Nach dem Schulabschluß entschied ich mich für ein Studium an einer Universität in einem fremden Land. Da bekannt ist dass die Mietkosten für einen Studenten immer zu hoch sind, lag es nahe dass ich mit jemandem zusammenziehen würde. In meinem Fall handelte es sich um eine weibliche Mitbewohnerin. Nach einiger Zeit meldete sich meine Mutter zum Besuch an und ich informierte sie vorsorglich über die Wohnverhältnisse. An meiner Uni ist sowas auch nicht ungewöhnlich, wobei wir ja lediglich die Miet- und Nebenkosten teilen.
Da war sie auch schon meine Mutter. Sie stellte natürlich fest dass meine Mitbewohnerin eine sehr schöne Person war und hatte natürlich längst vor ihrer Ankunft Zweifel bezüglich unseres Wohnverhältnisses. Uns aber nun in Echt zu sehen bestärkte diese Zweifel und machte sie um ein vielfaches neugieriger. Während ihres Aufenthaltes, wo sie uns eingehend beobachtete, überlegte sie sich ob da nicht doch mehr sei als nur ein “Zusammenwohnen”. Jedoch umso eingehender sie prüfte, eine Bestätigung für ihre Zweifel erhielt sie nicht.
Mir waren die Bedenken meiner Mutter von Anfang bekannt, wußte aber nicht wie ich das Thema angehen sollte. Schießlich entschied ich mich nach der Devise: “Der Angriff ist die beste Verteidigung” und sprach mit ihr. “Mutter, ich weiß was du denkst, aber ich kann dir versichern dass wir beide uns lediglich die Wohnung teilen. Wie du festgestellt hast haben wir eigene Schlafzimmer.” Mutter sagte nichts mehr und wir verbrachten noch einige Tage zusammen mit allerlei Krimskrams.
Nachdem meine Mutter wieder abgereist war kam meine Mitbewohnerin zu mir, sichtlich bemüht ein Problem anzusprechen was ihr peinlich erschien. Sie konnte partout den von mir in die Wohngemeinschaft eingebrachten Kaffeetopf nicht wiederfinden. Sie fragte mich also, ob nicht vielleicht meine Mutter diesen unachtsamer Weise eingepackt und mit nach Hause genommen haben könnte. Nun ich bezweilte dies, entschloß mich aber per E-mail an meine Schwester, in dieser Sache nachzuforschen.
Ich schrieb im vorsichtigen Ton: “Liebe Mutter, ich will hiermit nicht behaupten dass du den Kaffeetopf aus unserer Wohnung mitgenommen hast, aber leider ist dieser seit deiner Abreise unauffindbar. In Liebe dein Sohn.“
Einige Tage später erhielt ich über meine Schwester prompt folgende Antwort. “Lieber Sohn. Ich behaupte ja nicht dass du mit deiner Mitbewohnerin schläfst. Allerdings, würde Sie in ihrem Bett schlafen, müsste Sie den Kaffetopf unter ihrem Kissen gefunden haben. Ich habe ihn dorthin gelegt am Tag meiner Abreise. In liebe deine Mutter.“
Die Moral dieser Geschichte liegt auf der Hand. Belüge nie deine Mutter, insbesondere dann wenn sie sehr neugierig ist.
Der Originaltext, den ich als Geschichte nett fand und sich auf Äthiopische Mütter bezog ein paar erklärungen. Ich finde es prinzipiell falsch sich auf eine ethnische Gruppierung zu beschränken. In diesem Fall aber waren meine Bedenken andere. In der Tat war da zuerst die Tatsache dass Äthiopien gerade zu dem Zeitpunkt militärisch in Somalia aktiv wurde. Eine Aktion von der anzunehmen ist dass auch Weltpolizist USA an einigen Fäden gezogen hat. Desweiteren dürfte besonders uns in Europa bekannt sein, dass der durchschnittliche Bürger aus Äthiopien nur in Ausnahmefällen einen Sohn oder eine Tochter ins Ausland zur Universität entsenden kann. Es sind also “Privilegierte” die sich dieses leisten können, und ja, das macht sie mir suspekt. Äthiopien ist ein armes Land, in welchem jeden Tag Menschen den Hungertod sterben, und dessen Regierung mit Oppositionellen aller Art nicht gerade sanft umgeht. Dennoch erschien mir die Geschichte eine Liebeserklärung an alle Mütter dieser Welt zu sein, weshalb sie vielen zugänglich gemacht werden sollte, aber eben nur Sinngemäss statt auf einer ethnischen Grundlage.
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Kléiblad