Freitag, 21 März. Um 16h00 war Treffpunkt auf der Place d´Armes wo alle dort anwesenden Menschen zusammen entscheiden sollten wo wir unserem Protest Ausdruck verleihen wollten. Leider hatten nicht viele Leute wirklich Lust sich an der Debatte zu beteiligen. Wir einigten uns dann darauf, eine RTS Party auf der alten Brücke stattfinden zu lassen. Das Bezugsgruppen-System klappte recht gut als wir uns – um 16h20 waren etwa 200 Leute anwesend – in kleine Gruppen aufteilten, um der massiven Polizeipräsenz auf der Place d´Armes aus dem Weg zu gehen. Die Klein-Gruppen nahmen verschiedene Wege zur alten Brücke. Diese für ein paar Stunden symbolisch in lebendigen Lebensraum umzuwandeln, schien uns ein legitimes Ziel. Der Anfang war dann auch sehr hoffnungsvoll. Die ersten Gruppen schlossen die Brücke mit freundlicher Hilfe der Polizei als die letzten sie gerade mal bei dem ewigen Feuer, betraten. Sofort sagte die Polizei, daß sie unserer Aktion nach einer 1/4 Stunde ein Ende bereiten wolle. Ich glaube, das war das Ziel der Polizei, nach den Aussagen verschiedener Teilnehmer der letzten RTS, keine friedliche RTS mehr zuzulassen!
Ausserdem verstand sie unseren Protest auch nicht ( Was auch nicht unbedingt ihrer Rolle entspricht ).
Diese Tatsache wird nun umso mehr untermauert dadurch, dass am Tag zuvor bei der amerikanischen Botschaft großes Gedränge stattfand und mit Eiern und später nach Knüppeleinsatz der Polizei sogar mit Flaschen auf Polizisten geworfen wurde. Letztere drehten dadurch total durch und schlugen zum großen Teil auf unschuldige Menschen ein. So dass die Schülerdemo, wegen Kommunikationsunfähigkeit eines großen Teils der Polizisten, fast total ausser Kontrolle geriet!!
Die Brücke war jetzt frei von Autoverkehr. Es gab Menschen, die spielten Fußball, andere Trommel und ein paar Skater genoßen die freie Bahn !! Der große Banner „Die Straße lebt“ hing leider am anderen Ende der Brücke, wo so gut wie keine Leute waren…
Alle Aktivisten wurden von einem Polizisten in Zivil gefilmt. Mit ihm hatte ich die Gelegenheit, ein wenig zu diskutieren. Er war der Meinung, daß wir nur eine Bande von Grasraucher ( er hatte diesbezüglich eine menschenverachtende und voreingenommene Meinung, Fakten waren nicht gerade seine Stärke ) und Trinker seien. Am liebsten hätte er uns wahrscheinlich alle sofort verhaften lassen, doch er durfte uns nur filmen… Ein „Kindermensch“, wie Hesse ihn schon beschrieb halt… Leider gab es auch unter den Teilnehmern der RTS ein halbes dutzend Menschen, die wahrscheinlich nur gekommen waren, um mit der Polizei ihr Spiel vom Vortag fortzusetzen. Menschen, die weder das Konzept der RTS verstanden hatten noch sich am eigentlichen Konsens, die alte Brücke zu besetzen, beteiligten, und auch nicht verstanden, daß die Polizei nur ausführende Macht ist und sich nur an ihre Dienstbefehle zu halten hat und es deshalb einfach keinen Sinn macht, sich mit ihr direkt anzulegen !! Natürlich kann passiver Wiederstand, wie z.B. Sitzen und sich forttragen lassen, geleistet werden.
So kam es dann auch, daß diese „Möchtegernchaostagepunks“ sich mit dieser megasymbolischen Aktion nicht zufrieden gaben. Sie motivierten eine Gruppe von fast 20 Leuten, um auch noch die Kreuzung zu blockieren und beklagten sich über die mangelnde Solidarität der restlichen DemonstrantInnen. Nach vielen Diskussionen gelang es schliesslich einigen RTS-Teilnehmern diese davon zu überzeugen, daß es besser wäre wenn wir alle auf der Brücke bleiben würden !!
Es ging schliesslich hierbei um eine symbolische Aktion: Zu zeigen, daß wir nicht damit einverstanden sind, dass unsere Städte in reine Asphaltwüsten verwandelt werden und unsere Regierung sich nicht genug um alternative Transport&EnergieKonzepte bemüht und somit mit Schuld an Krieg, Umweltverbrechen und Unterdrückung trägt. Nicht zuletzt werden durch eine solche Haltung Menschen, denen ohnehin wenig an unserer Umwelt und den nächsten Generationen liegt, nicht zu einem Umdenken gebracht.
Ich wurde auch von einem Polizisten angesprochen, dass man sich doch auf eine Zeit einigen könnte, bin aber nicht eifrig genug gewesen, um zwischen den Reclaim the Streets TeilnehmerInnen und der Polizei zu vermitteln. Allerdings ging auch alles sehr schnell und die Polizisten erzählten jedem etwas anderes… !!
Denn gerade als die 20 Menschen von der Blockade der Kreuzung abgesehen haben, wurde andernorts Tränengas gegen einen Demonstranten eingesetzt. Ich habe dies selbst nicht miterlebt, wurde aber gerufen, um Fotos der 2 festgenommenen Demonstranten zu machen, die offenbar auch von Polizisten geschlagen wurden. Gegen diese wurde, nach Zeugenaussagen, Pfefferspray eingesetzt als sie einem Freund, der zimlich brutal abgeschleppt wurde, helfen wollten. Auf der Brücke fing die Polizei dann mit dem Räumen an, obschon nach Ausagen anderer RTS-Teilnehemer abgemacht wurde, daß wir uns um 18h00 auflösen würden. Es war jedoch erst 18h00 als die Polizei dann unbedingt räumen wollte.
Dort waren alle RTS-Teilnehmer vorbereitet, wir setzten uns auf den Boden und ließen uns einer nach dem anderen fortragen. Nach dem Wegtragen zweier Blockadereihen waren die Polizisten müde und die Situation eskalierte an der Ecke wo die 2 Demonstranten festgenommen wurden. Diese schrieen nach Wasser, ihre Augen brannten vom eingesetzten Pfefferspray!! Es kam zu mehreren Rangeleien, die meisten RTSler probierten die Situation jedoch friedlich zu halten. Es kam trotzdem zu Auswüchsen von einigen alkoholisierten Teilnehmern und zu krasser Gewalt wie auch verbalen Auswüchsen seitens der Polizei. Ein Demonstrant, der friedlich versuchte dazwischen zu gehen, wurde von den Polizisten auf den Boden geknallt. Nur durch gutes Zureden von verschiedenen Leuten wurde er wieder freigelassen!! Die Polizisten verweigerten uns darüber hinaus auch ihre Dienstnummern mitzuteilen, wozu sie jedoch per Gesetz verpflichtet sind. Ausserdem ist Pfefferspray nicht erlaubt, auch nicht für Polizisten.
Würde dieser Zwischenfall das Ende des RTS Konzeptes in Luxemburg bedeuten, so wäre das sehr schade. Auf jeden Fall muß, so sollte eine nächste Kundgebung stattfinden, diese in einem sehr breiten Konsens vorbereitet werden!! Daß die RTS an diesem unglücklichen Datum stattfand, war nicht die Schuld der „Organisatoren“. Vor einem Monat konnte ja niemand wissen, ob und wann ein erneuter Krieg im Golf beginnen würde!!
Pol
Fotos, Flyer, Pressecommuniqué dieser RTS und mehr über das RTS Konzept findet ihr auf www.lifeproject.lu
