Schnüffelstoffe, Reiz und Risiken

Menschen benötigen keine “heimtückischen Rauschgifthändler” um an Drogen zu kommen, psychoaktive Substanzen lassen sich in jedem Haushalt finden.

Obwohl weltweit viele Menschen, vor allem jüngere, davon Gebrauch machen, so ist das Schnüffeln dennoch ein recht unpopuläres Thema, zumindest in unseren Regionen. Es wird kaum darüber gesprochen und nicht viel darüber geschrieben. Literatur rein zu diesem Thema ist schwer zu finden. Ein aktuelles und im Handel erhältliches deutsches Buch ist nicht zu beziehen, wohl gibt es aber viele Drogenbücher, welche die Problematik auf wenigen Seiten umreissen. Schnüffelstoffe sind leicht verfügbar im Handel, sind billig und obendrein legal. Informationen zur Aufklärung über die Gefahren im Zusammenhang mit solchen Stoffen werden von Suchtberatungsstellen kaum vermittelt. Spezielle Erhebungen im Zusammenhang mit dem Konsum von Lösungsmitteln gibt es meines Erachtens für Luxemburg nicht.

Nicht nur unter Jugendlichen herrscht ein Informationsdefizit, auch viele Erwachsene sind sich nicht über diese Problematik bewusst. Öfters sind es gerade die Eltern, die unbewusst Zulieferer für missbrauchte Produkte im Haushalt sind. Verglichen mit anderen Rauschmitteln, unterscheiden sie sich von der Verfügbarkeit – sie sind im Alltagsleben fast überall präsent.

Was ist Schnüffeln?

Unter Schnüffeln wird das bewusste Einatmen von Dämpfen flüchtiger oder gasförmiger Substanzen zur Erzeugung eines Rauschzustandes verstanden. Schnüffeln ist kein neues Phänomen. Das Orakel von Delphi soll nach neuesten Spekulationen berauscht von aus Erdspalten austretenden Gasen seine rätselhaften Prophezeiungen zum Besten gegeben haben. Seitdem leichtflüchtige Lösungsmittel zur Verfügung stehen, werden diese inhaliert. Im 19. Jahrhundert wurde Ether geschnüffelt – regelrechte Etherparties wurden veranstaltet. Lachgas wird seit über 200 Jahren zur Berauschung eingeatmet. Es gehört jedoch nicht zu den Lösungsmitteln. Die gesundheitlichen Risiken des Lachgaskonsums sind, bei Beachtung gewisser Sicherheitsregeln, relativ gering. Dies sollte jedoch keinen Anreiz zum Konsum darstellen. http://www.lachgasinfo.de

Als Schnüffelstoffe betrachtet man in der Regel handelsübliche Lösungsmittel wie Farb- und Lackverdünner, Benzin, aber auch lösungsmittelhaltige Artikel aus dem Haushalts- und Bastelbereich: Sprays, Nagellacke, Filzschreiber, Klebstoffe, Farblacke, Feuerzeug- und Campinggas, Fleckentferner, Wachslöser, TippEx, etc. Aber auch Schuhputzmittel, Haarspray, Möbelpolitur und sogar Insektensprays wurden geschnüffelt… Bei uns werden vorwiegend lösungsmittelhaltige Klebstoffe und Feuerzeuggas konsumiert, dies ist aber je nach Land, Gesetzgebung und Lebensstandard verschieden.

Wer schnüffelt?

Aus der ESPAD-Studie (Europäisches Projekt für Schulerhebungen) aus dem Jahre 1995 bis 1999 geht hervor, dass Schnüffelstoffe in den meisten Ländern an zweiter Stelle der am häufigsten konsumierten Substanzen sind. Belgien, Spanien und Luxemburg liegen dabei mit 3% an der unteren Grenze und das Vereinigte Königreich mit 20% an der oberen.

Weit verbreitet ist das Lösungsmittelschnüffeln in ärmeren Ländern, vorzugsweise bei Kindern und Jugendlichen (13 bis 16J) in Ländern der dritten Welt. Oft schnüffeln dort schon 8-Jährige. Schnüffeln kommt jedoch in allen gesellschaftlichen Schichten vor, meistens aber in Regionen mit grösseren sozialen Problemen, öfters sind es Kinder und Jugendliche aus zerrütteten Familien: Unzufriedene Menschen, für welche das Schnüffeln eine Flucht aus dem Alltag ist. Geschnüffelt wird vor allem auch dort, wo entweder die Drogengesetze sehr streng sind (Schweden), oder Kinder und Jugendliche sehr arm sind. In der EU ist Schnüffeln vor allem in Schweden, Griechenland und Grossbritannien verbreitet. Schnüffelstoffe treten in Konkurrenz zu Alkohol und Cannabis auf. Je weniger verfügbar bzw. je teurer diese beiden Drogen sind, desto mehr wird auch geschnüffelt. Aber auch in Ländern wie Rumänien, Russland und der Ukraine kurbeln Armut und harte Cannabisgesetze den Lösungsmittelmissbrauch an. In Australien, bei der armen Urbevölkerung ist es vor allem gängiges Fahrzeugbenzin, bei den Strassenkindern Zentralamerikas in hohem Masse Klebstoff für Schuhe. Als Anlaß zum Schnüffeln gelten im allgemeinen auch Neugierde und Langeweile. Auch in verschiedenen Berufen, die ständig Kontakt mit lösungsmittelhaltigen Stoffen haben (Lackierer), kommt Lösungsmittelmissbrauch vermehrt vor.

In Ländern mit sehr strenger Drogengesetzgebung wie Malaysia, werden Berichten zufolge nebst erhitzten Kunststoffen sogar Toilettensteine geschnüffelt. Sie werden zuerst erhitzt und können schädliche Stoffe wie Naphthalin und Paradichlorbenzol enthalten. Sie sind billiger als Klebstoffe und mancherorts sogar gratis in öffentlichen Bedürfnisanstalten zu beziehen…

Konsumformen

Produkte, welche zum Schnüffeln missbraucht werden, sind meistens Gemische verschiedener Lösungsmittel mit anderen Stoffen: Kohlenwasserstoffe (Leichtbenzin, Hexan), Chlorierte Kohlenwasserstoffe (Chloroform, Trichlorethylen), Ester, Ether, aromatische Verbindungen (Benzol, Toluol, Xylol), Aceton (Nagellackentferner), usw.

Jedes Produkt hat deshalb eigene Wirkungen und birgt spezifische Gefahren. Eindeutige Eigenschaften lassen sich den verschiedenen Produkten so nur selten zuordnen.

Je nach Beschaffenheit der Produkte gibt es verschiedene Konsumformen. Dämpfe direkt aus Behältnissen, Flaschen oder Tuben zu inhalieren ist nicht immer sehr praktisch, da nicht genügend Dämpfe entwickelt werden. Deshalb werden lösungsmittelhaltige Erzeugnisse meist auf ein Tuch gegeben oder in eine Tüte gefüllt und vor Mund oder Nase gehalten. Feuerzeuggas wird, was besonders gefährlich ist, direkt aus dem Feuerzeug eingeatmet oder von der Druckflasche in einen Luftballon gefüllt und aus diesem inhaliert. Praxis ist es auch, Hohlräume wie Jackenärmel mit Gas zu füllen. Dies hat zudem eine gewisse Tarnfunktion. Benzindämpfe etwa können gleich aus dem Tank z.B. eines Rasenmähers eingesogen werden… Besonders Leichtsinnige ziehen sich eine Plastiktüte über den Kopf, bei Ohnmacht kann dies schnell zu einer tödlichen Erstickungsfalle werden!

Wirkungen

Die Wirkungen der Schnüffelstoffe hängen wie erwähnt von der Substanz bzw. dem Substanzgemisch ab. Es können stimulierende, betäubende aber auch halluzinogene Wirkungen erzielt werden. Dieses öfters mit ein und demselben Produkt. Die Wirkung erfolgt schon nach wenigen Sekunden und kann je nach Wirkstoff und Dosis zwischen 15 und 45 Minuten andauern. Rauschzustände (etwa bei Ether oder Aceton) können dem von Alkohol ähnlich sein: Euphorie, Benommenheit, Lallen, Bewegungsstörungen und gestörtes Raum-Zeit-Gefühl. Herzrasen, innere Unruhe und Atemnot können auftreten. Visuelle wie auch akustische Halluzinationen, vor allem in höheren Dosen und bei chlorierten Kohlenwasserstoffen wie etwa Chloroform sind möglich. Der Konsum größerer Mengen kann zur Bewusstlosigkeit führen. Bei zu hoher Dosis kann Bewusstlosigkeit und Atemlähmung mit Todesfolge auftreten.

Nach dem Rausch ist nicht selten ein unangenehmer Kater mit Kopfschmerz, Übelkeit und Benommenheit zu verzeichnen.

Risiken

Der Konsum von Lösungsmitteln birgt eine ganze Reihe von Risiken, die stoffgebunden sind und die für die im Handel erhältlichen Produkte recht unterschiedlich sind. Die Risiken hängen von vielen Faktoren ab. Es kommt relativ schnell zur Toleranzbildung, d.h. immer grössere Mengen werden benötigt, um den erwünschten Rausch zu erzielen. Mit fortschreitendem Konsum nehmen somit auch die Risiken zu. Die Gefahr einer körperlichen Abhängigkeit ist in den meisten Fällen nicht gegeben, wohl aber die einer psychischen. Regelmäßiges Schnüffeln kann zu erheblichen körperlichen und seelischen Schäden führen.

Stoffe wie Butan (Feuerzeuggas) sind enorm schädlich, Todesfälle durch Herzstillstand sind bekannt. In Deutschland gab es 1996 den ersten Todesfall, in England starben 1995 etwa 30 Jugendliche, nachdem sie Butan- oder Propangas inhaliert hatten. Butangas ist auch feuer- und explosionsgefährlich. Ein Fall, wo vier Jugendliche in einem Auto Butangas schnüffelten ist bekannt. Einer von ihnen zündete eine Zigarette an, dabei kam es zu einer Explosion, alle vier erlitten schwere Verbrennungen. Zudem besteht beim Einatmen von Gas immer die Gefahr einer verminderten Sauerstoffaufnahme und somit einer Schädigung des Gehirns.

So genannte “Poppers”, bekannt unter Namen wie “Rush”, “Hardware” oder “Jungle Juice”, werden ebenfalls geschnüffelt. Hierbei handelt es sich in engerem Sinne aber nicht um handelsübliche Lösungsmittel, sonders um herz- und gefässwirksame Substanzen, welche dem Arzneimittelgesetz unterliegen. Poppers werden teilweise heute noch als Herz- und Geburtsmittel und zur Behandlung von Angina Pectoris eingesetzt. Sie verursachen ein Gefühl von Wärme und Herzklopfen. Sie haben eine aphrodisierende Wirkung, weshalb sie in vielen Sexshops unter der Hand verkauft werden. Sie bestehen aus organischen Nitriten, vorwiegend Isoamylnitrit, aber auch Butylnitrit, Isopropylnitrit, Isobutylnitrit und verwandten Stoffen. Häufigste Nebenwirkung sind Kopfschmerzen. Organische Nitrite reizen die Schleimhäute, vor allem Verätzungen an den Nasenschleimhäuten sind häufig zu beklagen. Poppers dürfen auf keinen Fall von Menschen mit Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen oder niedrigem Blutdruck benutzt werden. Sie dürfen auch nicht verschluckt oder in Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Mitteln, besonders Viagra, genommen werden. Die Folgen können fatal sein. Eine Überdosierung kann zu Schlaganfall und dauerhaften Lähmungen führen.

Einige Mittel wie z.B. Lachgas in Patronen produzieren enorme Kälte beim Verdampfen. Es kann zu gefährlichen Verletzungen durch Unterkühlung kommen, wenn Patronen unsachgemäss geöffnet werden, etwa mit Hammer und Nagel… Besonders schädlich für die Lunge ist das direkte Einatmen von Produkten wie etwa Haarfestiger oder Farbspray.

Schleimhautreizung, Atembeschwerden, Heiserkeit und Husten sind gängige Folgen exzessiven Lösungsmittelkonsums. Herzkreislaufversagen oder Atemdepression (verstärkt bei gleichzeitigem Alkoholkonsum) mit fatalem Ausgang können vorkommen. Vor allem aber haben Langzeitfolgen dramatische Ausmaße. Längerer Missbrauch kann bleibende Schäden an Nieren, Lunge, Leber und Herz verursachen und zu chronischer Nervenentzündung und irreversiblen Hirnschäden (Verblödung) und zum Tode führen. Manche Stoffe beeinträchtigen das Immunsystem, andere wie Benzol (im Fahrzeugbenzin) und seine Derivate Toluol und Xylol sind vor allem blutschädigend und krebserregend. Hexan, ein Bestandteil des Benzins kann permanente Schäden an Muskeln verursachen. Fast alle Stoffe können in den Fettzellen über längere Zeit im Körper gespeichert werden. Chloroform ist in erster Linie ein Lebergift, hemmt die Herztätigkeit und wirkt auf das Atemzentrum. Die Gefahr des Erstickens im eigenen Erbrochenen sollte auch nicht ausser Betracht gelassen werden.

Besonders dramatisch sind die Folgen bei Menschen in der sogenannten Dritten Welt, Menschen, die ohnehin in schlechten Verhältnissen leben, eine schlechte Gesundheit besitzen und sich zwangsweise sehr schlecht ernähren müssen, sie sind noch anfälliger für die schädlichen Wirkungen dieser Substanzen.

Ausblick

Um das Schnüffeln und einige Folgen zumindest teilweise zu unterbinden sind verschiedene Bestrebungen seitens Politik und Herstellern unternommen worden. Hochgiftige Lösungsmittel wurden durch weniger schädliche ersetzt. Produkte wurden mit reizenden oder abstoßend riechenden Chemikalien versetzt um einen Konsum zu verhindern. Einige Klebstoffe wurden auf Wasserbasis entwickelt. Manche Treibgase wurden durch nicht berauschende Gase wie etwa Stickstoff ersetzt. Pumpzerstäuber kommen gänzlich ohne Treibgas aus. In einigen Ländern, so z.B. in England ist es verboten Feuerzeuggas an unter 18-Jährige abzugeben. Die genaue Kennzeichnung der Inhaltsstoffe und den damit verbunden Risiken auf den Behältnissen wäre eine weitere Möglichkeit, um auf Gefahren hinzuweisen.

Manche dieser Massnahmen – wie das Vergällen mit Methylethylketon (MEK) – haben bei den Schnüfflern mehr Probleme für die Gesundheit verursacht, als die unvergällten Schnüffelstoffe selbst, andere haben eher für die Umwelt eine gewisse Relevanz, als dass sie zur Eindämmung des Missbrauches beitragen würden. All diese Massnahmen greifen nicht an der Wurzel des Problems, und verhindern auch nicht das Umsteigen auf andere Produkte. Benzin gibt es an jeder Tankstelle und Farbverdünner wird es auch immer geben.

In Ländern mit weniger strengen Gesetzgebungen, die zusehends auf Aufklärung und Hilfeleistung setzen und in denen auch der Gebrauch von anderen Drogen wie etwa Cannabis toleriert oder zunehmend nicht mehr geahndet wird, hat das Schnüffeln ein eher geringeres Ausmass. Versuche von Ländern mit strenger Gesetzgebung, wie etwa Malaysia, selbst das Schnüffeln legaler Produkte unter Strafe zu stellen, sind gleich zum Scheitern verurteilt: Schnüffeln ist vor allem ein soziales, kein Drogenproblem!

Generell ist zu sagen, dass Kindern eine Perspektive gegeben werden muss. Bekämpfung der Armut und Verbesserung der Lebensqualität, gute Verhältnisse zu seinen Kindern spielen eine grosse Rolle. Künftig sollte bei der Drogenaufklärung auch vermehrt über solche Stoffe informiert werden.

Johnny Theisen

http://homepages.spider.lu/johnnyth

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Vom Konsum von Lösungsmitteln ist prinzipiell abzuraten, dennoch sollten folgende Regeln erwähnt werden:

Freunde nicht im Stich lassen, wenn was vorgefallen ist, ein Arzt hat immer Schweigepflicht!

Unterlassene Hilfeleistung ist nicht nur strafbar, sondern auch das Letzte!

Vorsicht beim Umgang mit brennbaren Substanzen und offenem Feuer!

Keine Plastiktüten über den Kopf ziehen!

Nicht direkt aus Feuerzeugen, Gaskartuschen oder Spraydosen inhalieren!

Nicht allein oder an gefährlichen Plätzen (Baustellen, Dächer, usw.) schnüffeln!

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Hebammen feiern Lachgaspartys im Krankenhaus

Eine unkonventionelle Verwendung für Beruhigungsmittel haben australische Hebammen entdeckt. Sie berauschten sich im Dienst mit Lachgas – zusammen mit einem der Ärzte.

Sydney – Das staatliche Wollongong-Hospital ist offenbar nicht ein Ort der Drogen-Therapie, sondern des -missbrauchs. Das berichtet die Zeitung “Daily Telegraph”, die Gesundheitsbehörden bestätigten den Bericht. Die zehn Geburtshelferinnen sollen Stickstoffoxydul in leeren Kreissälen genommen haben, während in den Nachbarzimmern Kinder zur Welt gekommen seien.

SPIEGEL ONLINE – 31. Dezember 2001

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Es geht eben nichts über eine gute Stimmung bei der Geburt…

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Report

Das beschriebene Mittel ist heute recht selten geworden und wird – laut meiner Nachfrage bei diversen Apotheken – auch kaum mehr in Luxemburg verkauft. Keine hatte das Mittel vorrätig, heute gibt es praktischere Kältesprays in Druckdosen. Alle mir gezeigten Modelle enthielten keine chlorierten Verbindungen.

Als ich 16 war, kaufte ich mir ne Flasche “Chlorethyl”, ein anästhetisch wirkendes Kältespray, in der Apotheke, um damit zu experimentieren, nicht um mich damit zu berauschen.

Als ich an der Flasche roch, stellte ich fest, dass dieses süsslich riechende Gas irgendwie berauschend wirkte… so wurde erst einmal kräftiger inhaliert, mal schauen, was passiert… Das war absolut geil, am Anfang zumindest.

Hab dann auch gleich ein paar Kumpels Bescheid gesagt und wir haben das Zeug zusammen ausprobiert. “Geil, absolut geil”, zumindest am Anfang… Damals gab es eine kleine Epidemie im Land, bis ein Arzt Wind von der Sache bekam und es der Apothekerkommission mitteilte. Diese Welle flachte damals aber wieder schnell ab. Die Apotheker fragten daraufhin immer, was wir mit dem Chlorethyl tun würden. “Sportsprellungen, Fussballclub soundso”, wir bekamen es trotzdem…

Später mussten ich, wie auch meine Freunde, immer mehr davon inhalieren um den gewünschten Rauschzustand zu erlangen. Es wirkte nicht mehr so wie am Anfang, man musste fast eine halbe Flasche inhalieren. Dafür verursachte es aber ziemliche Übelkeit!

Es gibt verschiedene Stadien des Rausches, die fliessend ineinander übergehen. Anfänglich verspürte ich eine gewisse Euphorie, ein angenehmes Gefühl, die Sinneswahrnehmung veränderte sich, die Luft erschien in Punkte zerlegt. Danach hörte ich alles mit mehrfachem Nachecho. Erinnert irgendwie an einen Hubschrauber. “Heli-Akustik”, wunderbar bei Donnerwetter… Bei weiterem Inhalieren, erreichte ich das halluzinogene Stadium. Es ist so, als wenn es einfach knallt in deinem Kopf, sowas wie einen Flash, ein Zustand mit Wachträumen, die du als real erlebst, dir durchaus aber bewusst bist, dass es nicht so sein kann. Einmal beim Flash sah ich, wie ich rückwärts über den Stuhl flog, und sah dabei die Gasflasche in meiner Hand zerschellen. Das war natürlich alles nicht real, die Flasche war noch heil und ich fiel auch nicht vom Stuhl.

Die Halluzinationen waren sowohl akustischer als auch visueller Natur. Ich sah unter anderem, wie mir jemand die Füsse mit einem langen Messer aufschnitt. Das war total echt. Meine Bewegung war arg eingeschränkt, das Einzige was noch halbwegs ging, war die Flasche immer wieder zum Mund zu führen und den Gashebel zu betätigen. Wenn in diesem Zustand noch weiter inhaliert wird, fällt man irgendwann in eine Art Koma. Beim Aufwachen, so nach etwa 30 bis 60 Minuten, war mir stets hundeelend.

Ein Bekannter wollte die Flasche nie hergeben, bis er total weg war. Hat die Flasche immer sehr energisch und aggressiv verteidigt. Er sah “sie mal Fussball spielen, auf der anderen Seite…”. Als ich ihm nachher von seiner Vision erzählte, konnte er sich nicht mehr erinnern. Ich hatte es aber gleich auf Band aufgenommen, um ihn nachher zu überzeugen. Er war so begeistert, wollte dann auch mich in einem solchen Zustand erleben. Und so gaste ich voll drauf los. Hallus gabs zwar nicht, dafür wurde mir mächtig übel und ich kotzte vom 2. Stock auf den Bürgersteig.

Das war eigentlich eine schlimme Zeit, wenn ich jetzt so zurückdenke. Das war halt so ne Phase, die hielt knapp ein Jahr an, wir merkten, dass das Zeug enorme Nebenwirkungen hat: Schweissausbrüche, Abgeschwächtheit, Übelkeit, Appetitverlust, usw.

Das ist nun auch schon 18 Jahre her.

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Tags: — Queesch - March 13, 2003 3:47 pm

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