Ich tue mir schwer mit Einleitungen. Deshalb möchte ich mit der Definition des Wortes „Arbeit“ beginnen. Wikipedia meint zum Beispiel: Das Wort Arbeit bezeichnet: im Allgemeinen die zielgerichtete, zweckgebundene menschliche Verrichtung diese wird von verschiedenen Fachrichtungen unterschiedlich eingegrenzt und unter unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Diese verschiedenen Blickwinkel reichen von „die bewusste schöpferische Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur und der Gesellschaft“ über „die zielbewusste und sozial durch Institutionen abgestützte Tätigkeit“ oder auch der simplen „beruflichen Tätigkeit“ bis hin zum „Produktionsfaktor“ wie die Volkswirtschaftslehre die Arbeit sieht.
Arbeit wird in den Medien sehr polarisiert dargestellt. Einerseits ist es im Licht einer immer größer werdenden Arbeitslosigkeit ein erstrebenswertes Gut, anderseits wird Arbeit als lästig, nervenaufreibend, stressig und unangenehm beschrieben. Die Arbeit als „berufliche Tätigkeit“ oder auch als „Produktionsfaktor“ scheint der Motor jedes Wirtschaftssystems, ob nun kapitalistisch oder kommunistisch zu sein. Arbeit bedeutet Produktion, Produktion bedeutet einen Gewinn, ob nun in der materialistischen Logik des Kapitalismus oder in der romantischen Vorstellung des Kommunismus. Mit einem Teil des Gewinns werden, zumindest im Kapitalismus, die Löhne finanziert, und mit den Löhnen kann der Arbeitende sein Leben finanzieren und seine Freizeit gestalten. Wobei die aus ökonomischer Sicht wohl idealerweise daraus besteht, dass der so eben Entlohnte seinen Lohn wieder in den ökonomischen Kreislauf einfließen lässt, dh. Waren kauft. Und dies immer und immer wieder, so lange, bis er stirbt. Dies lässt sich mit dem Thema der Queesch, die der geneigte Leser gerade in den Händen hält, gut zusammenfassen: Work! Buy! Die!
Arbeit kann jedoch noch ganz andere Formen haben als der „Produktionsfaktor“ in einem ökonomischen Betrieb. Mir persönlich gefällt die Definition die Arbeit in der Philosophie hat, noch am besten. Arbeit wird doch wie oben schon erwähnt als „die bewusste schöpferische Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur und der Gesellschaft“ beschrieben. Arbeit sind also nicht nur die Tätigkeiten, die zu Erwerbszwecken geführt werden, sondern auch alle anderen, zB. Dinge, die wir zu „gemeinnützigen Zwecken“ tun. Womit die allermeisten jener, die an der Queesch arbeiten, für eben dies miteinbegriffen wären. Einen Artikel für die Queesch schreiben ist Arbeit. Musik machen ist Arbeit. Den Garten umgraben ist Arbeit (sogar im physikalischen Sinn!). Arbeiten bedeutet also nicht immer, Geld dafür zu bekommen. Vielleicht macht genau dieser Faktor die Arbeit oft schwerer als sie sein müsste, anderseits wird manche Arbeit erst dadurch ertragbar. Jugendlichen wird oft vorgeworfen, sie würden überhaupt nicht arbeiten wollen. Kann man die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Luxemburg als Indiz hierfür nehmen? Stimmt das Bild des faulen Studenten, der lieber noch ein paar Semester mehr studiert als sich in die Arbeitswelt zu stürzen etwa? Wir mussten uns in den vergangenen Monaten sehr viel von solchem Unsinn anhören, vor allem während der Zeit vor der Abstimmung des Gesetzesprojekt 5611. Da wurde das Bild des Abiturienten, der nach der „Première“ lieber in Urlaub fährt als sich um einen Job zu kümmern, gezeichnet und die Jugendlichen wurden pauschal zu Dauergästen im „Hotel Mama“ erklärt.
Letzteres könnte dank dem unsozialen Gesetz, das übrigens nicht nur Jugendliche, sondern auch andere Gruppen wie zB. Gefängnisinsassen betrifft, leider bald die traurige Wirklichkeit werden. Demnach wäre Minister Bilgten kein besonders sozialer Arbeitsminister, aber ein guter Wahrsager. Mit diesen Fähigkeiten würde er ja nach einer eventuellen Nicht-Wiederwahl schnell eine neue Arbeit finden. Nichtsdestotrotz waren die Proteste gegen das Gesetzesprojekt N° 5611 enorm und zeigen uns, wie sehr das Thema „Arbeit“ nicht nur die Jugendlichen, sondern die gesamte Gesellschaft bewegt. Wer damals nicht dabei war oder sich einfach nochmal die Bilder des Protestes ansehen will, sei auf den entsprechenden Artikel und die Bilder, Videos und Radiobeiträge auf unserer CD verwiesen. Wer will, darf während dem Lesen „Geint de Sechsafoffzegellew klappt an d’Hänn“ auf die Melodie von „Von den blauen Bergen…“ singen oder auch summen. (Das nennt man dann „patrizipatives Medium“ oder auch „interaktiv“.)
Weitere unsoziale Gesetze befinden sich auf dem Weg, zum Beispiel das sogenannte Einheitsstatut, das dann wohl nicht „Angestellte“ oder „Arbeiter“ heißen wird, sondern „Ausgebeutete“. Fängt auch mit „A“ an und so einen großen Unterschied macht es nicht. Dass der Druck, hier überhaupt politisch etwas zu verändern, vom Patronat und dessen Freunden kommt, muss man wohl niemanden sagen. Und momentan sieht es so aus, als würde sich dieses neue Statut aus den schlechten Eigenschaften beider Statuten zusammensetzen.
Was bedeutet Arbeit in der heutigen Gesellschaft? Welchen Stellenwert hat Arbeit, die nicht für Geld verrichtet wird? Gibt es einen Ausstieg aus der Endlosschleife Work-Buy-Die? Ist Arbeit letztendlich gar nicht so schlimm wie ihr Ruf und haben ihre negativen Seiten positive Auswirkungen auf die Persönlichkeitsbildung? Einige dieser Fragen werden im Dossier dieser Queesch beantwortet. Natürlich sind diese „Antworten“ nur die Ansichten der Autoren.
Die Queesch lebt von verschiedenen Meinungen und davon, dass Menschen mitmachen, sich aktiv an der Gestaltung beteiligen. Wir fordern deshalb alle auf, ihre Artikel, Fotos, Videos, Audios, etc, einzusenden. Kritik zur Queesch im Allgemeinen und zu den Artikeln im Speziellen ist sehr willkommen. Nur so kann eine Diskussion entstehen, und die ist, das zeigt die jüngste Vergangenheit, besonders beim Thema Arbeit, mehr als nötig.
Joël,
für das Queesch-Kollektiv