Eine andere Welt ist möglich! Eine gewaltfreie Kultur der Solidarität und der Kooperation kann das chaotische kapitalistische Ausbeutungssystem ersetzen. Die Situation der Erde ruft nach einem radikalen Wandel in den wesentlichen Bereichen des Lebens. Es braucht Forschungsplätze und konkrete Erfahrungsräume, wo die geistigen und sozialen Bedingungen im Sinne einer strukturellen Gewaltfreiheit erarbeitet, ausprobiert und entsprechende Alternativen realisiert werden.
Schon seit Anbeginn des kapitalistischen Modernisierungs- und Individualisierungsprozesses haben assoziative bzw. gemeinschaftliche Lebensformen in kollektiver Selbsthilfe den psychischen, sozialen und materiellen Folgekosten entgegenzuwirken versucht und versuchen heute wieder verstärkt auch neue, alternative Formen des Zusammenlebens zu finden. In der Rubrik Utopie konkret, wollen wir von dieser Ausgabe der Queesch an Beispiele experimenteller Vergemeinschaftsformen (Kommunen, Siedlungskolonien, Wohngemeinschaften, Genossenschaften, Ökodörfer, Soziale Zentren, Selbstverwaltete Jugendhäuser, …) beschreiben, unsere Erfahrungen und Hoffnungen austauschen, praktische Tipps geben um zu motivieren konkret den Aufbau von Gemeinschaften als konkrete Lebensform des Friedens zu betreiben.
Hallo Du ! 11.4.2002
Ich weiss noch nicht richtig, was das hier jetzt so werden wird, aber ich habe mal vor einen Brief an Menschen zu schreiben die ich liebe. Und mit denen ich gerne zusammen leben möchte und das zum Teil auch schon mache.
Einer der Hauptgründe des Briefes ist das Thema „zusammen wohnen“. Ich schreibe diesen Brief jetzt, weil in naher Zukunft grosse Veränderungen auf uns zukommen und dieser Brief hoffentlich dazubeitragen wird, dass es schöne Veränderungen werden.
Wie Du ja weisst, träume ich davon mit Menschen zusammen zu wohnen die ich liebe. Und ich liebe viele Menschen und möchte gerne mit vielen Menschen zusammen leben. Das mache ich ja auch jetzt da ich ja in einer Stadt mit vielen Menschen zusammen lebe, doch so wie das jetzt läuft gefällt es mir nicht, ich habe ja nicht mal ne Beziehung zu meinen Nachbarn, und ich möchte aber von lieben Menschen umgeben sein. Am liebsten würde ich ja in einem Dorf leben, mit vielen Freunden zusammen, aber auch wenn ich schon ein paar Dutzend Leute finde, die bereit so ein Projekt mitzumachen, bin ich schon sehr froh. Nur im Notfall kann ich mir vorstellen, mich z.B. für einen Menschen zu entscheiden und dann mit dem alleine zusammen wohne, so wie fast alle Paare es heutzutage tun.
(nur als kleine Bemerkung; es fällt mir ziemlich schwer hier das auszudrücken was ich eigentlich ausdrücken will, aber ich hoffe ihr versteht trotzdem was ich sagen will und wenn nicht, fragt nach!)
Auch möchte ich gerne meine Zeit wirklich sinnvoll einsetzen, bewusst leben und so leben, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss. Nicht vor mir, nicht vor anderen Menschen und auch nicht vor der Natur. Ich möchte die Gedanken die ich habe auch aussprechen können und vielleicht sogar verwirklichen können. Ich möchte gesund leben und mich gut in meinem Körper spüren. Also einfach glücklich sein!!
Das will ich schon lange, und es fällt mir aber sehr schwer, dahinzukommen. Und ich glaube, dass das viel damit zu tun hat, weil ich in einer Leistungsgesellschaft lebe welche einem keine Zeit lässt sich selbst zu sein oder sogar hart bestraft wenn mench wirklich ausspricht oder macht was er/sie denkt. Alle sollen/wollen Grosses leisten und reich werden! Auch ich will das, aber irgendwie verstehe ich etwas anderes unter den Wörtern „reich werden“ und „grosses leisten“, nämlich z.B. „reich“ an Freunden sein, reich an schöner Natur, lachenden Menschen und vieles mehr. Ich finde ich habe was Grosses geleistet, wenn ich jemandem richtig zugehört habe oder wenn ich einen traurigen Menschen sehe und ich ihm ein schönes Gefühl geben kann, oder auch wenn ich kein Auto fahre usw.. Und glücklicherweise gibt es trotzdem noch viele Menschen welche auch eher solche Sachen als Leistungen ansehen und dich deswegen respektieren und oft sogar lieben. Und das ist ein viel schöneres Geschenk als z.B. Geld, die Währung mit der die meisten Leistungen in unserer Gesellschaft bezahlt werden.
Und da ist der Haken, die Gesellschaft will dich nicht wählen lassen. Sogar für die elementarsten Sachen wie Essen und wohnen, wird soviel Geld verlangt, dass mensch quasi gezwungen ist eine Ganztagesarbeit anzunehmen. Auf jeden Fall gezwungen ist sehr viel Kraft darin zu investieren Geld zu bekommen, Kraft die ich dann nicht mehr habe um das zu leisten was ich kann und will.
Aber es gibt auch Auswege aus dieser Situation, Alternativen und die können wir nur zusammen finden, es sei denn mensch will sein Leben alleine schmeissen.
Die WG und Life und unsere andere asbl. sind zum Teil solche Alternativen. Durch die WG kann ich z.B. mit Menschen leben die ich liebe, und daraus Kraft ziehen um mich nicht von der „anderen“ Leistungsgesellschaft kaputtmachen zu lassen und ihren Weg zu gehen. Durch Life gelingt es uns auch immer wieder zusammen wirklich schöne Initiativen zu verwirklichen und auch immer neue Menschen kennenzulernen die eine Alternative zu dieser von mir ziemlich verhassten Leistungs- und Stressgesellschaft suchen.
Doch ich muss immer wieder erfahren, dass viele Freunde von mir, zwar auch nicht mit dieser Leistungsgesellschaft klarkommen und sie sogar sehr schlecht finden, und auch ein bisschen auf Alternativen zurückgreifen, früher oder später sich dann doch total dieser Gesellschaft anpassen.
Ich habe z.B. das Gefühl, dass die meisten die jetzt sagen, sie würden niemals in einem Büro arbeiten, doch später nicht nein zu einem solchen Beruf sagen. Und ich kann das gut verstehen, denn es ist schwer einem Beruf nein zu sagen, wenn mensch z.B. jeden Monat 50’000 Franken (1250 Euro) für seinen Prêt von seinem Haus zurückbezahlen muss, und das während 20 Jahren. Und ich kann auch gut verstehen wenn jemand einen solchen Prêt macht, denn ohne Haus lebt es sich schlecht und ob mensch soviel Geld in Miete investiert, dann ist es schon schlauer in ein eigenes Haus zu investieren.
Und doch will ich es unbedingt anders machen. Ich denke, dass wenn mensch zu genug ist, wir uns quasi unser eigenes „Paradies“ aufbauen können. Ich habe mir schon sehr viele Gedanken über Wege dahinzukommen gemacht, ich werde auch hier ein Beispiel aufschreiben, aber ich glaube die besten Wege können wir nur zusammen finden.
Eine Idee, die ich z.B. habe ist, dass wenn wir wissen (oder uns denken können), dass die harte Realität uns doch einmal dahinbringen wird, dass wir uns dem System anpassen. Und wenn wir trotzdem wissen, dass wir eigentlich viel lieber zusammen unser eigenes „Paradies“ aufbauen würden, dann könnnen wir auch jetzt uns bewusst für eine Zeit dem System anpassen soweit es nötig ist um z.B. das nötige Geld zu haben um uns unser „Paradies“ (z.B. ein Bauernhof mit Riesengrundstück oder mehrere Häuser nebeneinander) zu kaufen. Z.B. wenn das 20 Millionen kosten würde und wir wären zu 10, dann müsste jeder so 3-5 Jahre arbeiten und alles sparen um dann diese Summe zu haben. Und zusammen können wir auch locker einen Betrieb aufbauen um uns selbst zu versorgen.
Aber das ist nur eine von vielen hundert Möglichkeiten, und vielleicht sogar eine schlechte. Am wichtigsten sind sowieso wir, nur wir können herausfinden was wir wirklich wollen, ich kann nur für mich reden und mir vorstellen was die anderen wollen. Nur wenn wir es fertigbringen eine Gruppe zu sein, in der jeder den anderen so respektieren will wie er/sie ist, kann das auch was werden. Ich habe mal in einem Buch ein paar gute Sachen gelesen, welche in einer solchen Gruppe gegeben sein sollten:
-jeder soll sich sicher fühlen können und den Menschen mit denen er/sie zusammen ist, vertrauen können
-mensch sollte neugierig sein und bereit sein, ein Risiko einzugehen
-mensch sollte neues Verhalten in einer entspannten Atmosphäre handelnd erproben können
-wenn mensch alternative Möglichkeiten des Verhaltens, bei anderen beobachten kann;
-wenn mensch eigene Schwächen und Unvollkommenheit akzeptiert und nicht krampfhaft perfekt werden will;
-wenn auch die anderen einen so akzeptieren wie mensch ist.
Als unvollkommene Person akzeptiert zu werden und Fehler machen zu dürfen, sind ebenso wichtige Vorraussetzungen für soziales Lernen wie Neugierde und Bereitschaft, ungewohntes Verhalten spielerisch zu erproben.“ (aus Otto Marmet’s Ich und Du und so weiter)
Ich denke, dass wir noch viel lernen und noch viel miteinander reden und einander zuhören müssen um auf einen solchen Punkt zu kommen.
Für mich ist das ein Lebensziel, z.B. will ich auch lernen und die Möglichkeit in meinem Leben schaffen, anderen Menschen richtig zuzuhören. Und das geht nur wenn mensch genug Zeit hat für den anderen da zu sein und sich auf ihn einstellen kann und aufmerksam sein kann. Eigentlich möchte ich ja jedem Menschen der mit mir redet, richtig zuhören, doch in Wirklichkeit gelingt es mir oft nicht mal bei meinen besten Freunden. Ich denke das liegt zum Teil daran, dass niemand richtig Zeit hat und auch nie den Kopf frei hat um wirkliche Gespräche zu führen.
Ich glaube ein anderer Grund ist der, dass viele meiner Freunde nicht wirklich daran glauben, dass wir wirklich ein schönes Leben leben könnten und deswegen auch nicht bereit sind einen wirklichen Schritt in diese Richtung zu gehen. Weil oft ist auch die Angst da, dass wenn wir einen solchen Schritt machen und das dann aber nicht klappt, wir uns in einer ausweglosen Situation befinden (ohne Job, ohne Geld, ohne Haus…)
Und so ist dann auch keine wirkliche Diskussion möglich, keine die zu etwas führt. Und wenn sie zu etwas führt, dann meistens zu dem Schluss, dass der andere sich lieber so gut wie möglich unserer Leistungsgesellschaft anpasst als das obengenannte Risiko einzugehen. Was ja auch gut verständlich ist, bei Menschen die nicht daran glauben, dass das klappen könnte.
Auch ich bin mir nicht sicher, dass das so klappen könnte wie ich mir das vorstelle. Weil die meisten von uns irgendwie schon so kaputt sind, dass wir es vielleicht nicht schaffen werden. Und trotzdem glaube ich daran, weiss ich, dass es möglich ist und sowieso kann ich nicht, will ich nicht anders leben. Und ich weiss auch was mir meine Kraft nimmt und was ich machen müsste um sie wiederzubekommen. Doch es ist sehr schwer dieses Wissen in die Tat umzusetzen. Das was mir eigentlich am meisten Kraft nimmt, ist dass ich jeden Monat Geld auftreiben muss. Und das geht nur wenn ich Kraft in einen für mich sinnlosen Job stecke, Kraft die ich dann nicht mehr habe um mir eine Situation aufzubauen wo ich z.B. das Geld was ich brauche über einen sinnvollen Job reinbringen kann. Oder eine Situation haben in der ich kein Geld brauche.
Diese Möglichkeit wir jetzt vielleicht Wirklichkeit. Im September wird eine Wohnung frei die meinen Eltern gehört. Und vielleicht kann ich da umsonst wohnen. Dann würde ich fast kein Geld mehr brauchen und hätte die Gelegenheit meine Kraft in wichtige Sachen zu stecken wie aufhören mit kiffen, gesund essen und leben und um vielleicht mit Dir an unserem kleinen „Paradies“ zu arbeiten. Das wäre für mich ein sehr grosser Schritt, vor allem der Schritt erstmal ne Zeit alleine, nicht mehr in der WG zu wohnen. Doch ich weiss, dass obwohl mein schönster Lebenswunsch ist mit Menschen zusammen zu leben die ich lieben und die mich lieben, ich jetzt erstmal ne Zeit für mich brauche in der ich viel alleine bin und alles das verarbeiten kann was ich bis jetzt erlebt habe. Diese Möglichkeit habe ich glaube ich nicht in der WG, weil ich mich da zu leicht ablenken lasse und es auch nicht gross genug ist um wirklich seine Ruhe da zu haben. Auch glaube ich wird es Diane und mir gut tun eine Zeitlang nicht auf so engem Raum zusammenzuleben, denn nachdem wir 5 Jahre fast jeden Tag zusammenhängen wird es immer schwieriger noch wirklich für den anderen da zu sein und nicht nur aus Gewohnheit oder so.
Darum will ich auch, wenn wir wirklich mal zu vielen zusammen leben wollen, dass das vielleicht ein paar Häuser und Wohnmobile sind damit jeder die Möglichkeit hat mal Abstand zu nehmen oder sich zurückzuziehen ohne dass er/sie gleich die Gemeinschaft verlassen muss. Denn niemand von uns ist glaube ich stark genug um lange auf kleinstem Raum mit verschiedenen Menschen zusammenzuleben.
Ich habe aber eigentlich nicht soviel Angst die WG zu verlassen denn ich glaube, dass ich immer hingehen kann wenn ich will. Und die Menschen die da leben werde ich bestimmt nicht verlieren uns sowieso mache ich das ja, damit ich nachher wieder mit ihnen zusammen leben kann.
Das ist ja auch ein Thema, welches die Existenz der WG direkt betrifft. Im Moment müssen wir sowieso schauen wie es weitergehen soll, denn Ini hat z.B. gesagt dass sie so im Juni umziehen wird und ich will eigentlich auch so früh wie möglich hier raus, auch wenn ich erst im September nach Differdingen gehen kann. Dann werden also zwei Plätze frei und wir müssen herausfinden ob der Vermieter die Wohnung überhaupt auf einen anderen überschreibt.
Bis jetzt wurde noch nicht soviel darüber geredet wie das jetzt weiter gehen soll und wer denn so kommen soll, aber z.B. ist im Gespräch dass die 2 Martines hier wohnen wollen. Was ich persönlich sehr schön finden würde, denn ich fühle mich sehr wohl mit ihnen. Wir müssen aber noch herausfinden wie wir das denn machen werden. Zum Beispiel wird das finanziell bestimmt nicht so einfach, weil die brauchen ja aber bestimmt mindestens 500 Euro pro Monat (wovon schon 322 für die Miete und Charges weggehen) wenn nicht sogar mehr. Eine Lösung wäre vielleicht ein Freiwilligendienst, aber dann muss Life noch fleissig Geldmittel auftreiben.
Ein Gedanke der viel in meinem Kopf rumschwebt, ist der, vielleicht jetzt schon nach einem oder mehreren Häusern zu suchen, denn es gibt ziemlich viele Menschen die interessiert wären in einer WG zu wohnen, z.B. Pi, Jengi, Johny, Ini(?), Babe, Martine, Martine, Sacha, Gary, Jean-Luc, Chris(?), und bestimmt noch einige andere. Vielleicht könnten wir ja einen Brief an Gemeinden, Zeitungen und Immoilienfirmen schicken und fragen ob sie keine Häuser haben in denen wir eine WG machen könnten. Natürlich muss mensch erst wissen wie Ernst es den einzelnen Leuten ist und unter welchen Umständen sie bereit wären an einem solchen Projekt teilzunehmen.
So, jetzt habe ich erst mal genug geschrieben und bin froh, dass ich aber ein paar Gedanken hier zusammenbekommen habe. Und ich hoffe ihr konntet alles verstehen. Ich gebe dir diesen Brief jetzt einfach mal damit Du vielleicht ein bisschen mehr weisst was ich so denke und um vielleicht herauszufinden was du denn so denkst.
Vielen Dank fürs Lesen!!!
Ech hun dech gär!!
Johny
Interesse an alternativen Wohn-und Lebensgemeinschaften in Luxemburg?
Wenn ja, dann lasst uns zusammen in diese Richtung gehen. Nach den Sommerferien wollen einige Leute aus dem Umfeld des Infoladens sich regelmässig treffen um auch in Luxemburg gemeinschaftliche Projekte in Luxemburg zu entwickeln und umzusetzen.
Lasst uns die Welt gemeinsam ändern. Es wird Zeit…
