Nach einer umfassenden Säuberung diverser öffentlicher Plätze (Bahnhofsviertel Lux.) von Obdachlosen und BettlerInnen, dem Gesetzesvorschlag der „Lex Greenpeace“ und der damit geplanten Kriminalisierung jeglicher politischer Opposition, kurzum dem aufhaltsamen Fortschreiten der Schaffung eines sauberen, ordentlichen und disziplinierten öffentlichen Raumes scheint mit der Initiative öffentlicher Militärspektakel einherzugehen.
Öffentliche Gelöbnisse sollen demnach militärische Traditionen in den öffentlichen Raum tragen. Nebst millionenschwerem Militärhaushalt und der Sinnlosigkeit des einheimischen Militärs soll der Diskussionsschwerpunkt nun auf ihre schnieken Uniformen verlagert werden. (sic!) Oder soll die Bevölkerung sich doch nur wieder an den Anblick von Militär gewöhnen, bevor sie auf RTL die nächsten Auslandseinsätze des hiesigen Militärs bewundern darf.
Mit Gelöbnissen, die in der Öffentlichkeit abgehalten werden, zielt das Militär auf die Militarisierung des öffentlichen Raumes. Militärmusik und Militärparaden in der luxemburger Realität gehörten bislang eher zur Ausnahme, umso mehr möchten sie nun den öffentlichen nun erobern.
Das luxemburgische Militär ist auf gesellschaftliche Akzeptanzbeschaffung angewiesen. So musste sie um gesellschaftlichen Konsens herzustellen und neues dringend benötigtes Kanonenfutter anzuheuern, auf aggressive Medienkampagnen setzen. (Mat der Arméi an d’Zukunft) Als wäre dies des Armutszeugnisses nicht schon genüge, setzt sie nun mit ihren Militärspektakeln diese Gewöhnungsstrategie fort.
Institutionen wie das Militär und andere ebensolche Zwangsvereine, in welchen Ideale gelebt werden die in rechtsradikalen, konservativen und einfach strukturierten Gehirnen herumspuken – die da sind: Befehle, Gehorsam, Ordnung, Sauberkeit, Disziplin, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft und für sein Vaterland sterben – haben das Problem sich in der Öffentlichkeit ständig selbst legitimieren zu müssen.
Im Gleichschritt gegen die Demokratie
Soldaten sind keine Krankenpfleger und Armeen keine Menschenrechtsorganisationen, sondern frei nach Kurt Tucholsky ganz einfach Mörder, zudem professionell ausgebildete.
Armeen, aufgrund ihrer Funktionen und Geschlossenheit ihres Aufbaus, stellen einen politischen Machtfaktor dar. Zudem besitzt sie bestimmte Organisationsformen die nicht mit den Ansprüchen einer demokratischen Gesellschaft vereinbar sind; ganz im Gegenteil stellt das Militär eine dieser Institutionen dar, welche sich in den unterschiedlichsten Gesellschaftssystemen und zu jeder Zeit auch den stärksten Demokratisierungstendenzen trotzt. Das gesellschaftsfähig machen der Armee formt die Staatsmasse. Unbedingter Gehorsam, Staatsgläubigkeit und das Aufgeilen an Uniformen zeichnet jede Armee aus. Die Tatsache dass möglichst viele Menschen den Zugang zur Armee haben, so z.B. auch Frauen, macht das Militär nicht demokratischer, denn eine Demokratisierung würde zwangsläufig eine Beseitigung autoritärer Strukturen bedeuten und nicht deren Ausweitung auf eine größere Gruppe von Menschen.
Kuul Fiet an d’Wiv de Grand Duq
(Initiative pour l’alphabétisation des soldats)