Folgendes Interview aus der Rubrik “Gefarzelt mam” sollte in der letzten Ausgabe, der Nr25 “free Spaces” veröffentlicht werden. Das hat aber nicht geklappt, so dass wir den Artikel jetzt online zugänglich machen und damit auch hoffentlich ein Apettit auf die Printausgabe machen.
Farzel gibt sich diese Ausgabe nicht mit einem halben Selbstgespräch zufrieden und traut sich wieder unter die Lebewesen. Wer es noch nicht weiß und die letzten Glanzprodukte der Queesch verpasst hat: Farzel ist kein Tier sondern ein Alter-ego. In dem Sinne ist es kein Lebewesen sondern eine Abstraktion. Aus der Abstraktion heraus wirft Farzel einen Blick (also nicht alle Blicke) auf die Aktionen von Lebewesen und versucht kritische aber konstruktive Fragen aufzuwerfen. Die InterviewpartnerInnen sind jedoch aus Fleisch und Blut, meist subversiv aktiv. Was sie umwälzen wollen, erklären sie immer selbst. Diesmal wurde mit Save Animal gefarzelt, viel Spaß beim Lesen!
Ihr definiert euch auf eurer Homepage als “luxemburgische Tierrechtsgruppe” – was sind Eure konkreten Ziele?
Wir kämpfen für die Abschaffung der Ausbeutung und Tötung von Tieren in unserer Gesellschaft und fordern, dass die anderen Tiere nicht mehr als Nahrungsmittel, Versuchsobjekte, Unterhaltungsmedien oder sonstige Rohstoffquellen betrachtet werden. Leider werden Tierrechte oft mit Tierschutz verwechselt, deswegen möchten wir hier kurz den Unterschied verdeutlichen: TierschützerInnen fordern eine geregelte, für den Menschen optimierte, Ausbeutung von nichtmenschlichen Tieren. TierrechtlerInnen hingegen fordern die komplette und bedingungslose Abschaffung aller Ausbeutungsformen von Tieren, und diese schließen die menschlichen Tiere natürlich mit ein.
Letzteres wird von Animal Justice in Frage gestellt, in einem Text kritisiert die Tierrechtsgruppe die Organisation der Animal Rights Conference 2011. Das Hotel Novotel würde Ausbeutung von eben genannten menschlichen Tieren betreiben. Ist diese Kritik eurer Meinung nach gerechtfertigt?
Ja, die Kritik ist gerechtfertigt. Leider wussten wir von diesen Umständen nicht, als wir uns für das Novotel entschieden hatten und leider wurde diese Kritik von Animal Justice erst an uns herangetragen, als die Verträge schon unterschrieben waren, obwohl wir die Absicht, das Novotel als Veranstaltungsort zu nutzen, schon lange vorher publik gemacht hatten. Wir haben daraus gelernt, dass wir noch viel intensiver die Hintergründe, vor allem großer Konzerne, recherchieren müssen. Leider leben wir aber noch in einer sehr unperfekten Welt und müssen uns leider immer wieder auf Kompromisse einlassen. Indem wir in Supermärkten einkaufen, in denen Produkte multinationaler Ausbeutungskonzerne angeboten werden, indem wir in Restaurants essen, in denen nicht nur ausschließlich vegane Gerichte angeboten werden, indem wir Transportmittel benutzen, die mit Benzin oder Diesel von multinationalen Ölkonzernen fahren, indem wir Steuern zahlen an einen Staat, der auch Abschiebung betreibt – egal was wir tun, wenn wir nicht komplett DIY leben und aus unserer Gesellschaft aussteigen, unterstützen wir zu einem gewissen Maße die Ausbeutung von Menschen und den anderen Tieren. Save Animals ist das in keinster Weise egal, und wir versuchen das auch so weit wie möglich zu reduzieren und wir freuen uns immer über konstruktive Kritik, die uns hilft, unsere Arbeit in Zukunft besser und konsequenter zu machen.
Und wie steht Save Animals zu der Kritik, dass die Gebühren für Stände und überhaupt eine Teilnahme an der Konferenz zu hoch sind und diese durch Mithilfe zu ersetzen der Logik der Lohnarbeit entspricht? Neben dieser konkreten Kritik stellt sich für Außenstehende außerdem die Frage, ob eine Zusammenarbeit zwischen Save Animals und Animal Justice besteht, besonders im Hinblick auf eine vor Ort organisierte internationale Konferenz?
Also erst einmal kurz die Info, dass Save Animals zwar maßgeblich an der Planung der International Animal Rights Conference beteiligt ist, aber neben Aktiven von Save Animals auch noch weitere TierrechtlerInnen aus Deutschland im Orga-Team sind, die nicht ein Teil von Save Animals sind. Wir beantworten also hier die Fragen nur aus Sicht von Save Animals und nicht aus Sicht des gesamten Orga-Teams. Die Teilnahmegebühr für die Konferenz war für FrühbucherInnen 30 EUR. Da das Orga-Team über keine finanziellen Mittel verfügt und nur ein ganz kleiner Betrag durch Sponsoren beigesteuert wurde, müssen wir die anfallenden Kosten im wesentlichen durch die Teilnahmegebühren decken. Auch wenn der Betrag nicht gerade wenig ist, so bietet die Konferenz mit 4 Tagen Programm und internationalen ReferentInnen eine Menge. Wenn Personen teilnehmen wollen, die sich das finanziell nicht leisten können, so werden wir eine Lösung finden. Etwas seltsam ist, dass von Animal Justice zum einen kritisiert wird, die Konferenz sei auf Konsum ausgerichtet, andererseits wird die Aufforderung zu einer aktiven Unterstützung der Konferenz als Lohnarbeit dargestellt und abgelehnt.
Die Gebühr für Infostände beträgt 40 EUR und wir bieten zudem die Möglichkeit an, dass Gruppen, die keinen eigenen Stand machen, ihre Informationen auf einem allgemeinen Infotisch auslegen können, so dass es nicht nur Gruppen mit eigenem Stand vorbehalten ist, ihre Informationen zu präsentieren.
Eine Zusammenarbeit zwischen Save Animals und Animal Justice besteht nicht, weder in Bezug auf die Konferenz-Planung, noch in anderen Bereichen.
Um aber auch wieder auf meine erste Frage zurückzukommen: Ich hatte nach konkreten Zielen gefragt und wollte fragen, ob der Kampf gegen etwas und die Forderung nach etwas für euch als konkretes Ziel gilt? Wie könnt ihr dann einschätzen, ob ihr das Ziel erreicht?
Das Ziel ist, wie schon angedeutet, eine Gesellschaft frei von Ausbeutung von Menschen und anderen Tieren. Konkrete Forderungen an Menschen sind im wesentlichen der Umstieg auf eine vegane Lebensweise, denn unser eigenes Konsumverhalten ist das, was wir alle mehr oder weniger in der Hand haben und wodurch wir unmittelbar eine Veränderung bewirken können. Uns ist klar, dass wir in absehbarer Zeit keine komplett vegane Menschheit erleben werden, und deswegen haben wir auch kleinere Zwischenziele auf dem Weg.
Wir versuchen den Menschen durch vegane Essensstände, persönlichen Austausch und unseren monatlichen Vegan Brunch im Café ROCAS zu zeigen, wie einfach und lecker die vegane Ernährung ist. Jeder Mensch, der sich entscheidet vegan zu leben, bedeutet alleine durch die Ernährung, dass ca. 100 Tiere weniger pro Jahr getötet werden. Jedes Mal, wenn wir erfahren, dass eine weitere Person durch unsere Aufklärungsarbeit auf eine vegane Lebensweise umgestiegen ist, ist das ein kleines Zwischenziel, dass erreicht wurde.
Der Fokus unserer Aktionen und Kampagnenarbeit liegt klar darauf, die konsumierenden Menschen zum Umdenken zu bringen. In einem kapitalistischen System macht es aus unserer Sicht wenig Sinn, zu versuchen, einen direkten Einfluss auf Firmen zu nehmen. Firmen wollen Geld verdienen und es ist ihnen mehr oder weniger egal, wie. Zu versuchen, eine Firma davon zu überzeugen, ein Produkt, mit dem viel Geld verdient wird (z.B. Fleisch), aus dem Sortiment zu streichen, ist extrem aufwändig und wenig nachhaltig, weil solange die Nachfrage danach besteht, wird es andere Firmen geben, die damit Geld verdienen wollen. Besser ist es, aus unserer Sicht, die konsumierenden Menschen davon zu überzeugen, dass sie keine Tierausbeutungsprodukte mehr kaufen, denn nur so werden die Firmen langfristig diese Produkte aus dem Sortiment nehmen. Auch wenn wir konkret vor Tierausbeutungskonzernen wie McDonald’s oder MaxMara stehen, so fordern wir im wesentlichen die KonsumentInnen auf, dass sie ihr Konsumverhalten ändern sollen.
Es gibt auch „Randthemen“, die wir als Zweck zum Ziel adressieren. Z.B. ist es aus Tierrechtssicht nicht akzeptabel, dass Tiere wie Nerze, Füchse, Katzen und Hunde auf „Pelztierfarmen“ eingesperrt und zu Rohstoffen für die Pelzindustrie umdefiniert werden. Quantitativ gesehen sind es nur marginal wenige Tiere, die für die „Pelzindustrie“ sterben, im Vergleich zur Nahrungsmittelindustrie, und Arbeit in solche Themen zu investieren, wird von einigen TierrechtlerInnen als kontraproduktive Zeitverschwendung gesehen. Da es aber in der Bevölkerung eine große Sympathie für die „Pelztiere“ gibt, greifen wir solche Themen auf und verbinden sie mit einer grundsätzlichen Veganismusforderung. Somit beteiligen wir uns auch an den globalen Kampagnen gegen die Pelzindustrie, wie z.B. gegen den Pelzverkauf beim Modehersteller MaxMara. Es ist uns aber wichtig, dass der Fokus und die meiste Zeit der Tierrechtsarbeit von Save Animals in die Richtung einer veganen Gesellschaft geht.
Das heißt, desto mehr Menschen vegan konsumieren, desto näher kommt ihr eurem Ziel? Wie äußert sich darin der Anspruch, gegen alle Ausbeutungsformen vorzugehen?
Naja, ganz so einfach ist es leider nicht, aber es ist sicherlich das, wodurch jede einzelne Person den meisten Einfluss hat.
Die veganen Alternativen zu Tierausbeutungsprodukten (also Pflanzenmilchprodukte anstatt Tiermilchprodukte, Fleischalternativen auf Soja- und Weizenbasis, etc.) sind zu einem großen Teil aus biologischem Anbau. D.h. dass durchschnittlich vegan lebende Menschen einen viel geringeren ökologischen Fußabdruck haben als Omnivore. Nicht nur weil die Herstellung pflanzlicher Nahrung viel weniger Energie, Landfläche und Wasser verbraucht und weniger Treibhausgase durch die Herstellung entstehen, sondern auch weil VeganerInnen im Schnitt einen viel höheren Anteil Bioprodukte konsumieren. Auch werden die meisten veganen Alternativprodukte, mit ein paar ganz wenigen Ausnahmen, eher von kleinen Firmen hergestellt, die oft regional einkaufen, produzieren und bessere Arbeitsbedingungen bieten als die Großkonzerne.
Der enorme Bedarf an Soja und Mais als Nahrung für die Tiernahrungsproduktion, der durch Monokulturanbau, basierend auf gentechnisch verändertem Hybridsaatgut, gedeckt wird, hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass Kleinbauern überall auf der Welt ihrer Lebensexistenz beraubt wurden und in die Abhängigkeit als billige Arbeitskräfte multinationaler Großkonzerne gedrängt wurden. Und das Bestreben immer mehr Menschen nach dem Fleischwahn der „westlichen Welt“, ist sicherlich ein Hauptverursacher von Armut, miesen Arbeitsbedingungen und Welthunger. Da sehen wir die vegane Lebensweise ganz klar als eine der Voraussetzungen für eine gerechtere Welt, auch für Menschen. Uns ist aber natürlich auch klar, dass wir nicht nur ein Ressourcenproblem haben, sondern auch ein Verteilungsproblem.
Wir sehen unsere Tierrechtsarbeit als ein ganzheitliches Konzept, indem wir z.B. bei dem veganen Essen, welches wir anbieten, darauf achten, dass die Zutaten möglichst bio sind und regional angebaut wurden, indem wir nur bio-fairtrade-Kleidung mit Tierrechtsmotiven bedrucken, indem wir uns an Protesten und Aktionen in anderen sozialen Bereichen beteiligen, … Wir können nicht die Welt von heute auf morgen verändern, aber jeder einzelne Mensch kann seine Lebensweise sofort ändern, indem er/sie vegan wird – und da brauchen wir nicht auf eine bessere Gesellschaft warten, sondern können direkt was bewirken, auch wenn dadurch natürlich nicht alle Probleme gelöst werden.
Wie schätzt ihr denn die Reaktionen auf eure Arbeit ein? Habt ihr den Eindruck, eure Message kommt an? Wie reagieren die Leute?
Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Die Menschen, die direkt ihren Lebensunterhalt mit Tierausbeutung verdienen, also z.B. KürschnerInnen, Landwirte, MetzgerInnen, etc. – die reagieren sehr aggressiv gegen unsere Aktionen, weil sie denken, dass wir ihnen die Lebensgrundlage nehmen wollen. Sie verstehen nicht, dass auch in einer tierausbeutungsfreien Gesellschaft natürlich die Menschen auch weiterhin Essen, Kleidung, etc. benötigen und sie ja auch mit veganen Produkten Geld verdienen könnten.
Die Menschen, die hauptsächlich als KonsumentInnen in der Kette auftauchen, also aus unserer Sicht die Hauptverantwortlichen für die Probleme sind, weil sie den Auftrag für die Tierausbeutung geben, sehen es eher neutral. Oftmals stimmen sie uns sogar zu und finden unsere Arbeit gut, sind aber nicht bereit, selber ihre Lebensweise auf vegan umzustellen. Leider sind die meisten Menschen eher egoistisch eingestellt, wie ja auch die aktuelle Anti-AKW-Welle zeigt. Wenn die Menschen Angst davor haben, dass sie selber verstrahlt werden könnten, sind sie auf einmal alle gegen Atomstrom. Sie gehen zu Anti-AKW-Demos, aber wenn der Ökostrom teurer ist als der Atomstrom, dann wechseln sie nicht. Genauso ist es leider beim Veganismus. Aus rein ethischer Sicht sind nur wenige zu überzeugen, weil sie ja selber keinen direkten Vorteil für sich sehen, wenn sie keine Tiere mehr essen, auch wenn sie dafür sind, dass keine Tiere getötet oder gequält werden sollten. Erst wenn sie erfahren, dass durch die Fleischproduktion ihre Umwelt zerstört wird und viele der „westlichen Zivilisationskrankheiten“ den Ursprung im Konsum von Tierprodukten haben, werden sie hellhörig.
Grundsätzlich kommt unsere Message wohl schon an, aber es gibt Gewohnheiten bei vielen Menschen, die ungerne verändert werden. Zudem stehen natürlich Industrien mit immenser wirtschaftlicher Macht hinter der Tierausbeutung, die alles daran setzen, dass sie auch weiterhin auf Kosten der Tiere ihre Profite einfahren. Diese Industrien verbreiten, teilweise unterstützt durch Steuergelder, wie im Vitarium, dem Propagandazentrum der Milchindustrie, ihre Unwahrheiten, und versuchen so die Tierausbeutung in unserer Gesellschaft zu verankern.
Wie organisiert ihr euch? Wieviel Leute sind aktiv bei Save Animals und welche Struktur/Organisation gebt ihr dafür?
Save Animals hat einen kleinen Kern von Aktiven, die sich regelmäßig treffen und basisdemokratisch die anstehenden Aktionen planen. Wir pflegen einen engen Kontakt zu mehreren Tierrechtsgruppen in Deutschland, mit denen wir auch gemeinsam Aktionen in Luxemburg und Deutschland durchführen.