Zeitarbeitvertrages reduziert. Allgemein mag es sein, dass man die Unannehmlichkeiten herunterspielt, aber die Betroffenen stehen ständig unter Druck, müssen oftmals um das « Morgen » bangen.
Die Nachteile sind bekannt. Der Verdienst ist geringer (dies beeinflusst die Beitragszahlungen und somit die Leistungen); nur wenig bezahlte Urlaubstage; unklare Rechtslage im Krankheitsfall; geringe Arbeitslosengeldvergütung; kaum Zugangsmöglichkeiten zur Weiterbildung; ständiger Arbeitsplatzwechsel; usw. Nicht selten ist es ein Übergang zum Sozialfall, selten aber der Weg nach Oben.
Für die Zeitarbeitsfirmen scheint trotzdem die Zeit gesegnet zu sein. Sowohl Nachfrage als Angebot stehen hoch im Kurs. Da wird gleich zweimal verdient, denn die Preise für beide – Arbeitgeber/Arbeitnehmer – richten sich nach diesen marktwirtschaftlichen Kriterien. Zudem werben Zeitarbeitfirmen nicht nur bei Kunden, sondern auch bei den Arbeitsuchenden. In den Werbespots zeigen sie höchst zufriedene Zeitarbeiter, in Hochglanzbroschüren werden die Vorteile gepriesen… In den Firmen, wo nebst Festangestellten auch Zeitarbeiter tätig sind, ist der Unterschied in Sachen « Zufriedenheit am Arbeitsplatz » gering. Man betrachtet sich auch nicht als Gegner, auch wenn es im Sinne der Arbeitgeber ist, dass ein gewisses Konkurrenzdenken vorhanden ist.
Die « Unzufriedenheit » beim Zeitarbeiter drückt sich vowiegend aus folgenden Gründen aus: man kann sie leicht zu unregelmässigen Arbeitszeiten motivieren, sie sind leichter zu überzeugen, dass Sicherheitsvorschriften nicht zu streng genommen werden, sie murren auch kaum bei anstrengender oder monotoner Arbeit… Das im Worte wiederzugeben aber, ist für den Zeitarbeiter höchst gefährlich. Er hat eben nur seine Arbeitskraft zu verkaufen, und da hilft es nicht, sich zu beschweren.
Als Vorteil par excellence, wird der Ausstieg aus der Arbeitslosigkeit gepriesen, und sicher ist etwas an der Geschichte dran. Wenn man aber von vielen Einzelfällen absieht, so ist der Weg in die Zeitarbeit nichts anderes als eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme in eigener Initiative. Es ist also keinesfalls ein greifendes Argument zur Verallgemeinerung eben dieser Zeitarbeit. Abschliessend bliebe dann auch noch zu beweisen, dass diese Arbeitskraft nur mit Zeitarbeitvertrag benötigt werde. Im Grunde aber ist es die moderne Fassung des Tagelöhners, die hier geschaffen wird. Der Mensch wird wieder zur Ware…
Kleiblad