CD Reviews

CD Reviews

The Vandals – Internet Dating Superstuds (Kung Fu Records)

Auch 20 Jahre nach ihrer Gründung sind sie noch immer eine von den besten Punkbands, die es gibt. Dies ist ihr 12. Album, und hier wird wie gewohnt supermelodischer Punk geboten, inklusive unvergleichlich guten Pipi-Kaka-Lyrics. Zu keiner Sekunde wird es auf ihrer Platte langweilig, nein, es befinden sich im Gegenteil absolute Highlights, wie z.B. Soccer Mom, My Brain tells my Book, My brother is Gray oder Lord Of the dance auf dieser Platte.

Meine persönliche Wertung: 8/10

Torpid – Imnop

(Made in Luxembourg)

Arr, my brain hurts! Torpid sind verrückt, dass ist aber kein Nachteil, nein gar nicht. Dies ist mit Abstand das genialste, was ich je gehört habe. Diese Band variiert zwischen fast allen Musikstiles, die es gibt. Kauft diese Platte oder sterbt.

Meine persönliche Wertung: 10/10

NOFX – Regaining Unconsciousness (Fat Wreck Chords)

Passend zur alltäglichen Aktualität bringen NOFX einen Teaser von ihrem Album, mit dem passenden Titel “War on Errorism”, auf den Markt. Auf dem Rücken der Single ist ein Statement der Band für all die Pro-Busharschlöcher: „You’re sitting in shit and piss while sucking a huge pacifier, a country of adult infants. A legion of mental midgets all regaining their consciousness.“

Musikalisch gibt es, wie gewohnt, nur spitzen Musik. Die 4 Songs handeln von Bands wie z.B. Good Charlotte (Medio-core), von G.W. Bush und Charlton Heston (Idiots are taking over) oder U.S.-Wähler, die zu spät reagieren (Franco Un-American).

Meine persönliche Wertung: 10/10

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Tags: — Queesch - March 13, 2003 3:36 pm

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Der Infoladen „Schreibs“ – Gegenbild bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse?

Präambel

Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg.

Was wir Weg nennen, ist unser Zögern.

Franz Kafka

Impuls und Mitschuldtragender zu dieser längst fälligen, nie verfassten Abhandlung über den Werdegang des Infoladens, ist gewiss auch der mir zu Gesicht gekommene, mit Vorsicht verfasste Satz, im Editorial der letzten Queesch „Der Weg kann das Ziel sein“.

Meines Verständnisses nach, wollte der Urheber dieses Editos u.a. darauf hinweisen dass Visionen, Träume, Vorstellungen… eine wichtige Kraft – für den Kampf gegen Militarisierung, Patriarchat, Ausgrenzung, Intoleranz, Profit, Speziezismus und den Ökozid sind; oder um einen Kampf in dem die Menschen selbstbestimmt leben, also nicht Profit, Kapital und Militär, Erwachsene über Kinder, Männer über Frauen, die Westliche Welt über den ganzen Rest regieren – sind.

Mensch trägt der Sache (welche ich in diesem Kontext bewusst nicht weiter definiere) selbst, für die mensch einsteht und kämpft aber nicht Genüge, wenn diese bloß mittels der Phrase z.B. für Emanzipation oder so ähnlich abgetan wird. Ich denke dass der Infoladen bzw. die Infoläden eine einzige Gegenstrategie im gesamten Spektrum des Kampfes um Akratie stellen, und dass mensch um seine libertären Ansprüche nicht drum rumkommt.

Gegen Herrschaft“ und „für Emanzipation“ zu sein, um es bei diesem Beispiel zu belassen, reicht alleine nicht aus. Nebenbei sei gesagt dass eh heut jeder sich dessen bewusst ist, dass Herrschaft nicht mehr nur primär auf persönlich ausgeübter Macht fundiert ist, sondern dass diese sich auf viel subtilere Weise kundtut, nämlich bereits strukturell verankert ist.

Das wogegen und wofür es sich lohnt sich einzusetzen, muss inhaltlich genauer bestimmt werden und entsprechend den realen, vorzufindenden Situationen angepasst werden.

Ohne den Autor und Freund der Bemerkung „Der Weg kann das Ziel sein“ anzugreifen, finde ich diesen Satz unsinnig und gefährlich, dies umso mehr er in engem Zusammenhang oder vielmehr im Kader mit dem Infoladen genannt wird. (Die Queesch ist ja eigentlich ein vom Infoladen injiziertes Projekt). Steht diese Behauptung nicht etwa in ein und derselben Logik derer Zufolge es zur Normalität zu gehören scheint dass mensch keine klaren Ziele und Positionen mehr hat? Wird hier die Ziellosigkeit selbst zum Ziel? Dabei sein ist alles?

Heißt das etwa dass das Infoladenprojekt, in diesem Kontext wohlverstanden, bereits durch dessen Existenz ein politischer Erfolg ist? Und das auch ohne Ergebnisse? Werden somit nicht Prozesse zum Selbstzweck?

Eins ist klar, ich möchte hiermit keinesfalls diejenigen Menschen in Lethargie stürzen welche sich den Arsch aufgerissen haben dieses und noch viele andere Projekte ins Leben gerufen zu haben. Andererseits denke ich dass ich hier einen Haufen gerechtfertigter Fragen aufgeworfen haben, von denen meines Erachtens das Versagen oder die Fortsetzung des Infoladen abhängen wird.

Sicherlich ist jeder Mensch, wenn nach dem Motto gearbeitet wird, der Weg ist das Ziel (bewusst umformuliertes, von dem eingangs originalgetreuen Zitat) zufriedengestellt und glücklich, denn ohne Ziel ist der Weg die reine Orientierungslosigkeit; entstehen Ergebnisse nach dem Zufallsprinzip; kann mensch das Erreichte an nix messen da ja die Wertemaßstäbe fehlen; wusste eh niemand so recht wo es hingehen sollte. Klar also dass alle zufrieden nach Hause gehen können; wer kein Ziel hat, kann nun mal keines verfehlen.

Indes sollte mensch mich nicht so verstehen dass ich Verfechter der Theorie „der Zweck heiligt die Mittel“ bin. Vielmehr denke ich dass der Weg, und hier ist wiederum die Voraussetzung dass mensch ein Ziel hat, dem Ziel entsprechen sollte. Aber auch diese Formulierung stellt sich in vielen Situationen als fraglich heraus. (so zum Beispiel bei der umstrittenen Gewaltfrage, welche sich nicht unabdingbar für den Infoladen selbst stellt, als vielmehr für die Aktionsformen der am Infoladen beteiligten Teilgruppen. Wobei Gewalt wiederum eine Frage der Definition ist, meist von den herrschenden Klassen diktiert…)

Nachstehend kommen nun Dokumentation und Ausführung meiner Lehren und Schlussfolgerungen die ich seit Bestand des Infoladens und meines persönlichen politischen Engagements gezogen haben, wohlwissend dass die eine oder andere Forderung subjektiven Gehaltes ist. Sie sollen als Diskussionsvorlage dienen, Konsequenzen zu ziehen und diese in die Praxis umzusetzen.

Ich bitte im Vorfeld um Verständnis wenn einzelne Punkte, je nachdem, in vernachlässigter Form oder nur bedingt bzw. überhaupt nicht behandelt werden. Dies hat u.a. damit zu tun dass die Ausarbeitung eines solchen Textes ein enormer Energieaufwand ist, zum Anderen dass ich teilweise an meine Grenzen gestoßen bin bzw. dass vieles auch mir nicht sichtbar ist, demzufolge diese Abhandlung sich jedem absoluten und totalem Anspruch entzieht. An euch Formulierungen, Vorstellungen und Vorschläge konstruktiv mitzugestalten und zu vervollständigen.

Über Visionen, Selbstorganisation und Gegenstrategien

Der Infoladen als Netzwerk diversen Organisationen und unterschiedlichen Individuen Infrastrukturen und Material zur Verfügung stellend, ermöglicht sowohl Gruppen als auch Einzelpersonen aus den diversen Teilbereichsbewegungen unter eigenem Namen in ihm (dem Infoladen) mitzuwirken. Gemeinsame, innerhalb der Infoladenstruktur getroffene, Beschlüsse gelten so nicht automatisch für alle am Netzwerk (bitte nicht vergessen dass es sich nicht um einen Verband handelt) beteiligten Gruppen und Personen. Wichtig ist also zu wissen dass die diversen mitbeteiligten Personen und Gruppen nicht weisungsabhängig sind. Einzelpersonen, als auch Organisationen sind eigenständig und im Infoladen korporativ Mitglied.

Infoladenarbeit ist keine Freizeitbeschäftigung. Selbstdefinierte Ziele müssen auf jeden Fall angegangen werden. Die Ausarbeitung umfassender Konzepte ist somit unentbehrlich. Einfache, erfolgsorientierte Aktionen sind schön, bringen uns auf Dauer den selbstgesteckten Zielen nicht näher. Für diejenigen der Infoladen eine nette Feierabendbeschäftigung ist und auf kurzfristige Erfolgserlebnisse abzielen, sollen gefälligst Kegeln gehen. Dauerhafte Lösungen müssen angestrebt werden. Menschen mit Mut zu umfassenden und kreativen Aktionen braucht der Infoladen. Leute auf der Suche nach öffentlicher Anerkennung müssen ihren Einfluss auf den Infoladen verlieren, weil diese zu einer Entradikalisierung beitragen.

Utopien haben die Eigenschaft dass sie nicht von alleine passieren.

Sie werden nur real, wenn Menschen für ihre Verwirklichung aktiv werden.

Eine primäre Bedeutung des Infoladens liegt in seiner Aktionsfähigkeit, welche es gilt zu erkennen und zu stärken. Dies Vorhaben kann jedoch nur gelingen wenn die Anbiederung der Mächtigen fortbestehend inhibiert werden kann. Wir werden im Laufe des Textes ansatzweise sehen inwiefern Anpassung, Abhängigkeit und Verfilzung zwischen Infoladen, Staat und Wirtschaft zum einen wider das intern demokratische Funktionieren stoßen bzw. wie emanzipatorische Ansätze in der Praxis dadurch gelähmt werden.

Unterdessen gilt es auch zu beachten dass ideelle Leere, als auch mangelnde Konsequenz seitens der Beteiligten, ob Einzelpersonen oder Organisationen, unter Umständen Ursprung von Passivität und Nichtstun sind, bzw. zum Versagen des Projektes Infoladen beitragen.

Dem immanenten Risiko des Umgreifens von Opportunismus und Abstumpfen in den eigenen Reihen muss Einhalt geboten werden, indem der Mangel an selbstgesteckten Zielen aufgehoben wird.

Absolute Notwendigkeit sind klar formulierte Ziele, welche über die herrschaftsstrukurenanerkennende Realpolitik hinausgehen und perspektivische Entwürfe beinhalten. Infolgedessen müssen Einzelmaßnahmen, Projekte und Aktionen Teil dieser Ziele sein. Sie müssen sich quasi von diesen Richtzielen ableiten lassen, ihnen aber auf keinen Fall widersprechen. Die gesetzten Ziele werden zur „Anleitung“ für die Alltagspraxis. (Der Weg soll dem Ziel entsprechen) Eine möglichst exakte und autokritische Analyse verhilft manchmal dazu das Umsetzen der Ziele zu verbessern bzw. Klarheit zu schaffen und Fehler für die Zukunft zu vermeiden, nicht zu wiederholen.

Werden Ziele und Forderungen klar formuliert, so schafft dies in der Regel radikale Positionen. Sind wir damit überhaupt konsensfähig? Darauf kann ich nur antworten: „Warum sollten wir denn von Beginn an die Kompromissposition vorweisen müssen?“

Mensch kommt nicht umhin die Bildung zentraler Strukturen, folglich durch deren Beständigkeit hierarchische Ordnungen bzw. Untergliederungen (formell oder informell) entstehen, permanent zu hinterfragen, bestenfalls ihnen zu entsagen. In diesem Zusammenhang stellt sich für mich auch die Frage inwiefern „nationale Freiwillige“ zur Erschaffung zentraler Strukturen beitragen, dies nicht ohne Inbetrachtnahme der Passivität seitens der anderen Ehrenamtlichen, resp. die daraus resultierende Übertragung von Verantwortung vieler Nichthauptamtlichen auf diese Person.

Hierarchisierung, als auch der Bürokratisierung sollen beständig entgegengewirkt werden. Zum Einen da sie wirksame Arbeit hemmen und die Aktionsfähigkeit hemmen. Zum Anderen da diese Prozesse maßgeblich zur Schaffung zentraler Positionen beitragen, welche alsdann (meistens) von einzelnen Personen übernommen werden.

Je nach Person, können solche Postenbesetzungen sich aktionsverhindernd auf die gesamte Struktur auswirken. Ein kruzialer Punkt sind die Entscheidungskompetenzen des/der Hauptamtlichen und inwiefern Ehrenamtliche (mit Ehrenamtlichen sind im Grunde genommen alle TeilnehmerInnen gemeint) dieser ein Gegengewicht stellen. Stellt sich das Engagement der anderen zusehends zurück, wird es zur Selbstverständlichkeit Verantwortung und Arbeitsprozesse auf die Hauptamtlichen zu übertragen, so mag sich die Gewichtung auf Hauptamtlichenstrukturen langfristig negativ auf den Demokratisierungsprozess auswirken. Hauptamtliche stellen nun mal keine Lösungsansätze für bestehende Probleme.

Mensch riskiert im Gegenteil dadurch dass sich der Organisationsaufbau des Infoladen unerwünschten und zutiefst verhassten Strukturen angleicht und dass sich die Einflussnahme von Außen aufbaut. Wie bleiben dem Infoladen somit auf Dauer die Möglichkeiten erhalten unabhängig zu handeln resp. Stellung zu beziehen?

Staatliche und ähnliche Zuschüsse sind ein unbequemes Kapitel. Einerseits müssen hier gute Absichten mit einer eventuellen Gefährdung der Autonomie des Projektes abgewichtet werden. Ist von solchen Zuwendungen die Rede müssen wir uns stets die Frage stellen, ob es sich bloß um Projektgelder handelt, z.B. für die Queesch oder zur Vorbereitung einer Demo, eines Events…, oder aber werden diese Gelder auch für den Fortbestand des Infoladenprojektes als solchem verwendet – was jedenfalls für mich ein qualitativer Sprung ist. Überlegungen zur totalen Unabhängigkeit sollten eh dominieren.

Zudem stellt jede Art von Sponsoring die eigene Glaubwürdigkeit in Frage. Verkaufen wir damit nicht ein Teil unserer Ideale? Ist Sponsoring nicht immer mit einer Positivdarstellung des Geldgebers verbunden?

Andererseits inwiefern schränkt der Verzicht auf staatliche Förderungen unsere Arbeit ein? Darf das überhaupt der Fall sein?

Thematische Netzwerke schaffen, bzw. Arbeitskreise einerseits bietet dies eine Eventualität die Zahl der Aktiven zu erhöhen, andererseits besteht die Möglichkeit Themen stetig auf einem mehr oder minder aktuellen Stand zu halten. Mal ganz davon abgesehen dass dies die politische theoretische Auseinandersetzung fördert, die wie wir ja wissen von größter Notwendigkeit ist, da sie Anleitung zur Praxis ist.

Es besteht sicherlich ein Bedürfnis und es mag ein Erfordernis sein punktuell eine Zusammenarbeit entsprechender Gruppen anzustreben. Nichtsdestotrotz darf eine Zusammenarbeit eine unakzeptable Position nicht ignorieren. Wirksames Handeln ist mit herrschaftsstützenden oder menschenverachtender Organisationen eh nicht möglich. Distanzierung!!!!

Mittels des Infoladen kritische Zusammenarbeit ansteuern, bietet die Chance ein bloßes Nebeneinander zu überbrücken. Innerhalb des Infoladen, sollen die Organisationen die Vereinsprofilierung jedoch zurückstellen und umso mehr auf Zusammenarbeit setzen, wenigstens der Sache wegen.

Bezüglich der Planung diverser Aktionen, ich denke da z.B. an die Irakdemo im Februar, ist die Mitarbeit von Parteien durchwegs erwünscht, ein Mitbestimmungsrecht hingegen bleibt dabei weniger sinnvoll (schöne Grüße an Kersch).

Die gesellschaftlichen uns im Prozess der Sozialisation anerzogenen Dominanzstrukturen sollen intern weitestgehend ausgemerzt werden, was natürlich voraussetzt dass diese sogenannten Dominanzstrukturen erst einmal sichtbar gemacht werden müssen. Klassische Rollenverteilungen, Dominanzstrukturen… sollen folglich thematisiert werden um anschließend praktische Schlüsse zu ziehen. Verhaltensänderungen müssen also angestrebt werden, u.a. sollen die Menschen zur Konsequenz (Anspruch und Wirklichkeit müssen nahe beieinander liegen) herangezogen werden.

Autonomie und Selbstorganisation müssen erlernt werden. Mit dem Infoladen soll ein Freiraum geschaffen werden, in welchem selbstdenkende und autonom handelnde Menschen innerhalb einer gleichberechtigten Gruppe zur Eigeninitiative angespornt werden sollen. Der Infoladen ist demzufolge kein Ort zum orientierungslosem Herumlungern, sondern individuell-spontanes Handeln sind erwünscht. Ideelle Ziele sollen ausgearbeitet werden, radikale Forderungen formuliert werden… Es ist wichtig dass nach und nach jedeR sich einbringt, denn Menschen ohne Sinn für Eigeninitiative und ohne Meinung, bringen bedauerlicherweise andere wiederum dazu Anweisungen zu erteilen, wenn auch aus einer positiven Grundeinstellung heraus.

Alarmierend ist vor allem der Fakt dass der Infoladen durch unflexibles Handeln glänzt, infolge (wenn auch nicht nur) nichtbestehender oder undemokratischer Kommunikationsstrukturen (so z.B. erfolgt vieles über das Internet, dementsprechend viele von den Prozessen ausgeschlossen werden)

Andere Kommunikationsmittel müssen auch überdenkt werden um verspätete Reaktionen, bzw. Stellungnahmen zu vermeiden. (Hier wirft sich auch die Frage auf inwiefern die Nicht-Aktualität der Queesch ein Problem ist)

Gruppeninterne Prozesse und Gruppenharmonie sind wichtig, allerdings sollten diese nicht auf Kosten von Inhalt, Wirkung und Strategien der politischen Ziele und Arbeit geschehen. Der Infoladen Trier hat in diesem Zusammenhang in der Broschüre „Ihre Lügen im Visier“ folgende passende Aussage formuliert: [...] „Dahingegen wollen wir Menschen, die sich nicht nur punktuell ab und zu, sondern kontinuierlich und immer wieder neu einbringen, und für die politische Arbeit mehr als bloße Freizeitbeschäftigung ist. Dass persönliche Bedürfnisse hier genauso berücksichtigt werden müssen wie die Anforderungen, die für eine beständige politische Arbeit nötig sind, ergibt sich konsequenterweise aus der dialektischen Forderungen nach Selbstbestimmung und Kollektivität.“[...]

Schlusswort

Nicht weil es schwer ist wagen wir es nicht;

Sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

Seneca

Noch einmal Zusammenfassend möchte ich an dieser Stelle daraufhin hinweisen, dass in diesem Abriss weder endgültige Analysen ausgearbeitet wurden, noch Rezepte verfasst wurden. Der Ton ist mir wohlbewusst teils polemisch, teils provokativ gehalten; womöglich werden sich so die meisten am weiteren Verlauf beteiligen.

Ich beabsichtigte aufgrund dieses Informationsblattes eine konstruktiv kritische und fruchtbare Debatte anzuzetteln, infolgedessen wir auf eine effektivere und fortwährend in Frage gestellten Praxis zu führen vermögen.

Auf keinen Fall soll diese über das Medium des Internets geführt werden, sondern in den Räumlichkeiten des Infoladen selbst. Vermutlich sollte sich sogar eine regelmäßig zusammenkommende AG bilden, bei deren Treffen Missstände aufgedeckt werden und zum Teil sichtbar gemacht werden, um diese wiederum in weiteren unabhängigen Treffen, sich an ein größeres Publikum wendend, fortzuführen und Schlüsse für die weitere Praxis zu treffen.

Katharsis!!!

Dennoch denke ich dass den meisten LeserInnen nun klar geworden ist dass der Infoladen, im Verständnis einer libertären Öffentlichkeitsstruktur, jegliche Unterdrückungsmechanismen, einschließlich ihrer biologistischen Begründungsmuster…, bekämpft und Alternativen entgegensetzt und zudem gesamtgesellschaftliche Fragestellungen für sich begreift (logischerweise ohne Schwerpunktarbeit auszuschließen), angefangen im zwischenmenschlichen Bereich bis hin zu allen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen.

Ersichtlich werden wir es also kaum bei Einzelzielen belassen, sondern uns bemühen, diese immer wieder in einen gesamtgesellschaftlichen Bezug zu stellen.

Der Infoladen, als politische Gegenstruktur, garantiert zum Einen die Autonomie der Teilgruppen, zum Anderen werden hier soziale Lernprozesse erlernt, welche teils der bürgerlichen Norm- und Wertgesellschaft diametral gegenüberstehen.

In ein herrschaftsfreie Gesellschaft führen diverse Wege, der Infoladen hingegen wird es anstreben das Verhältnis zwischen militanten und nicht-militanten Aktionen taktischer zu gestalten. (Sabotage, Störaktionen, Demos…)

Unterdrückung funktioniert nur wenn es keine Alternativen gibt.

Lang lebe der Infoladen

Euer Hassan (Fédération Anarchiste)

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Tags: — Queesch - 3:34 pm

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NICD, the Poshblokes, Short Supply, Defdump, The Cable Car Theory

01.03.2003 Café Marignan, Athus (B)

“Is there an entry to pay?” I think this was a question that has been asked a hundred times that night! “Haven’t you got a flyer? It’s written down, maybe a little bit to small… but anyway!”, was the usual answer!
“Entrée: vivres non-périssables (1kg min. de riz, pâtes, sucre, conservers etc.)!” yeah… a really good idea to collect food for people who really need it; a project, based on an organization called ARC-EN-CIEL (A.s.b.l. d’aide à la jeunesse défavorisée)! The line-up of the gig: N.I.C.D. (B), The Poshblokes (L), Short Supply (F), Defdump (L) and The Cable Car Theory (USA)!

Maybe you have realized that were playing really awesome bands that evening, so I better start to tell you what was going on in Athus last Saturday night! First band on stage was N.I.C.D., an old-school punk band from Belgium with really nice and melodic singing parts. I don’t know many bands of this style, so it’s not so easy for me to give you an objective point of view of the band, but I appreciated the music a lot, that these four guys were playing and so I really hope to see them live on stage back soon!

The second band were the Poshblokes, one of the few good luxembourgish punk-bands! Well, like many bands, they started their job (a few years ago) with primitive punk sound, but nowadays they write pretty cool songs with strong bass-lines and fast drums… but how to define? Well, they call themselves their music old-school hardcore! okay… why not! :o) I mean, they rocked like hell last Saturday (even two members were ill, but they played!!!), and as the drummer said to me after their show: “The music during our gig made me healthy again!” Yeah… so now you might know what punk-rock is all about! :o)

Short Supply, an emo punk-rock band from France, played as third band! wow… I think there are no words left to write down to describe the music they have played! Surely influenced by Hot water music, they rocked and rocked and I wished that they would never stop! Short Supply is will surely hit the road… well I wish it to them!

Next band on stage were Luxembourg’s hardcore heroes dEFDUMP! Like every gig, also this show was so awesome, full of emotions and outcries of pain, hope and wishes! Most titles, they have played that night, were taken from the albums “David vs. Corporate Society” and “The sparkle has become a flame”, maybe the most powerful Lp’s that these guys has released since now!

- I have somehow gained this reputation for being ever optimistic, but every time I close my eyes that’s the last thing on my mind. I somehow betrayed this relationship between me and myself that you see, and this was my responsibility, and now I know and I wish it all away. It’s hard to admit that even I rely upon this tested and true excuse that never fails to fail, “I wish it all away.” – some words screamin’ out by the Cable Car Theory, the last band playing that night! During the whole gig you felt something in the air, but you could not describe it! “Damn, what’s going on?” So awesome this hard rockin’ emo-core band from the States! “We want more, we want more…”, was the only thing you could hear after their gig and they came back on stage a few times more and it seems to me, that they wanted to teach the world how to rock! and They did! :o)

It was a really awesome gig and the best news of the evening was that more than 400kg of food have been collected! There are no more words left to be spoken out! It was such a great night! yeah…! :o)

emile

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — emile - 3:32 pm

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LUMA

Nach näherer Betrachtung der allgemeinen Lage der Luxemburger Musikszene, fällt Mensch schnell auf, dass viel zu wenig strukturelle Möglichkeiten und Finanzierung zur Verfügung stehen. Es gibt weder genug Proberäume noch Lokale in denen regelmässig Konzerte stattfinden könnten. Andererseits passiert es häufig, dass zwei Organisationen, die die gleiche Zielgruppe ansprechen, am gleichen Tag zur selben Zeit, in der selben Ortschaft ein Konzert geplant haben, wobei es einfacher gewesen wäre, es gemeinsam zu organisieren. Aus diesen Gründen haben sich 7 Organisationen zusammengeschlossen und die a.s.b.l. LUMA gegründet, um ihre gemeinsamen Interessen zu vertreten.

L.U.M.A. bedeutet eigentlich „Luxembourg Underground Music Association“. Das Ziel LUMAs ist eine Plattform für kulturelle Organisationen aus dem In- und Ausland zu sein, um kulturelle Austausche zu ermöglichen. Um dieses Ziel erfüllen zu können, besteht die dringende Notwendigkeit, ein zentrales Lokal in Luxemburg zu finden, wo kulturelle Events stattfinden können. Mit einem solchen Lokal wäre die Basis geschaffen, um Veranstaltungen der Underground Musikszene in Luxemburg stattfinden zu lassen. Nach wie vor besteht auch die riesige Nachfrage an guten Proberäumen, wo qualitative Aufnahmen gemacht werden können. Ideal wäre es, wenn man Proberäume, Aufnahmestudio und Veranstaltungsräume vereint unter einem Dach vorfinden könnte.

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Tags: — Queesch - 3:28 pm

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Editorial

Wie ihr seht, arbeiten wir noch immer weiter daran, dass unsere Utopie Realität wird. Diese Queesch ist dem Thema Musik gewidmet und enthält aus diesem Anlass eine Gratis-CD mit 6 Werken Luxemburgischer Bands (Actarus, Defdump, Chief Marts, Balboa, Petrograd, Kitschickers), Musik Videos, Photos und Links zu diversen Angeboten im Internet. Die 6 Songs können in jedem Audio CD-Player abgespielt werden, die Filme, Photos und Daten auf der CD könnt ihr mit einem PC oder Mac abspielen. Diese CD wurde in Zusammenarbeit mit Youthmedia produziert und zusammengestellt. Im Internet haben wir eine Umfrage gestartet, um einschätzen zu können, ob ihr glaubt, dass die CD eine einmalige Idee bleiben sollte oder ob wir dies öfters tun sollten. Die Queesch Umfrage im Internet: http://queesch.infoladen.lu

Diese Ausgabe wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Schalltot Collective gestaltet, deren Mitglieder etliche Texte beigesteuert haben. Schalltot ermöglichte uns ausserdem, von 6 aussergewöhnlich guten Luxemburgischen Musik Bands, Songs für diese Queesch-CD gespendet zu bekommen.

Auch neu in dieser Queesch sind die so genannten WebCodes die jetzt bei jedem Artikel auftauchen. Alle Artikel der Queesch sind ebenfalls online auf www.infoladen.lu. Habt ihr also einen Artikel in der Zeitung Queesch gelesen und möchtet dazu einen Kommentar schreiben, so könnt ihr den passenden Webcode, den ihr in eurer Queesch unter jedem Artikel vorfindet, dazu nutzen. Den Webcode müsst ihr in das Eingabe-Feld für Webcodes auf der Homepage von infoladen.lu eintragen.

Lange Links zu Artikeln werden durch einen vierstelligen Webcode ersetzt.

Mit einem Klick auf “Webcode” gelangt ihr nun zu dem gewünschten Artikel.

Am unteren Rand jedes Artikels auf infoladen.lu befindet sich ein Eingabefeld für Kommentare.

Warum eine Queesch über Musik?

Die luxemburgische Musikszene kennt seit einiger Zeit einen neuen Aufschwung. Unter Betrachtung der zahlreichen Aktivitäten in unserem Lande, stellt man fest, dass immer mehr Menschen sich zur Musik „bewegen“. Fortlaufend entstehen neue Bands in mittlerweile sehr unterschiedlichen Richtungen und Musikarten beeinflusst. Zudem finden immer mehr Konzerte in Luxemburg und in der Großregion statt. Die steigende Begeisterung wird jedoch schnell gebremst, weil es im wesentlichen an Probesälen und Räumlichkeiten für Konzerte mangelt. Wie kann es sein, dass in einem so „kulturellen“ Land wie Luxemburg kaum Unterstützung für die alternative Musikszene geleistet wird?

(Mehr dazu auf Seite XX schalltot artikel)

Der Infoladen www.infoladen.lu

The Schalltot Collective www.schalltot.lu

Youthmedia www.youthmedia.lu

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Queesch - 3:26 pm

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„Mir sin um Härebierg, oohhoohh um Härebierg…“ oder ganz einfach „Bin nix, war nix, gib mir eine Uniform“

Nach einer umfassenden Säuberung diverser öffentlicher Plätze (Bahnhofsviertel Lux.) von Obdachlosen und BettlerInnen, dem Gesetzesvorschlag der „Lex Greenpeace“ und der damit geplanten Kriminalisierung jeglicher politischer Opposition, kurzum dem aufhaltsamen Fortschreiten der Schaffung eines sauberen, ordentlichen und disziplinierten öffentlichen Raumes scheint mit der Initiative öffentlicher Militärspektakel einherzugehen.

Öffentliche Gelöbnisse sollen demnach militärische Traditionen in den öffentlichen Raum tragen. Nebst millionenschwerem Militärhaushalt und der Sinnlosigkeit des einheimischen Militärs soll der Diskussionsschwerpunkt nun auf ihre schnieken Uniformen verlagert werden. (sic!) Oder soll die Bevölkerung sich doch nur wieder an den Anblick von Militär gewöhnen, bevor sie auf RTL die nächsten Auslandseinsätze des hiesigen Militärs bewundern darf.

Mit Gelöbnissen, die in der Öffentlichkeit abgehalten werden, zielt das Militär auf die Militarisierung des öffentlichen Raumes. Militärmusik und Militärparaden in der luxemburger Realität gehörten bislang eher zur Ausnahme, umso mehr möchten sie nun den öffentlichen nun erobern.

Das luxemburgische Militär ist auf gesellschaftliche Akzeptanzbeschaffung angewiesen. So musste sie um gesellschaftlichen Konsens herzustellen und neues dringend benötigtes Kanonenfutter anzuheuern, auf aggressive Medienkampagnen setzen. (Mat der Arméi an d’Zukunft) Als wäre dies des Armutszeugnisses nicht schon genüge, setzt sie nun mit ihren Militärspektakeln diese Gewöhnungsstrategie fort.

Institutionen wie das Militär und andere ebensolche Zwangsvereine, in welchen Ideale gelebt werden die in rechtsradikalen, konservativen und einfach strukturierten Gehirnen herumspuken – die da sind: Befehle, Gehorsam, Ordnung, Sauberkeit, Disziplin, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft und für sein Vaterland sterben – haben das Problem sich in der Öffentlichkeit ständig selbst legitimieren zu müssen.

Im Gleichschritt gegen die Demokratie

Soldaten sind keine Krankenpfleger und Armeen keine Menschenrechtsorganisationen, sondern frei nach Kurt Tucholsky ganz einfach Mörder, zudem professionell ausgebildete.

Armeen, aufgrund ihrer Funktionen und Geschlossenheit ihres Aufbaus, stellen einen politischen Machtfaktor dar. Zudem besitzt sie bestimmte Organisationsformen die nicht mit den Ansprüchen einer demokratischen Gesellschaft vereinbar sind; ganz im Gegenteil stellt das Militär eine dieser Institutionen dar, welche sich in den unterschiedlichsten Gesellschaftssystemen und zu jeder Zeit auch den stärksten Demokratisierungstendenzen trotzt. Das gesellschaftsfähig machen der Armee formt die Staatsmasse. Unbedingter Gehorsam, Staatsgläubigkeit und das Aufgeilen an Uniformen zeichnet jede Armee aus. Die Tatsache dass möglichst viele Menschen den Zugang zur Armee haben, so z.B. auch Frauen, macht das Militär nicht demokratischer, denn eine Demokratisierung würde zwangsläufig eine Beseitigung autoritärer Strukturen bedeuten und nicht deren Ausweitung auf eine größere Gruppe von Menschen.

Kuul Fiet an d’Wiv de Grand Duq

(Initiative pour l’alphabétisation des soldats)

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Tags: — Queesch - 3:24 pm

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Zum Thema Drogen!

Dies soll ein kleiner Beitrag aus dem sonst so schönen Österreich sein. Leider bin ich, seit mehr als einem Jahr, ein Vater ohne Sohn. Die ganze Sache begann im Mai 2001. Aus dem Verdacht mein Sohn könnte süchtig sein wurde Gewißheit. Wir durchsuchten damals den Papierkorb in seinem Zimmer, welchen er aber mehr als Mülleimer nutzte. Wir, das waren Frau und ich. Im besagten Papierkorb fanden wir zunächst teils Ruß geschwärzte, teils Blut befleckte Wattepads. Auch ein kleiner Behälter mit Ascorbinsäure (Vitamin C) fand sich in seinem Zimmer. Ebenfalls ein auf der Innenseite zerkratzter Löffel. Das alles waren bereits starke Indizien und so suchten wir noch genauer. Leider mit Erfolg. Da waren viele Feuerzeuge und Kerzen und schlußendlich auch, in der Schachtel eines Computerspieles, Einwegspritzen.

Mein Sohn war damals seit nunmehr vier Tagen nicht Zuhause gewesen. Anfangs hatte er sich noch, mittels seines Handys, ab und an gemeldet. Jetzt aber, war er gar nicht mehr erreichbar. Unsere Verzweiflung war Angesichts dieser Entdeckungen genauso groß, wie unsere Verunsicherung. Was sollten wir tun? Was, konnten wir überhaupt tun?

Wir hockten beieinander und berieten, meist weinend, wie wir nun weiter vorgehen sollten. Wir brauchten Informationen. Jetzt da unsere heil geglaubte Welt am zusammenbrechen war. So rief ich zunächst einmal die Drogenberatung des Landes an. Ein Tonband lief unter dieser Nummer. Es gab die Dienstzeiten an. Diese waren Mo., Di., und Do., Fr. von 10 bis 12 Uhr. Jetzt aber war es kurz nach Mittag. So versuchte ich es als Nächstes beim grünen Kreis. Dort aber hob erst gar niemand ab. Danach rief ich das BAS an. BAS steht für „betrifft Alkohol und Sucht“. Wieder ein Band. Da hieß es man sei ab 17 Uhr wieder erreichbar. Das alles fand an einem Mittwoch statt. So warteten wir, auch wenn uns das sehr schwer fiel, bis 17 Uhr. Dann wählte ich wieder die Nummer des BAS. Eine Frau meldete sich am anderen Ende. Ihr erklärte ich unsere Situation. Daraufhin meinte sie, ja, grundsätzlich sei ich schon richtig beim BAS, doch die zuständige Dame hätte diese Woche Urlaub und wäre erst ab Montag wieder da. Weiters ergänzte sie diese Auskunft dadurch, daß sie meinte, aber der nächste Sprechtag der Zuständigen sei erst Dienstags und auch hier wisse sie nicht, ob diese noch einen Termin frei hätte. Was denken sie, geht in Eltern vor, welche sich in ihrer ganzen Verzweiflung an Stellen des steirischen Suchthilfenetzes wenden und denen Solches widerfährt?

Richtig! Wir hatten eine schlaflose Nacht. Irgendwann am nächsten Tag aber, meldete sich unser Sohn. Er war bei seiner Großmutter in Graz, wir wohnten etwa gut 20 Kilometer außerhalb, und er bat darum ihn abzuholen. Er bat auch darum, daß wir uns beeilen sollten weil er bereits wieder Krachte. Er hatte also bereits Entzugserscheinungen. Wir setzten uns somit in meinen Wagen und fuhren nach Graz. Zum Glück traf ich unterwegs auf keine Polizei denn, so wie ich hier gefahren bin, hätte mich das wohl den Führerschein gekostet. Ich hatte nämlich kurzer Hand die Straße in eine Rennstrecke umfunktioniert. Bei seiner Großmutter angekommen, hieß es wir hätten Pech. Er sei schon wieder weg. Er hätte es einfach nicht mehr ausgehalten. Was nun?

Wieder machte sich diese Verzweiflung, diese Ohnmacht in uns allen breit. Ja sie waren eigentlich sogar alles was uns blieb. Nur eine halbe bis dreiviertel Stunde danach aber, läutete mein Handy. Wieder war es mein Sohn. Er sagte er habe es nicht mehr aushalten können, sich Stoff besorgt und sich inzwischen einen Schuß gesetzt. Jetzt aber sei er an einer Telefonzelle, in der Nähe unseres ehemaligen Wohnortes, und wir sollten ihn dort bitte abholen. Auch meinte er, er wisse nicht mehr weiter, er sei süchtig.

Diesmal klappte es. Mein Sohn wirkte gleichermaßen deprimiert wie auch erleichtert. Erst mal, fuhren wir zurück zu seinen Großeltern. Wir gedachten, wenn wir noch in Graz blieben, leichter die nächsten Schritte einleiten zu können. So riefen wir dann unseren Hausarzt an. Wir wollten einen rat von ihm. Wenn es ging, auch geeignete Medikamente, um den bevorstehenden Entzug zu unterstützen. Irrtum. Er wagte es nicht uns Medikamente zu verschreiben, statt dessen verwies er uns an die Sigmund Freud Klinik. Da gäbe es eine Entzugsstation meinte er und diese würde uns weiterhelfen. Wir verabschiedeten uns von meinen Eltern und fuhren in Richtung der Klinik los. Inzwischen war es früher Abend geworden. In der Klinik angekommen, machten wir zunächst die Entzugsstation ausfindig, begaben uns dort hin und erklärten die Lage. Ein Mann, er war Stationspfleger, nahm jetzt die Daten unseres Sohnes auf. Leider stellte sich bald heraus, daß dies auch schon alles war. Er sagte uns, er könne uns leider keine Medikamente geben und einen Platz für einen Entzug gäbe es auch nicht. Sie seien völlig überbelegt und man müsse mit einer Wartezeit von gut drei Monaten rechnen, um an einen Therapieplatz zu kommen. Was also, um Himmels Willen, konnten wir jetzt tun?

Wir berieten mit meinem Sohn die Lage, fuhren nach Hause und setzten das Gespräch mit ihm fort. Wir wollten herausfinden, was überhaupt, aus seiner Sicht möglich war. Nicht zuletzt, spielte ja auch seine Verfassung eine große Rolle dabei. Jetzt trickste er mich aus. Ich wußte das aber damals noch nicht. Er meinte, um bis zum und wenn möglich auch über den nächsten Tag zu kommen, brauche er etwa 3 Gramm Kokain. Na toll!

Das gefiel mir zwar überhaupt nicht, mangels einer besseren Lösung aber, begleitete ich ihn noch am selben Abend zu einem Dealer. Diesen störte meine Anwesenheit nicht im Geringsten. Für 3.800,- ATS, gab er meinem Sohn, auf offener Straße, drei Kugeln, gefüllt mit Kokain, je ein Gramm. Wir fuhren wieder nach Hause. Telefonisch bekamen wir, sogar noch für den nächsten Tag, es war immerhin schon Donnerstag, einen Termin bei einem Polizeiarzt der Stadt Graz. Dieser verschrieb uns nun wenigstens geeignete Medikamente. Es waren dies Mundidol und Tramal. Beides extrem starke Schmerzmittel. Beide konnten aber, auch das wußten wir zu jener Zeit nicht, auch als Ersatzdrogen von Süchtigen verwendet werden. Zum Glück aber, wußte das auch mein Sohn nicht. Wir schafften es zusätzlich auch, mit einem der Stationsärzte der Klinik einen Gesprächstermin zu bekommen. Nachmittags. Wieder fuhren wir in die Klinik, voller Zuversicht. Jetzt stand uns ein Gespräch mit einem, wie man uns sagte, was das Thema Sucht anging, äußerst kompetenten Arzt bevor. Nach einer kleineren Wartezeit empfing er uns. Ja, er schien wirklich sehr Kompetent zu sein. Er wirkte auch sehr bemüht nur, ein ungestörtes Gespräch war leider nicht möglich. Ständig klingelte das Telefon oder es klopfte jemand an der Tür. Das Ergebnis dieses doch ziemlich zerhackten Gespräches war ein Entzug Zuhause. Ihn starteten wir nun auch. Meine Frau kündigte hierzu ihre Stelle in einem renommierten Grazer Pelzmoden – Geschäft. Auch ich blieb etwa 14 Tage lang Zuhause. Mein Sohn verhielt sich dabei auch sehr tapfer. Ich hatte ihn gebeten, die Medikamente nur dann zu nehmen, wenn er seine Schmerzen schon gar nicht aushielte. Seine Schmerzen waren nicht nur leicht zu erkennen, sie müssen auch ziemlich stark gewesen sein. Dennoch kam er bei seinem ganzen Entzug mit insgesamt nur zwei Tramal und drei Mundidol aus. Der Bestand der Hoffnung, welche sich aus dem gelungen Entzug ergeben hatte, währte nur zwei Monate. Dann gab es bereits erste Anzeichen für einen Rückfall. Jedoch, es gab gleichzeitig aber keinen einzigen schlüssigen Beweis dafür. Im August feierte er seinen neunzehnten Geburtstag. So erhielt mein Sohn dann, nach einem Bluttest welchen er Anfang September machte und den mir der Arzt erklärte, die versprochene Belohnung für seinen Entzug. Ein Kurzurlaub in Kroatien. Leider konnte meine Frau uns nicht begleiten, da sie in der Zwischenzeit wieder eine sehr gute Stellung gefunden hatte. Es war mittlerweile Mitte September geworden. Der kleine Vater – Sohn – Urlaub war auch sehr schön. Auch wenn es nur drei Tage waren. Nach unserer Rückkunft aber, fuhr mein Sohn sogleich wieder weg. Wieder häuften sich die Verdachtsmomente. Es dauerte auch nur wenige Tage bis mein Sohn zugab, er habe wieder einen Fehler gemacht. Er habe sich wieder, wie er sagte aber nur Einmal, Kokain gespritzt.

Es stellte sich aber bald heraus: das war gelogen! Er war rückfällig geworden. Dann, eines Tages, verschwand meine Taxibrieftasche samt darin befindlichen gut 6.000,- ATS. Noch in der selben Nacht, allerdings schon sehr spät, kehrte mein Sohn zurück. Er brachte dabei sogar noch über 2000,- Schilling des Geldes mit. Er war verzweifelt. Wir auch. Wie hätte das auch anders sein können. Wieder berieten wir, alle drei zusammen, was wir denn noch tun könnten. Ich sagte meinem Sohn, daß wenn er sich wenigstens so weit kontrollieren könne, daß er uns nicht mehr bestehlen würde, ich ihn wohl aus dem Haus weisen müsse. Das war auch einem seiner Arbeitskollegen bereits geschehen. Auch er wurde natürlich weiterhin von seinen Eltern unterstützt. Nur hatten sie sich zu diesem Zweck ja auch erst einmal die eigene Existenz sichern müssen. Ich bat ihn, mich nicht dazu zu zwingen, da mir das mein herz zerreißen würde. Auch sagte ich ihm, ich würde es aber dennoch tun, wenn er mir keine andere Wahl ließe. Dieses Gespräch fand so etwa um Mitternacht oder auch schon etwas davor statt. Dann fiel mir ein mich bei der Exekutive erkundigen zu können. Und zwar, nach der Möglichkeit per Zwangseinweisung zu einem Therapieplatz zu kommen. Auch das tat ich natürlich mit vollen Wissen meines Sohnes. Die Auskünfte die ich dabei erhielt, lauteten etwa so: Das würde nur dann funktionieren, wenn wir zunächst die Rettung und die Gendarmerie riefen. Diese müßten dann den zuständigen Distriktsarzt rufen und dieser wiederum, müßte eine Selbstmordgefahr bei meinem Sohn bestätigen. Das besprachen wir ganz offen mit meinem Sohn und er war einverstanden. Er machte mit. Kurz darauf trafen Rettung und Gendarmerie bei uns ein. Mitten in der Nacht. Einer der beiden vom Roten Kreuz und ein Gendarm bemühten sich auch darum den Distriktsarzt zu uns zu holen. es dauerte aber fast zwei Stunden bis dieser auch bei uns eintraf. Es gelang. Mein Sohn überzeugte den Arzt von der drohenden Selbstmordgefahr und dieser ließ ihn nun auch tatsächlich einweisen. In die Sigmund Freud Klink. Es war wohl einer der schrecklichsten Momente unseres Lebens, sehen zu müssen, wie er nun, Mitten in der Nacht, von Rettung und Gendarmerie weggebracht wurde. Wieder brachen wir in Tränen aus. Kurz und Gut, schon bald stellte sich heraus, auch das war wieder ein Irrtum. Keineswegs nämlich, bedeutete es einen Therapieplatz. Nein, es ging dabei nur um einen Entzugsplatz. Der Unterschied war leider gewaltig. Nach nur sechs Tagen wurde er bereits entlassen. Besser gesagt, hinaus geworfen. Der dortige Stations-Oberarzt gehörte nämlich zu den Verfechtern von autoritärem Verhalten. Er schreckte nicht davor zurück, sich vor Entzugspatienten aufzubauen und mit ihnen herum zu schreien. Das erfuhr ich zunächst durch meinen Sohn, es wurde jedoch von allen anderen Patienten welche ich danach fragte, bestätigt. So warf er doch tatsächlich meinem Sohn dessen aggressives, im Entzug aber nur natürliches, verbales Verhalten vor. Körperliche Gewalt war ja zum Glück nie das Ding meines Sohnes. Er meinte zu mir, es gäbe für meinen Sohn wohl vor Ablauf von drei bis vier Jahren, keine Chance auf einen erfolgreichen Entzug. Keines meiner Argumente war imstande daran etwas zu ändern. Weiters meinte er, nach dem Entscheid einer Gerichts-Sachverständigen-Kommission, daß keine Selbstmordgefahr mehr bestünde, er würde ihn nun entlassen. Zwar fiel die Entscheidung der Kommission in meinem Beisein, doch Argumente zählten dort nicht. Innerhalb nur weniger Minuten traute sich deren Leiterin zu, festzustellen, es gäbe keine Selbstmordgefahr mehr. Und das bei Kokainentzug! Er, der Oberarzt, ergänzte das dann dadurch, daß er meinte, er könne ihn zwar schon auf offenen Entzug setzen, doch auch das habe nach seiner Meinung keinen Sinn. Auch die schon verzweifelt klingende, völlig aus eigener Motivation, gestellte Frage nach einer Musiktherapie meines Sohnes, änderte nicht das Geringste an seiner Meinung. Er sagte nur, wir sollten halt hinauf gehen auf die andere Station und uns dort erkundigen, es bestünde aber eben auch da eine Wartezeit. Während er uns das praktisch nur noch im Telegrammstil erklärte, schrieb er die Entlassung.

Solcher Art vor den Kopf gestoßen, standen wir nun da, mein Sohn und ich. Was zum Donnerwetter sollten wir jetzt machen?

Wir setzten uns in meinen Wagen und diskutierten über die Lage. Dabei einigten wir uns darauf, immerhin war es ja Donnerstag nachmittags, es in der nächsten Woche mit einem neuen Anlauf zu versuchen. Wir wollten zusammen Beratungsstellen aufsuchen und hofften dabei etwas erfahren zu können was uns weiterhelfen würde. Dazu jedoch, sollte es nicht mehr kommen!

Am Wochenende kiffte mein Sohn wie ein Weltmeister. Er hatte sich doch tatsächlich in genau jener Klinik mit ausreichend Gras versorgt. Nun gut dachte ich, besser immer noch als Braunes oder Weißes (Heroin und Kokain). Er wirkte jetzt schon deprimiert. Dazu kam noch eine Nachricht auf seiner Mobilbox, das war am Montag, welche sehr verspätet erst eingetroffen war. Es ging ja nur um eine Arbeitsstelle welche er dadurch auch noch verlor. Seine sofortigen Bemühungen, nach Erhalt der Nachricht, diesen Job noch zu retten, blieben erfolglos. Montag Abend hatte er dann auch noch einen kleinen Blechschaden mit seinem Auto. Noch an diesem Abend machte ich mit ihm eine Schadensbesichtigung und meinte, das sei nicht so schlimm. Wir würden das schon wieder hin bekommen. Es schien ihm egal zu sein. Am Morgen des nächsten Tages erwachte ich durch eine Diskussion, welche meine Frau und mein Sohn führten. Er war gerade erst, früh Morgens, mit ihrem Auto nach Hause gekommen, welches er aber unerlaubt benützt hatte. Ich stand auf und griff schlichtend ein. Danach nahm mein Sohn eine Lexotanil, ein sehr starkes Beruhigungsmittel, das hatte er in der Klinik bekommen. Ich meinte er solle sich erst einmal ausschlafen und ich würde ihn dann später, per Telefon, wecken. Er hatte ja noch einige Wege zu erledigen. Darunter ein Termin beim Arbeitsamt. Als es mir nicht gelang ihn so zu wecken, stellte ich mein Taxi wieder ab und fuhr nach Hause. Was war da los?

Ich wollte und mußte doch nachsehen. Zuhause angekommen, fand ich meinen Sohn im Wohnzimmer vor. Er wirkte völlig belämmert. Auf die Frage was los sei, sagte er, er sei gerade erst munter geworden. Da sich aber im Zuge des folgenden Gespräches sein Zustand rasch verbesserte, liess ich ihn schlußendlich wegfahren um seine Wege zu erledigen. Gegen Mittag rief ich ihn dann auf seinem Handy an. Er war im Krankenhaus bei seiner Oma. Sie war inzwischen mit einem inoperablen Tumor auf der Leber eingeliefert worden. Auch mein Vater befand sich zu dieser Zeit im selben Spital. Er hatte so hohen Zucker gehabt, daß er Zuhause nicht einmal mehr wußte welche Tür wohin führte. Meinem Sohn hatte ich, noch bevor er Zuhause losgefahren war, gesagt, er müsse aber um 15 Uhr wieder Zuhause sein, da er wohl insgesamt viel zu wenig geschlafen hätte. Das kurze Gespräch welches ich nun mit ihm führte, sollte das Letzte gewesen sein, was ich von meinem Sohn hörte. Er meinte dabei, er habe nichts genommen, alles sei in Ordnung und er würde nur seine Oma besuchen.

Als er jedoch um 15 Uhr noch nicht Zuhause war, versuchte ich ihn wieder anzurufen. Er hob nicht ab. So sendete ich ihm eine SMS. Ich wollte wissen ob er gedenkt, bald Nachhause zu kommen. Eine Antwort erhielt ich auch darauf nicht mehr. So verging Stunde um Stunde. Gegen 19 Uhr kam meine Frau von der Arbeit Nachhause. Ihr berichtete ich nun, was wieder so alles vorgefallen war. Wir waren uns sicher, er hatte wohl wieder einmal sein Handy für Drogen eingetauscht. Das hatte er schon zuvor einmal gemacht. Wir waren uns ebenso sicher, er sei wieder rückfällig geworden. Wir berieten und berieten, was für Möglichkeiten gab es noch? Wieder machten sich Ohnmacht und Verzweiflung in uns breit. Wir weinten. Ich konnte, nachdem wir irgendwann zu Bett gegangen waren alles, nur nicht Schlafen. So stand ich wieder auf und schaltete den Fernseher ein. Es war der 17te Oktober, fast genau 0 Uhr 30 als es an der Tür läutete. Na endlich dachte ich, da ist er ja. Als es aber schon nach sehr kurzer Zeit noch einmal läutete, wurde mir sehr rasch klar, daß Etwas passiert sein mußte. Das würde mein Sohn nicht tun, er kannte den Hausbrauch und auch den Weg hinunter zur Tür. Jemand anders mußte also vor der Tür stehen. Um diese Zeit, wer wohl, außer der Gendarmerie konnte das schon sein?

Ich öffnete und tatsächlich, es waren zwei Gendarmeriebeamte. Ich bat sie herein und sie erklärten mir dann, daß es um etwa 21 Uhr 30 einen schweren Unfall in Graz gegeben hatte. Einen mit Todesfolge, wie sie sagten. Dann stellten sie mir noch einige Fragen bezüglich meines Sohnes und seines Fahrzeuges. Immer klarer wurde es. MEIN SOHN WAR TOT!

Als die beiden Beamten dann, nach etwa einer halben Stunde wieder gegangen waren, kam auch meine Frau aus dem Schlafzimmer. Jetzt mußte ich ihr erklären was geschehen war. Ich mußte ihr doch tatsächlich sagen, daß wir nun Eltern ohne Kind waren!

Es war die mit Abstand schrecklichste Nacht in unserem gesamten Leben geworden. Wir weinten uns fast die Augen aus und rauchten eine Zigarette nach der Anderen. So schlimm diese Nacht auch war. Sie war nur der Anfang der schlimmsten Zeit meines Lebens, welche aber leider, noch bis Heute währt.

Inzwischen habe ich zum Thema Drogen und Sucht sehr viel gelernt. Das ist auch der Grund dafür, daß ich mich maßlos ärgere, wenn man per Gesetz Menschen die doch eigentlich nur Suchtkrank sind, um ihre gesamte Existenz bringt. Was hat es denn schon für einen Sinn, sie auf diese Weise nicht nur durch den entstehenden Druck, zu Straftätern zu machen?

Was hat es für einen Sinn, sie dadurch auch noch durch verunreinigte Schwarzmarktdrogen in ständige Lebensgefahr zu bringen?

Und was hat es für einen Sinn, auf genau dieselbe Weise auch ihren Angehörigen so viel Leid anzutun?

Laßt sie doch einfach süchtig sein! Auch andere Menschen sind doch süchtig. Auch viele unserer sogenannten Idole aus Sport und Musik, sind nichts anderes als SÜCHTIG!

Es sind nämlich, um süchtig zu werden, gar keine Drogen notwendig. Es ist nicht so, wie man uns das gerne glauben machen möchte. Es gibt keine bösen Drogen, nur böse Menschen!

Auch gibt es natürlich unaufgeklärte Menschen. Doch wessen Schuld ist das?

Wer sind denn jene, welche die Wahrheit kennen, sie uns aber nicht sagen?

Wer sind sie, daß sie die Wahrheit auch noch zu verdrehen versuchen?

Warum muß immer nur das Geld entscheiden, welches man, auch durch Sucht, verdienen kann, wer Leben darf und wer nicht?

Ja, auch ich habe einen Teil der Schuld zu tragen. Ich bin mir dessen bewußt. Ich wußte damals einfach viel zu wenig über dieses Thema. Sie sehen ja, wie es sich auswirkte.

Ich jedoch, muß bitter für diesen Fehler bezahlen. Was aber ist mit Jenen, die durch ihre unverantwortliche und unmenschliche Gesetzgebung, wie auch durch ihre sture und uneinsichtige Haltung, dafür sogar Hauptverantwortlich sind?

Was ist mit Jenen, die ihre persönlichen Interessen über die ganzer Völker stellen?

Von Wolfgang Arlic

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Tags: — Queesch - 3:22 pm

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News & Dates

News

Die nächste Queesch: Flüchtlinge und Globalisierung!

Die Queesch #4 soll noch vor Ende des Schuljahres, also Anfang Juli erscheinen.Die Jugend fir Fridden a Gerechtegkeet wird einen grossen Teil zu den Hauptthemen Flüchtlinge und Globalisierung beitragen. Die Idee eine CD als Beilage zu produzieren wird auch für die nächste Queesch ins Auge gefasst. So sollen z.B. Interviews mit Flüchtlingen nicht nur schriftlich sondern auch durch Videos auf der CD veröffentlicht werden. Neben dem Hauptthema sind weitere Artikel gefragt und Bands können uns gerne mit einem Lied für die nächste CD unterstützen. Ausserdem brauchen wir Kamerafrauen und- männer um verschiedene Veranstaltungen zu filmen und zu verarbeiten.

Bist du interessiert mitzumachen? Artikel, Comics, Fotos, Videos, Songs.. usw. beizusteuern? Dann melde dich bitte, queesch@infoladen oder 26 54 05 23.

Feedback: Deine Meinung zur Queesch ist gefragt

Auf www.queesch.infoladen.lu findest du ein Formular um uns deine Meinung über diese, und alle anderen Queesch Ausgaben, zu sagen. Deine Meinung ist uns sehr wichtig damit wir wissen, was wir mit der Queesch überhaupt (nicht) erreichen….

Dates

9. Mai.mai.Mee.May: La „Infostuff” est prêt! D’Infostuff ass do!

L’ouverture de l’INFOSTUFF se fait vendredi le 9 MAI dès 19.00h

L’INFOSTUFF est un espace autogéré et tu y trouves:

  • toutes sortes d’informations alternatives
  • une bibliothèque et une médiathèque alternative
  • un lieu de réunion, débâts, discussions, de rencontre et d’échange
  • un point de vente de produits bio et fair-trade, vinyls, cd’s, livres, shirts, …
  • de la musique alternative
  • tout, ou presque tout pour le quotidien subversif

Soirée d’ouverture:
Musique acoustique live et disco, VoKü (cuisine transnationale et végétalienne), Tombola, Surprises …
L’Infostuff se trouve sur le terrain de la Kulturfabrik, 116, route de Luxembourg à Esch/Alzette.
Contact: schreibs@infoladen.lu

18. Mai.mai.Mee.May: World Bank Boycott Info Tour at the Infostuff

The World Bank, one of the most powerful agents of corporate globalization, enforces “free trade” policies that sacrifice human and labor rights and the environment to the dictates of multinational corporations. The World Bank, along with its sister institution the International Monetary Fund (IMF), encourages the privatization of government services, requires the weakening of labor laws, and undermines small businesses and farmers. Through its devastating “structural adjustment” programs, the Bank also requires poor countries to increase fees for health and education and cut spending on vital government services. With the help of such unaccountable institutions as the World Bank and the IMF, corporate giants have gotten richer while most of the world’s people have gotten poorer – and hungrier.

The Boycott is an international coalition of grassroots groups from the Global South, the US and Europe, which seeks to increase financial and political pressure on the World Bank by discouraging local institutions from investing in its bonds, from which it raises 80% of its money.

The evening will involve film screenings (Nicaragua&WB&IMF), discussions, and a presentation by a Senegalese man whose community has been directly affected by World Bank (WB) policies.

Presented by LIFE, the ecoCreActiv Plattform, the Infoladen “Schréibs” and A SEED Europe

www.lifeproject.lu and http://www.aseed.net/worldbank/

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30. Mai.mai.Mee.May: Critical Mass.la Vélorution.den alternativen Velostour

“We’re not blocking traffic… We ARE traffic!”

La vélorution est un tour au vélo, au skate et aux rollers dans la ville de Luxembourg pour reprendre l’espace que les bagnoles nous ont volé. Lieu de rencontre est la Gare en ville à 17:30, pour commencer à 18:00 heures.

Critical Mass ist, wie der Name schon sagt, nicht eine einfache Fahrradtour, ist aber auch keine Demo auf Rädern, sondern eine direkte Aktion! Wir nehmen uns mit unseren Fahrrädern, Skates und Rollers den Platz den wir im Verkehrsalltag vom Auto weggenommen bekommen. Wir fühlen uns sicher beim Fahren, da wir nicht die Einzigen in der Mitte von Blech sind. Wir fühlen uns wohl, weil wir mit Menschen kommunizieren können und nicht mit Hupen schreien müssen. Die Fahrradwege, oder noch besser, die autofreie Stadt kommt nicht von selbst, wir müssen sie fordern und selbst auf die Strasse bringen, die Politiker scheinen dazu ja unfähig zu sein.

Also komm mit deinen FreundInnen am 30. Mai um 17:30 (Abfahrt:18:00 Uhr) zum städtischen Bahnhof und bring dein Fahrrad und etwas um die Tour lebendig zu machen mit (Farbe, Fahnen, Musik, …)

www.carfree.infoladen.lu www.critical-mass.org

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Der G8 Gipfel findet dieses Jahr vom 1.-3. Juli in Evian statt. Die Stadt Evian wird während dieser Zeit „Zone interdite“ sein. Es ist allerdings ein großer Gegengipfel geplant, an dem sich wahrscheinlich auch das FORUM SOCIAL LUXEMBOURGEOIS beteiligen wird.

Die Regierungschefs der G8-Staaten sind verantwortlich für die Ausplünderung der Welt durch die Multis und Großbanken, für die zunehmende Umweltzerstörung und für die wachsende Kluft zwischen dem Reichtum einiger Weniger und der Verschärfung von Armut, Hunger und Elend für viele in allen Ländern der Erde. Der G8 hat keine demokratische Legitimität, so stop it.

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People of the same sun: Die Erfolgsstory geht weiter!

27 Jugendliche, 4 Tage, viele Gedanken, Ideen und noch mehr Aktion. Vom 4.-8. April haben sich „freie“ und in Gruppen wie der Jugend fir Fridden a Gerchtegkeet, Infoladen „Schréibs“ und LIFE organisierte Jugendliche mit verschiedenen Special Guests in Erpeldingen eingenistet, Bäume erklettert, die Wurzeln des Kapitalismus erforscht und vergangene Aktionen ausgewertet und neue geplant. Dabei ist das nur der Inhalt, die Form war geprägt von selbstbestimmten Leben, ein „Moniteur“ war nicht auffindbar. Essen, Programm, Putzen usw. wurden selbst organisiert und die Stimmung war gefüllt von Offenheit und Freundschaft. Damit hat das Projekt „Vernetzung der Jugendsozialbewegung“, Codename „Netz-Party“, nach dem Treffen im Dezember 2002 einen neuen Höhepunkt erreicht. Photos und ein inhaltlicher Bericht sind auf www.lifeproject.lu zu finden.

10. – 17. Juli 2003: Camp in the same sun

Doch es kommt noch mehr: Im Sommer organisieren wir ein Camp, voraussichtlich in Remerschen beim Baggersee. Vom 10. – 17. Juli 2003 wollen wir unsere Vorstellungen von einer friedlichen, kreativen und ökologischen Welt umsetzen und leben, das heisst das Camp soll ein Beispiel von freundschaftlicher Selbstorganisation der TeilnehmerInnen und gelebtem Umweltschutz werden. In vielen verschiedenen Workshops die im Voraus oder spontan von „Spezialisten“ und dir, mir, also jedem angeboten werden können, wollen wir uns mit der Welt, der Kunst, dem Leben, der Politik, Frieden, Umwelt, Theater, Zirkus, direkten Aktionen, Klettern, Schwimmen, Spazieren, Diskutieren, Kochen, Zuhören, Sprechen, Teamwork und weiteren Aktionen auseinandersetzen. Zum Anmelden und/oder mitorganisieren einfach bei Pol oder Gary von LIFE melden: life@lifeproject.lu Tel.: 26532895

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Concerts

@ Kulturfabrik in Esch/Alzette (Lux)

on saturday 31st may 2003 Joan Of Arc (Us)

Owen (Us)

Tvesla (Lux)

presented by Own Records

thursday 12th june: Forstella Ford (Us/ amazing

emotional hardcore,
on Level Plane Rec., come

and convince yourself!)
+
DefDump (Lux/ rocking

emo-newschool blast!!!)
Start: 21h
Entry: 5eur

@ ‘Le Marignan’ in Athus/Aubange (southeastern Belgium)
presented by
‘The Schalltot collective’ ___________________________________________________
friday 4th july: Off Minor (Us/ the new shape of emocore

to come, words fail me to describe

how good this band is!!)
Life Detecting Coffins (Us/?)
Ganesha (Lux/ ultra intensive metalcore)

Start: 21h
Entry: 5eur

@ ‘Le Marignan’ in Athus/Aubange (southeastern Belgium)

presented by ‘The Schalltot collective’

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Saturday 5th july 2003

LUMA-Festival

Yaphet Kotto (Us/ fantastic emocore!!!)
+
many more bands tbc


!!! location tbc soon !!!

presented by LUMA

still to come: Light The Fuse And Run, The Redneck Manifesto, The Appleseed Cast, 90 Day Men, Explosions In The Sky, The Dragon Rapide, Brown Owl, Setting Sun a.m.m.

Infos on www.schalltot.lu

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Tags: — Queesch - 3:21 pm

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Musik – Interview mit Diff

Im Folgenden das Interview/Gespräch von Gary, Pol und Johny mit Diff (Steve Differding, 32, Gesang und Gitarre bei Petrograd) über Musik. Motivation, Bedeutung, Entwicklung und Beziehung zur Musik von Diff sind Thema des sehr interessanten Gespräches gewesen. In der nächsten Queesch wird der zweite Teil dieses Interviews, mit den Themen Krieg, Frieden, Punk Szene und Friedensbewegung zu finden sein.

Fazit und Zitat:

Ich will abends über mich selbst lachen können, sobald ich anfange bei mir alle 100% seriös zu nehmen, gebe ich alles auf.“

Gary: Warum machst du Musik, was ist deine Motivation und was bedeutet es für dich Musik zu machen?

Diff: Als ich angefangen habe Musik zu machen, lag einer der Beweggründe darin, dass ich extrem von der Situation in Luxemburg angepisst war. Ich bin damals mit Chris rumgelaufen, der spielte in dieser Metalband. Die auf einer Bühne zu sehen und das Drumherum fand ich einfach klasse. Im Grunde war ich aber immer angekotzt von der Tatsache, dass die Musik mich nie wirklich angesprochen hat und Luxemburg sich in allem, wie auch heute noch, 20 Jahre in der Vergangenheit bewegt hat. Diese Metalband (Kwizatz Haderach) produzierte einen Sound, der eigentlich schon am Aussterben war, die klangen wie Iron Maiden und Iron Maiden hatten ja realistisch gesehen nach „Number of the beast“ schon Feierband. Aber das war gerade die Zeit in Luxemburg aktuell. Keine Ahnung warum, doch das entwickelt sich halt hier so… Mich hat es angepisst, dass du Samstags abends nur auf abgefuckte Blues-Konzerte gehen konntest. Also ich hasse Blues wie die Pest, nix gegen die Menschen, die dem Blues-Sound etwas abgewinnen können, aber ich konnte und kann absolut nichts damit anfangen. Und es gab mehr Bluesbands als Kneipen!! Ich habe immer gedacht, irgendetwas müsste ich machen, um den ganzen Leuten zu zeigen wie borniert sie sind, die ganzen Hippies und Konsorten. Ich bin nicht gerade ein Fan der Hippie-Bewegung, doch das resultiert vor allem daraus , dass ich in einer Familie aufgewachsen bin, die fast den gesamten Hippie Scheiß mitgemacht hat – vor allem mein Vater. Irgendwann habe ich dann einen Typen kennen gelernt, der mir 250 Platten schenkte…na ja, ich sollte versuchen die zu verticken! Und ich weiß heute noch, dass ich während einem Monat nix anderes tat, als zu Hause zu sitzen und diese ganzen Platten durchzuhören. Ich war so begeistert davon, dass es etwas „Extremes“ gab, bei dem der Sound total Scheiße war, die Bands nicht richtig spielen konnten, es nicht darum ging einen perfektionistischen Sound zu machen, sondern einfach nur Lärm, mit Texten, bei denen du einfach bei dir selbst gemerkt hast: „das ist genau das was ich brauche“. Es ging gar nicht darum, irgendetwas intellektuelles zu bringen, sondern einfach nur um plakative Schlagwörter, Schlagwörter, die du eins zu eins in deinem Alltag wiederfinden konntest. Zumindest habe ich mir das selbst vorgesponnen . „Fuck the Police“, das war z.B. der Slogan, bei dem du gedacht hast: “Ey Mann, ich hasse auch die Polizei”. Ich habe an sich die Musik gebraucht, um das, was in mir war nach außen zu kehren. Obwohl ich bis dahin nie Probleme mit der Polizei hatte, das war ja ganz egal, war es so was von befriedigend solch ein Feindbild zu haben, zu wissen: „Ey Mann, ich bin einer der Guten, einer der Rebellen“.

So hat sich das eben entwickelt. Gemeinsam mit einigen Kumpels haben wir die Band „SUBWAY ARTS“ gegründet, wir konnten alle noch nicht spielen, hatten aber schon einen Bandnamen und ein Konzert organisiert, doch niemand von uns hatte ein Instrument. Also haben wir uns billige Instrumente gekauft und angefangen einen Song zu schreiben, natürlich wusste niemand, wie ein Song geschrieben wird… scheißegal! Das erste Konzert, wenn ich das heute sehen würde, ich würde mich im Boden vergraben und schämen, doch das erste Konzert war eher eine Party, es ging nicht darum Musik zu machen sondern einfach sich mit all den anderen zu besaufen und du standst da mit einer Gitarre und hast all die Klischees verkörpert, die zu der Zeit in Luxemburg als asozial bezeichnet wurden. Das war richtig cool, das hatte etwas.

Zu der Zeit hatte ich mir auch eine MDC Single gekauft und über den Sound relativ schnell gelernt, also habe ich mich auch schnell von den politischen Inhalten angesprochen gefühlt…

Gary: Was war MDC?

Diff: MDC war eine „Hippie-Core“-Band aus San Francisco, die hatten nebst den üblichen Texten gegen Rassismus, gegen Polizei, gegen Staat, für Anarchie, auch Songs über Vegetarismus, Tierbefreiung und Sexismus, also genau die Inhalte, die du als 15-16 Jähriger in einem dermaßen reaktionären Zwangskollektiv einfach nur ergreifend und mitreißend finden konntest.

Hinzu kam später meine Lebenssituation, dass ich nicht mehr bei meinen Eltern gewohnt habe, sondern mich in irgendwelchen Löchern herumgetrieben habe und dann passt das einfach, du bekommst das Gefühl vermittelt, von wegen: „Ey Mann, da ist eine neue Familie“. Der übliche Sozialisations-Prozess eben, den jeder Mensch durchlebt.

Das hat sich dann entwickelt, über Jahre, ich hab mir nie Gedanken über Musik gemacht, ich hab mir immer nur Gedanken über politische Inhalte gemacht. Ich habe Musik immer gebraucht als eine Art Vehikel, um das was, in meinem Kopf eingeschlossen war, nach außen zu transportieren; durch meinen Mund, durch meine Gitarre, gegen die Gesellschaft. Es war mir scheißegal, wie die Leute darauf reagieren würden, es ging mir niemals darum, politische Aussagen zu machen, um mir Freunde damit zu machen, sondern genau das Gegenteil, je mehr ich die Leute anpissen konnte desto besser habe ich mich gefühlt. Irgendwann ist eine Bewegung in Luxemburg aufgekommen, zu der sich mehr junge Menschen gesellten und irgendwie findest du das dann alles ganz schön und nett und wiegst dich in dieser ach so romantischen Nische, aber irgendwann hatte ich auch genug davon. Es ging mir enorm auf die Nerven. Das, was ich als meine neue Familie mir hervorgelogen hatte, fing ich an zu hassen. Diese „Szene“ hatte genau die gleichen erzkonservativen Attitüden angenommen, wie meine eigentliche Familie, wie die Gesellschaft, die wir doch alle so verachteten. Ich fühlte mich eingeschlossen, fühlte mich sogar verraten, weil es plötzlich ins bürgerliche ausartete, genau die gleichen Maßstäbe, genau die gleichen Anforderungen nur in verdrehter Form, Regeln, Dogmen, Zwänge – alles das was wir alle doch versuchten zu vermeiden und dem zu entfliehen!

Ich fing an, mich mit langsamen Schritten (es kam auch ein abrupter Schritt!) diesem Debakel zu entfernen, fing an mich für Musik als solche zu interessieren, den politischen Teil habe ich immer beibehalten, doch das Interesse für Musik in Form von Klängen, Emotionen und als Medium der Unterhaltung wurde immer größer.

Heute, wenn ich heute sage, warum ich die Musik gerne mache und was es für mich bedeutet, dann ist es auf der einen Seite noch immer der persönliche Exorzismus, d.h. alles was ich so erlebe, all die Erfahrungen die ich früher gemacht habe, die kotze ich immer noch durch die Musik heraus, verarbeite sie auch damit, und es ist meine kleine Projektionsfläche, die für mich „missbrauche“. Wobei ich damit aber nicht irgendwie probiere den Menschen etwas zu verkaufen, wenn jemand etwas davon auf- und/oder annimmt ist das seine/ihre Sache. Auf der anderen Seite ist die Leidenschaft zur Musik viel größer geworden, d.h. ich bin auch mittlerweile mehr am Sound interessiert und will mich auch musikalisch weiterentwickeln, obwohl ich merke, dass ich mich nicht weiterentwickeln kann, weil ich musikalisch, was das Gitarre spielen angeht einfach ein Versager bin. Jede/r der zwei Jahre lang Gitarre spielt, spielt 15mal besser Gitarre als ich. Ich habe mich nie mit meinem Instrument auseinandergesetzt, sondern damit wie ich Songstrukturen so schaffen kann, dass sie mir persönlich am besten gefallen. Und das ist für mich das, was für mich die Leidenschaft an der Musik ist! Einfach mich setzen, spontan ein Lied zu schreiben, es mit den Leuten im Proberaum teilen und beim Konzert den Leuten zu präsentieren, dabei etwas zu empfinden und wenn ich das nicht mehr bei einem Lied empfinde, dann will ich das Lied auch nicht mehr spielen. An sich mache ich all das in der Musik, was mir im Alltag entsagt bleibt. Was ich im Alltag verboten bekomme, das Spontane, Rebellische, Ungezügelte, Ungestüme, das Anarchische probiere ich in der Musik auszuleben.

Gary: Kannst du kurz sagen wie alt du bist, wann du in welcher Band gespielt hast und mit wem?

Diff: Jetzt bald 32 Jahre alt, geboren 1971, gleicher Tag wie Fußballgott Sergej Barbarez (Fußballspieler HSV)

Petrograd: Oktober 1996, vorher Bakunin Children.

Die Zeit von Bakunin Children war für mich eine experimentelle Phase, in welcher ich bewusst versucht habe rauszufinden was mir wichtiger ist, der Sound oder das Politische. Und ich habe einen Sound gespielt, der mich zum Teil angekotzt hat, die Texte hingegen fand ich spannend.

Damals habe ich gedacht: „Warum nicht diese Texte nehmen, sie mit einem Sound der melodiöser, poppiger, emotionaler klingt verbinden und unterlegen und sie somit gleichfalls aus dem Klischee heraus reißen?“ Das heißt, du bleibst nicht stur auf dieser 0815 anarcho-crust-punk-whateve Schiene, wo es nur um Politik geht, (zumindest gaukeln sich das viele vor!) sondern nötigst simplen Punk-Rock, was ja an sich nichts Weltbewegendes ist, und verbindest es darin mit schönen Melodien, mit Inhalten. So kam Petrograd zustande, das waren zu dem Zeitpunkt Fränk, Gilbert, Simone und ich.

Gary: Hörst du nur Musik vom gleichen Style oder auch andere?

Diff: Ich höre unterschiedliche Musik. Ab und an Punk-Rock, doch wenn ich ganz gezielt Musik „einsetzen“ will – zur persönliche Unterhaltung auf Dauer – ist es eine ganz andere Musik, Sachen wie Modest Mouse, Godspeed You Black Emperor, Joan of Arc, Mogwai, Arab Strap, Silver Mount Zion, Sachen die ich nie spielen würde, aber zu Hause gerne höre. Musik, die in mir ein gewisses Gefühl hervorruft, wo ich merke: „Das ist eine Befreiung“. Aber ich würde nie hingehen und diese Musik selbst spielen, erstens kann ich es nicht und zweitens würde es mir nicht mehr soviel Spaß machen die Musik zu Hause zu hören. So einen Sound wie Petrograd höre ich zu Hause quasi nicht, (gibt’s den eigentlich ) vielleicht Bands wie Hot Water Music, Buck, Turbostaat die liebe ich, vor allem auf dem Weg zur Arbeit oder wenn wir auf ein Konzert fahren, beim Bier trinken und um mich in Party-Stimmung zu bringen. Die einzige Band, die ich mir allerdings regelmäßig anhöre, und das vor allem beim Arbeiten am Computer, ist BORN AGAINST – so was wird es nie wieder geben!

Gary: Siehst du im Endeffekt eine Beziehung zwischen dem, was du hörst und dem was du spielst?

Diff: Nein, ich sehe da absolut keine Relation, ich will mir die auch gar nicht selbst einreden.

Gary: Doch die Musik die du hörst beeinflusst doch deine Person und deine Person beeinflusst wiederum die Musik die du machst, oder nicht?

Diff: Meine Person beeinflusst die Musik die ich mache, doch ich glaube nicht, dass die Musik, die ich höre meine Person beeinflusst. Also ich brauch auch eine gewisse Harmonie bei mir zu Hause und dann wähle ich mir auch ganz bewusst einen harmonischen Sound aus, also es ist viel schöner entspannt auf dem Sofa zu sitzen und Godspeed zu hören als eine Punk Band, denn du kriegst einfach dieses sphärische, dieses Abdriften mehr mit. Während die Punk Musik mich eher revoltiert, mich innerlich aufwühlt und ich den Drang bekomme, mich zu bewegen, doch zu Hause will ich mich nicht bewegen, da will ich wie ein Zombie auf dem Sofa sitzen (wenn ich denn mal die Zeit dazu habe ) und einfach Godspeed hören und nicht irgendwelchen Crust oder Punk.

Ich bin ja auch gar kein Freund der Sonne, ich hab lieber ein Sauwetter wie heute, weil das viel fatalistischer ist. Von daher hat Godspeed schon einen gewissen Einfluss auf mich, weil es fatalistisch, nihilistisch ist, sehr sogar, dramatisch, die Welt, die kurz vor dem Untergang ist, das gibt mir schon ne Menge. Doch ich würde das nie selber in der Musik ausleben wollen, ich könnte das auch nicht, das würde ja bedeuten, dass ich mich vor jedem Konzert in diese Situation hineinversetzen müsste und das will ich nicht, denn ich bin ja kein absoluter Pessimist. Den Sound, den ich jetzt produziere, kann ich eins zu eins nachvollziehen.

Gary: Wie ist es in einer Band, eine Gruppe von Menschen Musik zu machen? Das was du persönlich rüberbringen willst im Endeffekt zu fünft rüberzubringen?

Diff: Ah, ja, ich mach das ja in einem Team… Das ist eine verdammt schwierige Frage… aber ich versuche das gemäßigt zu erklären…, normalerweise ist es so, dass mensch eine Band mit FreundInnen gründet, mit denen mensch sich gut versteht, eine ähnliche Philosophie von Musik und dem was mensch machen will, hat. Bei mir war (ist?) das eigentlich nicht so. Ich hatte irgendwann die Idee im Kopf, die zwei Sachen, das heißt einen gewissen politischen Inhalt mit einem gewissen Sound, zu verbinden. Ich hatte aber nie das Gefühl, mir zwanghaft FreundInnen suchen zu müssen, mit denen ich jetzt Musik machen kann. Ich habe Musik und die Band als solches auch nie dazu auserkoren, meine sozialen Fähigkeiten zu testen, oder mich sozial einem Kollektiv einzugliedern. Das ist bis heute geblieben. Ich sehe die Band eher als freie Assimilation von Individuen mit denen ich Musik zusammen mache, die ich absolut schätze, zu denen ich Gefühle habe, trotzdem, und das weiß auch jeder in der Band, wenn morgen jemand die Band verlassen will dann bleibt trotzdem dieses Kollektiv frei assimilierter Subjekt bestehen. Ich will nicht diese Diskussion führen , dass jede/r austauschbar ist, nein nein, doch für mich persönlich ist es schlicht und einfach wichtig, dass ich meine Leidenschaft ausleben kann – ungebunden – und mit jede/r/m der mitmachen will werde ich Kompromissbereitschaft aufweisen, ich respektiere seine/ihre Meinung und baue sie auch in das Gesamtkonzept der Band ein, doch die Band als solches, ist nicht das, was für mich wichtig ist. Zu einigen in der Band pflege in eine innige Freundschaft doch ich sage immer, dass ich andere Leute in der Band als Menschen mit denen ich Musik mache bezeichne. Ich finde das weiter nicht tragisch, denn wenn ich Fußball spiele, dann um meine Lust am Fußball auszuleben und wenn ich Musik mache, dann will ich gerne meine Lust an der Musik ausleben. Und ich will nicht ständig soziale Interaktionen bewerten und mich damit auseinandersetzen, absolut nicht, ich will mich gerne mit der Musik auseinandersetzen und mich darauf konzentrieren, nicht auf das Fortbestehen eines absolutistischen Kollektives. Das heißt nicht, dass wenn irgendjemand in der Band ein Problem hat, ich das ignoriere, gar nicht, es ist auch einer für den anderen da. Das klingt für viele Menschen so was von daneben wenn ich diese Situation darstelle. Viele können da nur den Kopf schütteln oder sich sonst wie ergötzen und mir Egozentrismus unterstellen aber die Menschen, die mich kennen, wissen ganz genau was ich damit meine und mit diesem Statement bezwecken will. Es ist kein Zwangskollektiv und für mich ist und bleibt es mein Medium zum persönlichen Exorzismus.

Gary: Die ganze Band, also das was bei der Band als Musik herauskommt, das Gesamtkonzept?

Diff: Ja, das Gesamte, die Tatsache, dass ich soviel wie möglich Konzerte spielen kann, Platten aufnehmen kann, ist ein Teil von mir und ich lasse mir das nicht kaputtmachen, dadurch, dass ich glaube, ich müsste mich einem Kollektiv unterwerfen. Ich lasse mich auch z.B. nicht vom Kollektiv dirigieren indem ich mir sage, OK, jetzt ist der/die aus der Band und jetzt bricht das Kollektiv zusammen. Denn in dem Moment würde es schon wieder die Form eines Zwangskollektives annehmen und das will ich nicht. Es ist nicht meine Identität, meine Identität ist vielleicht, kann mensch hineininterpretieren, das was ich produziere, aber die Band ist nicht meine Identität. Wobei ich die Menschen aber absolut mag und super gerne mit ihnen Musik mache.

Johny: Ist „Kolleg“ für dich das gleiche wie Freundschaft?

Diff: Freundschaft ist für mich etwas sehr „Heiliges“, etwas sehr Starkes. Ich muss nicht hingehen und Kollegialität über eine gemeinsame „Aufgabe“ oder ein gemeinsames Interesse definieren, denn das würde ja bedeuten, dass ich alles mit den Menschen teilen würde. Meine FreundInnen sind schon zum Teil in der Band, also ich habe in der Band sehr starke Beziehungen, doch ich habe außerhalb der Band starke Freundschaften, die mir von einer anderen „Wichtigkeit“ sind. Zu einer Person ist die Beziehung und die Freundschaft, als die Person dazugekommen ist, noch intensiver geworden als vorher, vielleicht auch gerade erst durch die Band. Wenn das bei den anderen auch der Fall wäre, wäre das natürlich schön, ich würde aber lügen wenn ich sagen würde es ist so. Ich will in Sachen Freundschaft niemals jemandem etwas vormachen und schon gar nicht mir selbst.

Gary: Die Entscheidungen in der Band, wie werden die genommen?

Diff: Ui, noch eine triviale Frage. Es hängt immer davon ab, als was mensch eine Entscheidung definieren will. Es wird schon viel Wert darauf gelegt, dass wir gemeinsam an einer Entscheidung teilnehmen, wir tauschen uns darüber aus, wir versuchen auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, und es kommt auch vor, dass ich mit meiner Meinung beispielsweise alleine vier anderen gegenüberstehe, dann ist das absolut in Ordnung, dann wird die Meinung der Mehrheit umgesetzt. Deren Vorstellung von etwas wird dann auch akzeptiert und respektiert. In dem Moment passe ich mich an, aber nur, wenn ich finde, dass es nicht Ideologie gebunden ist. Es gibt ja auch den Unterschied zwischen organisatorischen Entscheidungen, was in der Praxis umgesetzt wird und Entscheidungen, die zum Beispiel politische Inhalte haben. Sobald es anfängt eine Ideologie zu sein, wendet sich das Blatt und dann mache ich offensive Opposition. Dann kann es sein, dass ich z.B. ein Konzert mitspiele, aber auf dem Konzert mein Statement mache und das wissen die anderen dann auch, leider gehen sie meistens hin und vermeiden die öffentliche Konfrontation um ja Problemen aus dem Wege zu gehen. Ich würde sagen, dass die Entscheidungen von jedem in der Band getroffen werden, doch es gibt verschiedene Initiatoren in der Band. Z.B. kommt eine Anfrage bezüglich einer Veröffentlichung, dann mache ich mir sehr viele Gedanken darüber und trage das weiter in die Band und erwarte dann auch Stellungnahmen der anderen. Das ist auch nicht so, dass innerhalb von fünf Minuten die anderen eine Entscheidung treffen müssen, jede/r hat seine Zeit dafür doch wenn ich nach einer gewissen Zeit merke, dass niemand eine klare Position ergreift, heißt das für mich, dass niemand dagegen ist und dann interpretiere ich das als ein ja. Wenn aber irgendjemand in der Band sagt: „Ich finde das total Scheiße und will das nicht“, dann ist das gar keine Diskussion, dann wird das nicht gemacht. (Außer natürlich es ist ideologiebedingt. Dann sage ich, du kannst deinen Protest äußeren, doch die Mehrheit der Band sagt, wir machen das so, dann machen wir es auch so. Ich weiß noch nicht mal, ob mensch das demokratisch nennen kann. ) gut dass ich gerade bei den Themen selbst über mich lachen kann!

Dazu kommt, dass mensch nie vergessen soll, dass das was Petrograd produziert immer wieder nur an meiner Person festgemacht wird, ich höre immer nur Diff hier, Diff da. Mir persönlich ist das scheißegal, wenn die Leute meinen, sie brauchen irgendeine Person, um sie zu dämonisieren und die gesamte Band darauf zu reduzieren… Ich mach das Ganze, weil ich es schon verdammt lange und verdammt gerne mache. Doch für andere, die mal in der Band waren, ohne ihnen etwas böses unterstellen zu wollen, war es so etwas zeitliches, es war einfach schön dabeizusein, enthusiastisch, euphorisch und sobald es zu einem Knackpunkt kam, bei dem es hieß „So jetzt weiter“, dann haben die Leute oftmals einen Rückzieher gemacht. Und da entwickelst du auch, als jemand der das schon lange macht, gewisse Strategien, um dem anderen zu sagen: „Pass auf, ohne dass ich dir aufgrund meiner Erfahrung etwas vorschreiben möchte, doch du bist/sitzt erst seit kurzem in diesem Boot !“. Für viele, die Petrograd mitgemacht haben, war das etwas komplett neues, sie sind in einigen Fällen von einem Extrem in ein anderes katapultiert worden, mussten sehr viel aufsaugen und sind mit vielem nicht klargekommen und du versuchst den Leuten dann zu vermitteln, dass es nicht OK ist sich jetzt blind mit all dem nichtvorhandenen Background hinzustellen und einfach nein zu sagen sondern es wichtig ist, sich wirklich mal ernsthaft Gedanken darüber zu machen, sich mit der neuen Situation konstruktiv auseinander zusetzen, den Mist den mensch vorher erlebt hat (meist hat ein Mensch, der hierzulande Musik gemacht hat ja gar nix erlebt, was touren oder sonstiges bedeutet und niemand wird dazu genötigt mitzumachen) zu vergessen. Wenn dann ein vehementes „nein“ kommt und die Argumentation ist wirklich korrekt und fundiert, dann bin ich der letzte der sagen würde: „Nein, du musst das jetzt machen“. Aber sobald es heißt, ich nehme die Protestrolle nur um des Protestes wegen dann schalte ich gerne auf „queesch“ .

Pol: Denkst du, so wie du die Band, und so wie sie funktioniert, beschreibst, es auch funktionieren würde, wenn der Erfolg – und ein gewisser Erfolg ist ja da – nicht da wäre?

Diff: Das ist dann noch ein weiteres Thema. Ich bin z.B. einer der Leute, die sich permanent gegen diesen Erfolg wehren. Denn ich versuche andauernd auf dem Boden zu bleiben, wir hatten schon zwei Anfragen von Major Labels und zweimal ist an dieser Diskussion ein Teil der Band auseinandergebrochen. Denn es ging um die Zukunft der Band, es hätte in dem Falle bedeutet, dass die Band ja sagt zur modernen Sklavenarbeit? Das ist natürlich verkürzt, aber bedeutet es, dass wir uns jetzt irgendeinem Management unterwerfen und den Spaß an der Musik verlieren, aber damit Geld verdienen, oder bedeutet es, dass wir wirklich weiterkommen als Band? Nach den Verträgen, die vorgelegt wurden, hat es immer danach ausgesehen, dass wir nur die Mittel sind um Geld zu machen. Dadurch, dass ich jeden Tag arbeiten gehe, produziere ich per Definition Wert, also soll ich jetzt auch nicht den bösen Manager oder die böse Plattenfirma für mein Wertproduzieren verdammen denn ich bin ja derjenige der mitmacht, der den Wert produziert und sonst niemand. Also ist eine Unterschrift auf einem Major Vertrag nix anderes als das was im Alltag ich eh schon bereit bin zu leisten. Nur mach ich einen klaren Unterschied zwischen meiner Arbeit und der Musik als Arbeit! Ich finde, dass gerade zu Momenten, wo eine solche Diskussion innerhalb der Band geführt wurde, verschiedene eine Richtung eingeschlagen haben, die niemals von mir gewollt war und gegen die ich mich immer gewehrt habe. Und ich wehre mich auch noch heute dagegen. Wenn wir jetzt wieder ein Angebot von einem Major Label bekommen würden, dann würde die Diskussion wieder ausbrechen und es wahrscheinlich wieder zu einer Spaltung kommen, doch dann denke ich, dann ist diese Spaltung auch richtig. Ich will diesen Weg einfach nicht gehen, denn für mich ist es wichtig, dass ich wenigstens meine Musik selbst bestimmen kann. Wenn ich schon dazu gezwungen bin, in der Warengesellschaft arbeiten zu gehen um zu überleben, dann will ich nicht auch noch Musik dazu missbrauchen. Denn, wenn ich jetzt auch noch Musik zu meinem Beruf machen würde und ich müsste „dem da oben“ gehorchen, dann hätte ich doch gar keinen Spaß mehr. Was würde ich dann machen? Dann wäre jedes Konzert mein Job. Ich habe jetzt schon Momente, wo ich mir sage, da muss ich durch obwohl es keinen Spaß macht, doch das hat mehr mit meiner Gesundheit zu tun und ich beiss in dem Moment auf die Zähne, weil es denen anderen Spaß macht und ich sage mir, dass ich es wegen ihnen machen muss, dass ich ihnen das auch schuldig bin. Im Endeffekt bin ich froh darüber, es gemacht zu haben und es war gut. Doch ich will es nie aus einer finanziellen Abhängigkeit heraus machen. Dann ist deine Musik nichts mehr als ein entfremdetes Produkt! Produktion der Produktion wenig sonst nix!

Dieser von dir erwähnte Erfolg kommt daher, dass wir sehr viel selbst gemacht haben und uns da reingehängt haben und nicht zu Momenten auseinander gebrochen sind bei denen verschiedene Divergenzen da waren.

Als nächstes werde ich mehr Songwriting, mit akustischer Gitarre mit Elektrosachen dazu, Scheiße machen. Alleine oder mit anderen zusammen, mal schauen, ich habe auf jeden Fall Lust das zu probieren.

Gary: Das heißt du fängst jetzt eine Solo-Karriere an

Diff: Ich mache Solo, aber keine Karriere, ich muss und will keine Karriere machen.

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Queesch - 3:19 pm

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Für die Macht der Reichen gehen sie über Leichen

Die Inszenierung des Staatsapparates wird im Laufe der folgenden Demos und Aktionen ob im Rahmen von Antikriegsdemos oder gewerkschaftlichen Demos immer mehr angreifbar sein…, wird immer mehr die Macht der staatlichen Repression und Polizeigewalt dominieren, wird der Staat immer weiter demaskiert werden, seine wahre Fratze sichtbar werden, das Bild eines Reformierbaren Kapitalismus in tausend Stücke fallen.

Konnten die Herrschenden und ihre Akolyten den menschenrechtswidrigen Einsatz im Kosovo resp. den Afghanistankrieg als humanitäre Eingriffe usw. verkaufen, wird ein paar Jahre später bereits die Sinnhaftigkeit von ausbeuterischen und umweltzerstörenden Kriegen von breiten Bevölkerungsteilen in Frage gestellt.
Diese protestierenden Bevölkerungsteile zahlen jedoch einen unermesslich hohen Preis dafür dass sie ihren Missmut kundtun. Bereits sind Tote unter den Demonstrierenden zu vermerken (wenn auch nicht hierzulande). Viele aber wurden auch in Luxemburg „nur“ verletzt bzw. gefoltert oder Augenzeugen polizeilicher Gewaltexzesse. Wie sind solche Geschehnisse zu bewerten und was wird dies für die Zukunft heißen.
Seit den verschärften Abschiebemethoden und der vorgeschlagenen Lex Greenpeace (1) haben sich Protestbewegungen einerseits verstärkt, andererseits hat sich die Polizeigewalt in den letzten Wochen derart gesteigert, dass sie als Abschreckung und Einschüchterung Angst machen soll.
Mit Gesetzesvorlagen à la Lex Greenpeace soll die Bewegungsfreiheit zunehmend eingeschränkt werden. In anderen sogenannten demokratischen europäische Ländern werden DemonstrantInnen an den Grenzen festgehalten oder zurückgeschickt. Wird dies 2005 in Luxemburg anders sein? (2)
Die Tendenz geht klar in Richtung Kriminalisierung der Bewegung. Darüber hinweg merkt mensch bereits jetzt schon was für weitreichende Folgen der Gipfel in Luxemburg mit sich bringen wird. Bereits jetzt wird gerüstet (Wasserwerfer, Räumfahrzeuge, antidemokratische Gesetzesvorlagen) und der Einsatz von Schlagstöcken, gewaltgeilen rassistischen Zivis (3) und Tränengas, wenn auch bloß an friedlich demonstrierenden Minderjährigen, erprobt.
Eine Frage welche sich unentwegt nach Vorfällen wie die in den letzten Tagen aufwirft ist die ob es sich bei dieser Polizeiwillkür „nur“ um situationsbedingte Eskalationstaktik handelt, oder ob diese dem neuen Standard der Staatsgewalt entsprechen?
Der wachsende Staatsterror steigt parallel mit der wachsenden Protestbewegung, gilt quasi als Antwort auf diese. Frieden, Wolter…verfolgen ganz klare Ziele. Auch wenn Juncker nach Außen hin den Friedensapostel spielt, so soll dennoch Innen die Zerschlagung des Protestes erreicht werden, Menschen eingeschüchtert werden. Lex Greenpeace zielt nicht umsonst darauf ab Individuen daran zu hindern von ihrem Recht auf Widerstand und Protest abzubringen und wenn sie doch Gebrauch machen, zu kriminalisieren.
Die Schärfe und zunehmende Repression seitens der Knüppelgarde, zeigen die Schwäche sowie die Angreifbarkeit des Systems. Insofern liegt in der sich verschärfenden Situation auch hier in Luxemburg die Hoffnung eines grundlegenden sozialen Wandels. In dieser Phase ist es allerdings wichtig aus der Geschichte sozialer Bewegungen zu lernen, welcher auch massiver Staatsrepression ausgesetzt waren, aus denen wir heute, angesichts erneuter Aktualität, in der sich abzeichnenden Situation wichtiges lernen können.
Mit stetig zunehmender Gewalt wächst aber nicht nur die Staatsrepression, auch die Medien setzen neue Maßstäbe. Auch wenn Demos in Luxemburg den bürgerlichen Medien keine Sensationsberichte von gewalttätigen Auseinandersetzungen liefern, wie dies z.B. der Fall in Genua gewesen ist, so sollte dennoch polizeiwillkürliches Vorgehen weiterhin Bestand ihrer Kritik sein.

Über die überflüssigen Scheingefechte zwischen Massenmilitanz und Konfrontation?

Vorfälle wie die auf der Reclaim the Streets (4) sind der Versuch seitens der Polizei Spaltungstendenzen in der Bewegung entlang der Frage gewaltfrei oder Konfrontation zu instrumentalisieren. Ich denke auch dass Burggraff Marc in seinem Leserbrief an das Tageblatt recht hat wenn er schreibt [...] es scheint ein klares „Profiling“-Programm der Polizei zu existieren, laut dem immer wieder die gleichen Leute wegen ihres Aussehens (Anarcho-punks) in Bedrängnis geraten, sicherlich nicht wegen ihres friedlichen Auftretens.“ [...] Sondern weil sie in ihrer radikalen Kritik den Kriegsursachen auf den Grund gehen und Nationalstaaten, als auch Profitwirtschaft hinterfragen, und deren Abschaffen ansteuern.
Kommt es dennoch zu verschiedenen Protestformen, ist es taktisches Ziel der Polizeibrutalos diese verschiedenen Protestformen zu vermischen und dann auf alle gleichermaßen mit Tränengas vorzugehen und einzuknüppeln. Also tut was die Polizei fordert: „Friedfertige“ grenzt euch von den „Gewaltbereiten“ ab. (sic!) Dabei sollte es doch klar sein dass die hinterfotzigen Spaltungsversuche als Angriff auf die Breite der Bewegung verstanden werden müssen, und als Versuch der Schwächung des sich radikalisierenden Protests, der eine wachsende Gefahr für die Interessen der Herrschenden stellt. Distanzierung und Entsolidarisierung, wie es manche Sozialdemokraten fordern, dienen jedoch immer den Herrschenden.
Dass es sich nicht um eine homogene Bewegung handelt, dürfte den meisten mittlerweile klar sein. Es gibt nicht nur verschiedene Aktionsformen, sondern auch Analysen, Kritikpunkte und Zielsetzungen. Es gilt also Distanzierung zu vermeiden und Akzeptanz, als Grundbedingung für einen solidarischen Umgang untereinander, zu fördern. Die Verschiedenartigkeit der Ansätze sind nicht notwendigerweise ein Widerspruch, sondern kann auch als positives Kennzeichen gewertet werden. Nichtsdestotrotz sollte immer darauf geachtet werden dass Bündnisse auf Kosten von Inhalten geschehen. Reaktionäre und Rechte aller Couleur sollten als Bündnispartner nicht mal zur Debatte stehen.
Dass die Vielfalt der Bewegung ein Grund der Stärke ist, wurde schon in vielen Texten festgehalten. Sowohl für radikalere als auch für eher reformerische Gruppen ist es vonnöten, eine breite Massenbewegung ereichen zu können. Militante Gruppen müssen vermitteln, dass Militanz kein Selbstzweck darstellt, sondern ein legitimes Mittel zur Erreichung kurzfristiger Ziele ist. Zur Medienwahrnehmung sind konkrete Störungen durch militante oder direkte Aktionen wichtig, für größere Mobilisierung braucht es aber auch den Rückhalt in gemäßigteren Kreisen. Es muss in naher Zukunft das zentrale Anliegen sein, diese Vielfalt zu erhalten und weiterhin produktiv umzusetzen, dabei aber nicht in Beliebigkeit umzuschlagen. Aktionsformen dürfen nicht hierarchisiert werden, d.h., dass es nicht um taktische Einschätzungen anderer Aktionsformen allein gehen darf, sondern dass ein längerfristiges Nebeneinander gefördert wird. Vielfalt in den Aktionsformen müssen als Ergebnis einer Vielfalt von Lebensformen, Vielfalt der Artikulation von Protest und Alternativen angesehen werden. Insofern wäre die Einengung z.B. auf “friedliche” Aktionsformen ein Schritt, den Protest auf eine Einheitsnorm zuzuschneiden, damit nicht nur “militante” (im Sinne von zivilem Ungehorsam, Sabotageaktionen…) Aktionen auszuschließen, sondern auch andere politische Mittel, Visionen und Utopien.

Noch ein paar Worte zu den polizeitaktischen Eingriffen

Sicherlich ist es falsch, historische als auch politisch, das momentane Vorgehen der Polizei als faschistisch zu betiteln. Allerdings besteht das immanente Risiko, dass ohne massive demokratische Gegenwehr, die Police Grand-Ducale zusehends faschisiert wird. Es ist alles schon mal da gewesen, und auch unser Luxemburger Freund und Helfer hat sich schon mal aus freien Stücken die Uniform des deutschen Besatzers übergezogen. Es ist auch noch nicht allzu lange her dass Bullen mit durchgeladenen Maschinenpistolen GewerkschafterInnen bedroht haben.
Umfangs und Systematik mit der mittlerweile in Luxemburg der Rechtsstaat seine eigenen Normen außer Kraft setzt, haben eine neue Qualität erreicht, und dies nicht zuletzt seit dem pogromartigen Vorgehen bei Abschiebungen.
Knüppelorgien gegen friedliche Demos, Einschüchterung und Misshandlung von DemonstrantInnen – bereits Normalität?
Auf mehreren Photos (von TeilnehmerInnen) sieht mensch dass völlig überforderte Polizeigrünlinge mit drohenden Schlagstockbewegungen auf friedliche DemonstrantInnen losgehen. Etwa mit Wink von Oben? Sicherlich, denn Verletzungen seitens DemonstrantInnen waren keine Einzelfälle in diesen letzten Tagen. Hinzu kommen die vermehrten Zeugenaussagen, welche die These der Polizeibrutalität stützen.
Das polizeiliche Vorgehen kann also nur als Ergebnis eindeutiger politischer Vorgaben verstanden werden. Schließlich wäre ja da noch die systematische Demütigung und Einschüchterung der Festgenommenen. Wie soll mensch solch eine Knüppelgarde zur Rechenschaft heranziehen, wenn ihr Vorgehen politische gedeckt wird?
Zudem tragen die PolizistInnen weder Namensschilder noch eine individuelle Nummer an der Uniform, mit deren mensch sie bei ihrem Machtmissbrauch zur Verantwortung ziehen könnte. Widerspricht dies nicht jedem rechtstaatlichen Prinzip und ist klares Element eines Polizeistaates? Provoziert dies nicht dass gedemütigte und gefolterte DemonstrantInnen Selbstjustiz üben; immerhin leben wir in Luxemburg, und gewaltgeile Bullen trifft mensch überall an, auch dienstfrei, in ihrem Alltag.
Allem Menschenverstand entgegen, werden sie nun auch noch auf Aufstandsbekämpfung spezialisiert. Ganz beiläufig werden die PolizistInnen während ihrer Ausbildung maßgeblich politisiert, um klare Frontstellung gegen alles was im entferntesten mit Menschlichkeit und Kommunismus zu tun hat einzunehmen. Systematische Verhetzung durch Schauermärchen über die staatstreuen Medien bleiben nicht aus.
Frieden ist hierzulande der Interpret des Law and Order-Blocks und will sich partout als hart durchgreifender Garant der inneren Sicherheit profilieren. Was er in Schrassig nicht verhindern mochte, müssen nun wohl friedliche DemonstrantInnen ausbaden. Werden wir nun zum Ventil von deinen Frustrationen und Launen. Dann tritt doch bitte zurück du autoritäres Arschloch.
Staatliche Behörden werden auch weiterhin diejenigen Teile der Antikriegsbewegung dämonisieren und kriminalisieren, welche nicht dem Charakter der offiziellen Regierungslinie entsprechen.
Aber eins möchte ich vorab prophezeien: Wenn der Staat die gegen uns angesetzte Repressionsschraube fester zuzerren will, werden wir entschiedenen Widerstand zu leisten wissen. Unser Engagement für eine solidarische und gerechte Gesellschaft wird weder durch den Staat, noch durch seine brutalen Gewaltexzesse gebremst.

(Viele Anregungen stammen von Linksradikale aus einer diskutierenden Bewegung)
Die Nacht gehört uns
Solidarisch,
Luc Friedens verhasste Stieftochter

Folgt nun ein kleiner Auszug vom Kollektiv gegen Polizeibrutalität:
[...]Die Polizei, Vollbeauftragter des Staates, mißbraucht ununterbrochen ihre Vollmachten und sie läßt ihrer Gewalt straflos freien Lauf. Die Kameradschaft des Schweigens innerhalb der Polizeiorganisation schließt die Wahrscheinlichkeit der Unschuld eines einzelnen Polizisten aus. Sie übertritt nämlich überall und jeden Augenblick die Gesetze, die sie angeblich zur Anwendung bringen müßte. Die Polizei kontrolliert Papiere ohne Grund, quält, stehlt, spioniert, prügelt, deportiert, verhaftet, sperrt ein, foltert und tötet. Sie zielt vor allem auf die “Unerwünschten der Gesellschaft” ab: Arme, Obdachlose, Farbige, Indigenous Bevölkerungen, ImmigrantInnen und Personen in nichtregulärer Situation (Papierlose,
SchwarzarbeiterInnen), “Sexworkers”, politische AktivistInnen, engagierte
StudentInnen, organisierte ArbeiterInnen, gay, transexuel und feministische Aktivisten und alle die, die Autoritäten bezweifeln. Den lebhaften und mächtigen Demos gegen die Globalisierung, die den Kapitalismus Turm bekämpfen, dem Auseinanderklaffen zwischen Armen und Reichen, der unvermeidlichen Erhöhung der Armut, dem Elend und der
allgemeinen Verschlechterung der Lebensbedingungen entgegen investieren die Regierungen ins Polizeiamt, damit die Ordnung und der Sozialfrieden um jedem Preis durchgesetzt werden. Die Ereignisse des 11. September in den USA haben weltweit zu einem
wahrhaften reaktionären Sicherheitswahnsinn geführt. Sie gaben Freilauf zu weltweiten Regierungen, neuen faschistischen Anti-Terrorismus Gesetzen und rassistischen Anti-Zuwanderungsgesetzen zu schaffen. Die wachsende und systematische Überwachung aller Kommunikationsmittel, die Einschränkung des Grenzübertritts (nicht zu sagen ihrer Schliessung), und der absolute Macht der verschiedenen Polizeiapparate auf der internationalen Ebene direkt gegen die “Unerwünschten” (die “gefährliche Klasse”) auswirken. Gegenüber diesen globalen Polizeistaat sind wir verantwortlich uns zu
organisieren und alle Opfer der Staatsgewalt zu unterstützen. [...]

http://kiss.to/anarchy

Erklärungen, von der Redaktion beigefügt:

  1. Lex Greenpeace“ ist ein Gesetz, welches im Mai im Parlament gestimmt werden soll zur Kriminalisierung der Besetzung öffentlicher und privater Plätze als Protestform. Sie wurde nach der „Stop Esso“ Besetzungsaktion der Tankstellen durch Greenpeace initiiert.

  2. 2005 findet der EU-Gipfel in Luxemburg statt

  3. Zivis“ sind Polizisten ohne Uniform, welche sich seit den letzten Demos unter die DemonstrantInnen mischen

  4. Reclaim The Streets“ ist ein Konzept einer direkten Aktion zur Besetzung einer Strasse ohne Organisatoren und für Freiräume im öffentlichen Raum: www.carfree.infoladen.lu

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Queesch - 3:18 pm

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