Gary Diederich sprach nach den Demos und anderen Aktionen mit Morris Weimerskirch (UNEL) und Youri Geers (Streikkommitee) über Anfang und Ende der Protestbewegung gegen das Gesetz 5611. Einleitend wollte Gary wissen warum sie gegen das Gesetz 5611 Manifestiert und in den Schulen zum Streik aufgerufen haben.
Das ganze hatte mit einer Versammlung im „Ratelach“ begonnen und dann ging alles sehr schnell. Sicher hatten sie sich schon einige Gedanken gemacht, aber Youri hatte noch nicht den kompletten Durchblick und ließ sich vorerst von Morris mitziehen. Schnell aber bemerkte Youri dass es wichtig und richtig sei sich gegen das ominöse Gesetz einzusetzen. Youri: „Das ganze ist eine Sauerei, umso tiefer wir nachgeforscht haben, umso ersichtlicher wurde uns, dass wir (die Jugendlichen) die gesamten Nachteile zu tragen haben.“
„Es war natürlich auch eine ganze Menge Arbeit, die Schüler entsprechend aufzuklären und ihnen klar zu machen, dass die einzige Möglichkeit Gehör zu finden, eine gemeinsame Aktion sei. Wir wurden verstanden und die Streikaktion zum vollen Erfolg. Leider hat die Politik uns nicht hören wollen. Wären wir „Arbeiter“ gewesen, hätten unsere Stimmen bestimmt ein anderes Gewicht gehabt.“
„Wir waren somit auch gegen eine Inhaltsänderung, da dieses das Ganze nur noch unverständlicher gemacht hätte. Doch egal was du tust oder sagst, keiner hört dir zu. So bleibt der Jugend von heute und auch der kommenden Generationen nur die Konsequenzen einer 30jährigen CSV-Politk zu tragen.“
Es wurde richtig erkannt dass dieses – gegen den Willen vieler – Gesetz ein Schritt in die falsche Richtung ist. Für die „Drahtzieher“ aber war es wichtig so viele junge Menschen wie irgendwie möglich zu informieren und über die Hintergründe des 5611 aufzuklären.
Nun fragen sich Youri und Morris wie man dieses Gesetz nun wieder abschaffen kann. Es sei nach einer verlorenen Schlacht natürlich schwer die Leute erneut für den Kampf zu motivieren. Es ist auch nicht die Angst vor der Politik die weitere Aktionen behindert. Politiker haben den Vorteil dass die Jugend noch viele andere, nicht zwingend produktive, Interessengebiete hat (Playstation, SMS, Rumhängen, usw.).
Gary’s Interviewpartner drückten denn auch ihre Bedenken aus, bezüglich der Aktion „Biltgen on Tour“ von Arbeitsminister Francois Biltgen, der sich nicht genierte die Schulen zu besuchen und den Schülern vor Ort sozusagen das Gesetz schmackhaft zu machen. „Der größte Gegner des Schülerstreiks aber waren die Schüler selber. So entseht der Eindruck, man müsse ihnen alles vorkauen. Für die Wäsche gibt es Mutter, der Tagesablauf wird vom Schulprogramm gesteuert, usw… Sie sind sich halt noch nicht bewusst dass der Tag des Eintritts ins Arbeitsleben ein hässlicher sein könnte.“
Auch die Teilnahme der Schüler war unterschiedlich motiviert, aber sicherlich ist jeder einverstanden zu sagen, dass man „so etwas“ einmal miterlebt haben muss. Leider scheint diese Erfahrung nun gemacht und es findet sich keinen die Aktion(en) weiterzuführen. Im engen Kreise aber ist man zufrieden über die Teilnahme, und einigen hat es an Erfahrungsreichtum vieles gegeben. Youri und Morris wollen jedenfalls am Ball bleiben und gegebenenfalls an weiteren Aktionen teilnehmen.
Patrick Kleeblatt