Sie hören alles ausser HipHop, sie schreiben Gedichte,« ihr trauriges Gesicht ist zu Hälfte mit Haaren
bedeckt »(Zit. Bernemann). Manche androgyn aussehende Jungs küssen sich: EMOs.
Den gängigen Vorurteilen und Klischees, EMOs wären ein Produkt kommerzieller Institutionen wie MTV oder H&M, setzt ”emo’ Porträt einer Szene’ erschienen im Ventil Verlag Aufklärungsarbeit entgegen. EMO die erste Jugendbewegung2.0? Gut möglich.
EMOs sehen sich Gewalt ausgesetzt:
Der « Movimento Anti-Emosexual » in Mexiko ist nur ein gravierendes Beispiel. Einen Einblick in die EMOjagden in Mexiko zeigt Arthur Einöder auf ORF.
Sich chronisch plakativ lustig zu machen, über Peergroups ist ein Beitrag auf dem Weg zu Hass und Gewalt. Die alte Leier bekannt aus homophoben oder antisemitischen Kreisen.
In diesem Zusammenhang muss es für emanzipatorische Zusammenhänge heissen:
EMOphobie abbauen!
Gerade EMOphobe Punks müssten sich fragen, wie sie ihre Ablehnung von Copyrights mit Vorwürfen von Style-Klau vereinbaren können. (dazu zitiert ‘emo’ Slime mit dem Titel « Pseudo », 1992)
Der Anspruch, als Jugendliche Sexualität frei von Normen herauszubilden, ist wohl Hauptursache für die Anfeindungen, da damit eine Hinterfragung von Machostereotypen einhergeht, wie sie z.B. im HipHop die Regel sind. Diesbezüglich liegen Schnittstellen mit linkpolitischen Idealen auf der Hand.
Zu chronisch Negativen, Depressiven oder Autodestruktiven Ritzern usw. grenzt sich die EMO-Szene insofern ab, als dass sie diese zwar nicht ausschliesst, aber auch nicht als integralen Bestandteil versteht. Ritzen kann als Handlung dennoch zum Emo, wie auch zu anderen Szenen gehören.
In den Interviews mit EMOs zeigt ‘emo’, ein gefühlsbetontes Selbstverständnis, das Bedürfnis nach Intimität und Vertrauen, nach Gemeinsamkeiten jenseits von Dogmen.
Das Lolita Image welches viele EMOmädchen auftragen und dessen subversives Potential schon seit Kubrick überraschend wenig wahrgenommen wird, provoziert als konstruierte Geschlechterrolle weniger, als das androgyne Image der EMOjungs, welches heteronormative Männerbilder offensichtlich in Frage stellt.
EMOporn:
Google zeigt 218’000 Seiten für den Suchbegriff « emoporn » und 2’960’000 Seiten für « emo porn » an. Das heisst, der Anspruch auf Entpornographisierung und Entnormierung der Jugendsexualität, welche Bestandteil der EMO-Bewegung ist, wurde in einem Rückkoplungsprozess der Pronoindustrie ins Gegenteil verkehrt und kommerziell ausgeschlachtet.
Emotion statt Meinung, das klingt erstmal recht unpolitisch. Dass sich die älteren EMOs differenzierter äussern zeigt, dass diese Gefühlsbetontheit im geringen Durchschnitsalter wurzelt und nicht etwa in Gleichgültgkeit. Jedenfalls trifft EMO global einen gesellschaftlichen Nerv, was lange keiner Jugendbewegung mehr gelungen ist.
Und sowieso: Dass Jungs weinen und Mädchen wie Jungs das in Ordnung finden ist doch eine politische Glanzleistung.