Das „Pippi Langstrumpf-Kommando vom 15. Februar“ zum eher fragwürdigen Beitrag Dan Kersch’s im Tageblatt

(siehe „die Renaissance der Friedensbewegung“ vom 25 Februar 2003)

Die LSAP zählt sich zu der Antikriegs-Bewegung. Ich frage sie, was war denn im Kosovo?

Wie viele Angriffskriege bislang auch von den hiesigen SozialdemokratInnen mitgetragen und unterstützt wurden will ich hier nicht näher erläutern. Aber wollen wir mal nicht allzu nachtragend sein, immerhin wussten sie diese immer wieder gekonnt unter dem Deckmantel „humanitärer Einsätze“ zu verkaufen, oder im Rahmen, wie wir das heute nennen würden des Terrorkriegs. Vielleicht haben sie aber auch nach der Afghanistankatastrophe gelernt?

Wieso, unterstützen sie dann dennoch die militärpolitische Normalisierung, ja treiben sie gar mit voran? Erstes öffentliches Gelöbnis, Aufrüstung des Militärs… – „wo sind sie denn unsere Sozis“ – sind sie etwa doch nicht gegen den Krieg? Sie wollen sich doch „direkt an die Regierung“ wenden, aber eine Aufforderung zur Abrüstung passt da wohl nicht hin?

Was für ein Spiel wird da eigentlich gespielt?

Kraftquelle der heimischen Großdemonstration war ohne Zweifel die „luxemburgische Koordination gegen den Krieg“, dies nicht zuletzt dank dem von den Parteien gern vergessenen Aufruf des „Forum Social Mondial“ und dem unentwegten, eifrigen Einsatz ansässiger AktivistInnen, bekannt unter dem Namen der „Jugend fir Fridden an Gerechtegkeet“.

Am Zustande kommen dieses breiten Bündnisses waren diverse Organisationen und Parteien beteiligt gewesen. Doch nach und nach, infolge des Besitzes eines nicht unbedeutenden Teils des öffentlichen Medienapparates (u.a. das bürgerliche Tageblatt) und des finanziellen Übergewichtes, gelingt es den SozialdemokratInnen zusehends Einfluss auf die gesamte Bewegung auszuüben. Als Druckmittel wird zudem auch gerne das Mobilisierungspotential des OGB-L und ihrer Akolyten benutzt, ohne die ja bekanntlich das Thema Irak in Luxemburg nie thematisiert geworden wäre. (Tageblatt)

Also kommt und lassen wir uns von ihnen dominieren, von der Parteiorganisation der LSAP, auf die sich stützen, es sich noch immer gelohnt hat.

Diese Politik dürfte den meisten, u.a. den Urgesteinen der Friedensbewegung, nicht fremd sein. Mit dem Thema Frieden, „einem hehren und hohem Ziel“ lassen sich bekanntlich viele Leute mobilisieren, so auch zur Unterstützung von Parteien und der Rekrutierung neuer Mitglieder.

Die Methode bleibt dabei die altbewährte: „Konstruktiv weitergearbeitet werden kann nur, wenn elementare Prinzipien der Bündnisarbeit beachtet werden“, was soviel heißen soll, als dass die Bewegung oder vielmehr die Koordination eine möglichst breite Masse ansprechen soll; jedoch inhaltliche Konsistenz bleibt dabei auf der Strecke. Ein paar Zeilen weiter wird kurz erwähnt dass über weitere Aktionsmöglichkeiten entschieden werden muss, dass allerdings eine weitere Massendemonstration primäres objektiv sein sollte.

Ruft hier die LSAP zu direkten gewaltfreien Aktionen und zivilem Ungehorsam auf? Werden die LSAP und Konsorten fortan gewaltfreie Trainings anbieten?

Wohl kaum in der Folge sie sich zuvor gegen eine Radikalisierung der Friedensbewegung aussprechen und sich mit den „verwässerten Positionen“ zu begnügen scheinen. Unter anderen Aktionsmöglichkeiten kommen dann eher tägliche Gebetsstunden gegen den Krieg in Frage, in bekannter Tradition des internationalen Bundes der Sufis oder so ähnlich.

Massiver gewaltfreier ziviler Ungehorsam, vielleicht sogar Generalstreiks, werden die Druckmittel sein einen Irakkrieg erfolgreich zu verhindern. Einem solchen Aufruf wird die LSAP jedoch nimmer folgen, da die Vorbereitung auf zivilen Ungehorsam die Förderung von Selbstorganisation erfordert, was den angepassten und abgestumpften Organisationen nicht passt, verlieren sie doch dadurch zusehends ihren Einfluss, da ziviler Ungehorsam auf der Organisierung lokaler und autonomer Gruppen aufbaut. Damit lassen sich also kaum Wahlkämpfe gewinnen und indes lohnt es sich auch nicht mehr sonderlich sich für den Weltfrieden einzusetzen. (sic!)

Dass die Sozialdemokraten sichtlich Angst haben als Heuchler demaskiert zu werden, bekunden sie mit dem Satz dass „Die Koordination wird mittelfristig nur weiterbestehen, wenn sie den bestehenden politischen Kräfteverhältnissen Rechnung trägt und nicht dazu missbraucht wird, politische Richtungskämpfe zu veranstalten, die den eigentlichen Auftrag der Koordination sprengen würden.“ In anderen Worten, bringt nicht die Verhältnisse zum Tanzen, sondern tanzt nach unserer Pfeife. Tut ihr das nicht, werden wir euch fortan nicht mehr unterstützen. Lang lebe die ideelle Leere!!! Die Sozialdemokraten wollen partout die gehorsame Masse gegenüber den Vorgaben ihrer Führungsregie.

Welche Konsequenzen sollten wir daraus ziehen:

Das Scheitern einer Bewegung ist oft die Folge von Resignation gegenüber bestehenden Machtverhältnissen oder die Folge mangelnder Konsequenz. Damit der Widerstand jedoch erfolgreich sein kann muss eine Vielfalt geschaffen werden und SELBSTORGANISATION muss großgeschrieben werden. Dies schließt sicherlich eine Koordination diverser gewaltfreier Aktionen nicht aus, somit sie gezielt und effektiv eingesetzt werden können.

Sicherlich haben manche berechtigterweise Angst vor Nachteilen und Repression, jedoch angesichts gewaltfreiem zivilen Ungehorsams, und der Unterstützung breiter Bevölkerungsmassen braucht mensch die nicht haben.

Stets vor Augen, muss mensch die ursprünglichen Ziele haben, welche mit der Gründung der Gruppe ins Auge gefasst wurden, denn mit der Zeit riskieren innerhalb der Gruppe Anpassung und Abstumpfung sich zu verbreitern.

Die Koordination ist sicherlich in mancher Hinsicht ein positiv einsetzbares Utensil, jedoch sollte mensch nicht vergessen dass diese in unserem Fall nicht aus Einzelpersonen, sondern eher aus weisungsabhängigen Hauptamtlichen besteht, welche den Prozess, der für den Fortbestand der Antikriegsbewegung notwendigen Radikalisierung, zu hemmen riskieren. (Laut Dan Kersch jedoch: Dazu gehört auch, dass die Teilnehmer an der Versammlung der Koordination, oder zumindest jene, die das Wort ergreifen, verbindlich im Namen der jeweiligen Organisation sprechen.)

Wieso sollte mensch spontan-individuelles Handeln nicht gutheißen?

Wir werden des weiteren dafür sorgen dass diese Vertretungsberechtigungen abgeschafft werden, da kontraproduktiv und entmutigend. Anstelle schlagen wir netzwerkähnliche Organisationen vor, welche eigenständig und im Netzwerk korporativ Mitglied sind. Dies wird eine Unterwanderung von schlechtgesinnten Organisationen oder Parteien weitestgehend verhindern, oder zumindest wird dadurch nicht die gesamte Bewegung beeinflusst werden.

Des Weiteren sollte Vereinsprofilierung weitestgehend gemieden werden, denn solange diese im Vordergrund steht, geht die Bewegung an ihren Zielen vorbei. Also Schluss mit den Selbstbeweihräucherungen.

Zuletzt will das Pippi Langstrumpf Kommando darauf hinweisen dass wir den totalitären Anspruch den Dan Kersch mit folgender Behauptung ausspricht zutiefst verachten und missbilligen: „Man sollte nicht verkennen, dass es Kräfte innerhalb der Friedensbewegung gibt, die dieses breite Bündnis nicht wollen……und die versuchen werden, eine Radikalisierung der Friedensbewegung zu erreichen.“

Wir verstehen diese Aussage so, dass Kersch hier einen Hegemonialanspruch auf die Antikriegsbewegung ausspricht, mit der er zu versuchen sagt, dass die Leute sich entweder der Koordination anschließen können, oder aber fernbleiben sollen, da es keine andere legitime Bewegung neben dieser zu geben hat. Ihm zufolge stehen Radikalisierungstendenzen den Interessen demnach diametral gegenüber. Wir jedoch behaupten dass die Koordination wichtig ist, eine Radikalisierung jedoch für den Fortbestand notwendig sein wird und zudem ergänzend zu den bisherigen Widerstandsformen. Vielleicht haben die Sozis Angst mit einer Radikalisierung Farbe bekennen zu müssen, was sich für sie mit einer „Ridikülisierung“ äußern wird.

Und noch was Herr Kersch. Wenn sich aus ihrem Artikel folgendes schließen lässt, das Krieg immer das Versagen der Politik ist, so bitte ich sie folgendes Zitat zu lesen, damit sie verstehen dass Krieg durchaus kein Bruch mit der Politik stellt:

Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik, die die herrschenden Klassen
der kriegführenden Mächte lange vor dem Krieg getrieben haben. … Der
Frieden ist die Fortsetzung der gleichen Politik, unter Berücksichtigung
jener Veränderungen im Kräfteverhältnis der Gegner, die durch die
Kriegshandlungen eingetreten sind. Der Krieg ändert an sich nicht die
Richtung, in der sich die Politik vor dem Krieg entwickelt hat, er
beschleunigt nur diese Entwicklung.
“ (Lenin)

Solidarisch das „Pippi Langstrumpf Kommando“

Das tut was ihm gefällt.

Filed under: PapierQueesch,Queesch Nr. 3 — Queesch - March 13, 2003 3:55 pm

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